Wochenend-Liebe Ich packe meinen Koffer...
- UNBEDINGT MITNEHMEN:
Ein Paar feste Schuhe. Der lange Spaziergang kurz nach dem Wiedersehen überwindet die Distanz auch im Kopf: Er gibt Zeit und Ruhe, zum Reden, Lachen, Streiten. Und um zusammen zu schweigen. Kein Fernseher stört, keine Kino-Leinwand. Solche Rituale helfen, die Distanz zu überwinden und Nähe herzustellen. Wer stattdessen vom Flughafen direkt ins Theater hetzt und danach zum Abzappeln in die Disko rennt, wird noch am nächsten Morgen denken, da liege jemand Fremdes im Bett.
Zahnbürste, Deo, Shampoo, Handtuch, Pullover, T-Shirt. Wer diese Kleinigkeiten beim ersten Besuch mitnimmt und sie in der Wohnung des Partners lässt, freut sich beim zweiten Mal, sie wieder zu sehen und zu benutzen. Das hört sich banal an, ist aber eine gute Methode, sich daheim zu fühlen, wo man eigentlich zu Gast ist.
Ein gutes Buch. Das gemeinsame Wochenende kann schnell mit Erwartungen und Plänen überladen werden. "Weihnachtseffekt" nennen Paarpsychologen das. Ein paar Stunden gepflegtes Nichtstun auf der Couch, zum Beispiel mit einem Buch, entschleunigen dagegen alles. Ein Tag, den wir gemeinsam genussvoll der Faulheit widmen, bringt uns näher zusammen als jedes Museum, jede Shopping-Tour, jede Achterbahnfahrt und jeder Theater-Abend. Für die ganzen Aktivitäten ist immer noch Zeit, wenn das Faulsein wieder langweilig wird.
Das Rückfahrticket. Es gibt nichts, was eine kurze gemeinsame Zeit mehr belastet als ein unklares Ende. Wer am gemeinsamen Wochenende stundenlang im Internet nach Verbindungen sucht oder endlos am Fahrkartenschalter ansteht, vergeudet gemeinsame Zeit und sorgt für eine künstliche Vorwegnahme des Abschieds. Egal, ob Flieger, Zug, Schiff oder Bus: Ist die Sache mit dem Ticket ungeklärt, provoziert das einen quälend langen Abschied, der beiden auf die Nerven geht.
Ein paar Fotos der eigenen Freunde, der Stadt. Unter der Woche ist es wichtig, am Telefon, in E-Mails, Briefen auch von den nervigen Kommilitonen oder Kollegen zu erzählen. Oder vom Fitnesstraining. Auch am Wochenende sind ein paar Bilder aus dem Alltag eine gute Idee: nicht die aus dem Fotokurs, sondern die einfachen, mit der Digitalkamera oder mit dem Mobiltelefon. So lässt man den Partner teilhaben am Alltag. Und ringt um Teilhabe am Leben des anderen - es entsteht eine gemeinsame Welt.
- AUF JEDEN FALL ZU HAUSE LASSEN:
Den Wecker. Vermeiden: den ständigen, ängstlichen Blick auf die Uhr. Wozu? Angst, den Rückflug zu verpassen? Was in Wahrheit helfen kann: Nicht jedes Mal pünktlich am Sonntagabend wieder abzuschwirren, sondern ab und an zum Beispiel Brückentage hinzu zu nehmen. An einem knappen Wochenende kommen sich Liebende nie so nah, wie sie es eigentlich sind. Die ständige Wieder-Annäherung braucht Zeit und Ruhe. Ein Wochenendpaar braucht alle ein, zwei Monate ein langes Wochenende, am besten mit dem Freitag und dem Montag. Ein Wecker stört da nur.
Das Bild im Portemonnaie, auf dem sie lacht, als sei sie die Sonnenkönigin. Das Bild hilft, während der Trennung Sehnsucht zu symbolisieren. Wenn der Job öde ist oder man beim Zahnarzt im Wartezimmer sitzt: ein Blick, und die Freude kommt zurück. Am Wochenende aber ist sie selbst da, in echt: ein Mensch. Keine Sonnenkönigin, die immer lacht. Und darum bleibt das Bild zu Hause.