Preisreform Musikstreamingdienst Deezer wird teurer
Deezer-Chef Jeronimo Folgueira: »Was bei uns verbleibt, reicht oft nicht einmal, um unsere Kosten zu decken.«
Foto: DeezerDer Musikstreamingdienst Deezer hat am Dienstagvormittag seine Preise erhöht: Einzel-Premiumabos für Neukunden kosten jetzt monatlich 10,99 Euro statt bislang 9,99 Euro. Das Studenten-Abo wird ebenfalls einen Euro teurer, bei neuen Familienabos mit sechs Konten steigt der Preis um zwei Euro, auf nun 16,99 Euro. Das Jahresabo gibt es fortan für 98,90 statt bisher 89,91 Euro.
Im Zuge der Änderung streicht Deezer sein bisher einzeln vermarktetes HiFi-Angebot, das höhere Soundqualität bietet. Das HiFi-Paket ist nun aber Bestandteil aller Bezahlabos zu den neuen Preisen. Bestandskunden zahlen bei dem Streaminganbieter weiter ihre bisherigen Beiträge, bekommen jedoch keinen HiFi-Bonus. Auch sein Gratis-Angebot mit Werbung behält Deezer bei.
Manche Nutzerinnen und Nutzer von Streaming-Diensten teilen ihre Accounts mit Freunden oder Familienmitgliedern – oft auch mit solchen, die nicht im eigenen Haushalt wohnen. Wie halten Sie es mit der Weitergabe von Streaming-Zugängen? Und welche Rolle spielt die Preispolitik der Anbieter für Ihre Entscheidung?
Schreiben Sie uns zu diesem Thema gern eine kurze Einschätzung per Mail, an markus.boehm@spiegel.de, mit dem Betreff »Streaming«. Ihre Zuschriften werden keinesfalls ungefragt veröffentlicht.
Deezers Preiserhöhung, die Firmenchef Jeronimo Folgueira vorab über die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ) ankündigte , hat Symbolkraft. Bei mehreren großen Musikstreaming-Anbietern wie Spotify, Amazon Music Unlimited, Tidal und YouTube Music Premium ist 9,99 Euro der Standardpreis für ein Einzelabo mit Monatszahlung.
10,5 Millionen zahlende Abonnentinnen und Abonnenten
»Wir haben vor zwölf Jahren mit 9,99 Euro angefangen, als der Katalog 4,5 Millionen Songs zählte«, sagte Jeronimo Folgueira dazu der »FAZ«: »Heute sind es 90 Millionen in HiFi-Qualität.« Preiserhöhungen seien auch mit Blick auf die Künstler angebracht, sagte Folgueira, »denn so können wir mehr Geld ausschütten.«
Nahezu alle Streamingdienste sehen sich seit Jahren dem Vorwurf von Musikerinnen und Musikern ausgesetzt, bei ihren Ausschüttungen zu knauserig zu sein. Der Deezer-Chef betonte derweil, es seien »nicht die Dienste, die das große Geld verdienen«. Bis zu 70 Prozent der Einnahmen landeten bei den Rechteinhabern der Musik. »Was bei uns verbleibt, reicht oft nicht einmal, um unsere Kosten zu decken.«
Deezer hat neuesten Angaben zufolge rund 10,5 Millionen zahlende Abonnentinnen und Abonnenten. Der Dienst ist in mehr als 180 Ländern verfügbar. Besonders hohe Marktanteile hat er in Frankreich und Brasilien.
In einer Pressemitteilung zu seinem neuen Preismodell betont das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris, dass es die erste Preiserhöhung seit zehn Jahren sei. Außerdem wird hervorgehoben, dass Deezer unter dem Namen Audiobooks by Deezer auch noch eine eigenständige App für Hörbücher und Hörspiele anbietet, die Teil der Premium-Abos ist.