USA Studienfach Bioterrorismus
New York - Wie verhalte ich mich bei einer Milzbrand- oder Pockenattacke? Was tun, wenn im Zuge einer Terrorwelle Impfstoffe und Medikamente knapp werden? Mit solchen Fragen müssen sich amerikanische Medizinstudenten - aber auch Ärzte und Krankenschwestern - seit dem vergangenen Jahr verstärkt auseinandersetzen.
Wie der amerikanische Nachrichtensender CNN berichtet, bieten immer mehr Universitäten und medizinische Schulen Kurse zum Umgang mit terroristischen Attacken an. So müssen etwa die Studenten am Medical College of Ohio einen Pflichtkurs in Katastrophenmedizin belegen, der früher nur zu den Wahlfächern gehörte. Der Kurs vermittelt den angehenden Ärzten die neuesten Methoden, um Opfer von terroristischen Attacken zu identifizieren und zu behandeln.
An der Joan C. Edwards School of Medicine, die an der Marshall Universität in Huntington angesiedelt ist, können Studenten sogar einen Abschluss in "Bioterrorismus-Studien" machen. Dazu müssen sie laut Professor Terry Finger Vorlesungen zu Anthrax, Pocken, Gehirnentzündungen (Enzephalitis) oder anderen Krankheiten belegen, die durch Biokampfstoffe ausgelöst werden können.
Die amerikanische Medizinervereinigung AAMC hat nach Angaben des Nachrichtensenders extra einen Expertenausschuss einberufen, der weitere Vorschläge zur Aufnahme von medizinischem Anti-Terror-Training in die Lehrpläne unterbreiten soll.
"Niemand hat an so etwas gedacht, als ich noch Student war", zitiert CNN den Soziomediziner Robyn Gershon. Der Professor lehrt die Studenten an der New Yorker Columbia Universität in einem speziell erweiterten Kurs, was sie im Falle eines Biowaffenangriffs zu tun haben. Dabei werden neben der Behandlung der jeweiligen Krankheiten auch ethische Fragen wie der zwischenmenschliche Umgang mit infizierten Personen angesprochen.
Die Beschäftigung mit Milzbrand und Pocken ist an sich nichts Neues. In vielen amerikanischen Instituten wurden diese Krankheiten bereits vor dem 11. September im Unterricht behandelt. Bis dahin unbekannt war allerdings der terroristische Kontext, der der medizinischen Lehre mittlerweile eine neue Dimension eröffnet hat. Standen frührer noch der einzelne Patient und seine Krankheit uneingeschränkt im Mittelpunkt, müssen sich die angehenden Ärzte heute stärker damit beschäftigen, wie man Terroropfer identifiziert, Massenimpfungen durchführt und Schutzzelte aufbaut.