Wohnungsnot Leben wie Zlatko
Karlsruhe - René Stephan vom Karlsruher Studentenwerk ärgert sich. Mit seinen Mitarbeitern hat er den Container extra so auf den Marktplatz gestellt, dass niemand, der in der Innenstadt unterwegs ist, ihn übersehen kann. Und nun hat sich dieser Touristenbus davor gedrängt, was den Effekt von einer Seite zunichte macht. Weiter schlimm ist das aber nicht: Viele Karlsruher bleiben vor dem gläsernen Container stehen, der eine Woche lang, ordnungsgemäß als Demonstration angemeldet, im Dreistundentakt wechselnde Studentengruppen beherbergt. Daran hängt ein Transparent mit der Telefonnummer der Zimmer-Vermittlung und dem Slogan "Student sucht Zimmer".Timo Sattel ist gerade für ein paar Stunden in den Container eingezogen. Der 22-Jährige studiert Elektrotechnik in Karlsruhe und hat eine der Schichten übernommen, die 28 Studenten in dieser Woche untereinander aufteilen. "Manchmal kommen auch Leute rein, die direkt eine Wohnung anbieten", sagt Sattel. Seine Kommilitonen, die am Montag im Studentenzoo saßen, hatten indes nicht nur freundliche Begegnungen: Ein älterer Herr beispielsweise polterte gegen die Studentenwelt im Allgemeinen, der es viel zu gut gehe.
Manchmal verlaufen die Besuche der Spaziergänger aber auch positiver: Drei Studenten, die am Montag im Container wohnten und schon länger erfolglos eine WG-taugliche Wohnung suchten, unterhielten sich eine ganze Weile mit einem älteren Herrn, erzählt Stephan. Als er schon am Gehen war, habe sich der Mann noch einmal umgedreht: "Ich hab da übrigens eine Wohnung für sie."Hintergrund der Big-Brother-Inszenierung ist die Wohnungsnot, die Studenten in Karlsruhe ebenso plagt wie in vielen anderen Uni-Städten. Ein paar Studenten könnte die Reminiszenz an Zlatko und Konsorten tatsächlich weiter helfen: "Wir haben acht Mal so viele Anrufe von Vermietern wie sonst bei unserer Wohnungsvermittlung", sagt René Stephan. Beschwingt vom Erfolg will er Slogan und Telefonnummer nun auch auf eine Straßenbahn pappen. Damit hofft er zumindest einen Teil des Wohnungsproblems aufzufangen."Ein Herz für Studenten"Angebote aus der Bevölkerung brauchen die Veranstalter dringend: Allein in Karlsruhe fehlen bei 27.000 Studenten 1000 Wohnheimplätze, bundesweit sind es nach Schätzungen des Deutschen Studentenwerks (DSW) 21.000. Besonders schwierig sei es in klassischen Uni-Städten und Metropolen, in denen der Wohnraum ohnehin immer teurer werde, sagt DSW-Mitarbeiterin Mechthild Klett. Wer in München, Hamburg oder Köln eine Wohnung sucht, ist mitunter Monate damit beschäftigt. Bisweilen sind Studenten so verzweifelt, dass sie darüber nachdenken, einen Wohnwagen zu beziehen.
Nicht nur in Karlsruhe haben sich die Leute vom Studentenwerk deshalb ins Zeug gelegt, um die letzten freien Wohnungen und Zimmer für Studenten zu finden. In Freiburg und Mannheim beispielsweise hängen sie Plakate in Bahnen auf; in Heidelberg wirbt das Studentenwerk mit dem Spruch "Wer ein Herz hat, vermietet an Studenten." In der Vergangenheit haben manche Städte zu Semesterbeginn Containerstädte aus dem Boden gestampft, um die Studenten wenigstens vorübergehend unterzubringen.Wohnungs-Scout René Stephan indes hofft, dass er keine Notunterkünfte aufbauen muss. Ab dem Wochenende wäre in jedem Fall ein Container frei, den er anbieten könnte, so ihn der Sponsor nicht zurück will - dann endet die Aktion auf dem Karlsruher Marktplatz.