Google Science Journal im Test - DER SPIEGEL
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Google Science Journal: Experimentieren per App

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Google Science Journal Eine App als Messlabor

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Voller Sensoren und stets dabei: Das Smartphone ist ein Experimentierkasten zum Einstecken. Mit der App "Science Journal" will Google diese Möglichkeiten Nachwuchswissenschaftlern zugänglich machen.

Wer hat als Kind nicht gerne die Welt erforscht? Selbst der trockene Unterricht der Naturwissenschaften mit seinen vielen mathematischen Formeln kann nicht allen Schülern den Spaß an der Praxis verderben. Wenn der Physiklehrer ein Experiment ankündigt, wachen auch die Hinterbänkler wieder auf.

Google hat nun eine App veröffentlicht, die sich zunutze macht, dass in jedem Smartphone zahlreiche Messgeräte stecken. Der Name: "Google Science Journal". Derzeit kann sie die Beschleunigung in alle drei Richtungen des Raumes, sowie die Lichtmenge und den Schalldruck messen. Außerdem gibt es kompatible Bausätze, durch die sich externe Sensoren einbinden lassen. Allerdings verweist Google zum Kauf solcher Bausätze bisher nur auf amerikanische Shops .

Virtueller Versuchsaufbau

Mit dem Smartphone allein lassen sich aber schon einige Versuche anstellen. Zum Beispiel kann man herausfinden, wie die Rutsche auf dem Spielplatz funktioniert. Im Physikunterricht steht das im Kapitel "Schiefe Ebene", und man muss dafür mit Vektoren rechnen können. In der App übernehmen die Theorie kurze Erklärtexte. Diese bieten einen ausreichenden Überblick, könnten aber gerade für die jüngere Zielgruppe noch einfacher formuliert sein und mehr auf Bilder setzen. Der Fokus liegt aber auf dem Ausprobieren.

Dazu legt man in der App ein neues Experiment an und bestimmt, welche Sensoren ausgelesen werden sollen. Im Fall der Rutsche wären das die Beschleunigungssensoren der Y- und Z-Achse. Einmal gespeicherte Versuchsanordnungen lassen sich beliebig oft nutzen. Die Grafen, die sich aus den Messungen ergeben, können mit Notizen und Bildern ergänzt werden.

Auswertung in Excel

Mit den so gewonnenen Daten lässt sich in der App selbst nicht arbeiten. Sie können aber als CSV-Datei exportiert werden, um sie etwa in Excel zu bearbeiten. Für den intuitiven Umgang mit den Messungen ist das ein Hindernis. Auch sollte man nicht allzu exakte Ergebnisse erwarten. Wer nach den ersten Spielereien etwas tiefer gehen will, dem wird eine Option fehlen, mit der sich die Sensoren manuell eichen lassen oder Nullpunkte definiert werden können. Viele Standardfunktionen echter Messgeräte sind in der Google-App nicht zu finden.

Um die App herum baut der IT-Riese das Programm "Making & Science"  auf, das bisher allerdings nur auf Englisch Anleitungen zum Experimentieren anbietet. Unter anderem wirbt der YouTube-Star John Green für das Programm.

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Ganz uneigennützig dürfte das nicht sein. Natürlich will der Konzern, dass die Ingenieure von morgen Google mit ihrer Kindheit verbinden, statt etwa den Experimentierkasten-Anbieter Kosmos. Außerdem konnten sich Chromebooks über die letzten Jahre in den USA als Schulcomputer etablieren. Da ist es nur konsequent, wenn Google sich auch noch des Unterrichtsmaterials annimmt.

Im Grunde kann "Science Journal" nur wenig neues. Es gibt für Android  und iOS  bereits zahlreiche Apps, die Sensordaten auslesen und aufzeichnen. Nur sehen die meist viel komplizierter aus und richten sich damit an ein Publikum, das genau weiß, was da gemessen wird. "Science Journal" ist eher eine App, die man auf einem ausgedienten Gerät installiert und dem Nachwuchs in die Hand drückt.

Das Argument für Googles "Science Journal" ist seine Einfachheit. Wenn die Verbindung mit den Bausätzen tatsächlich so problemlos funktionieren sollte, dass Zehnjährige mit halbwegs technisch begabten Eltern sofort einsteigen können, könnte das viele für das Experimentieren begeistern, die derzeit von komplexer Technik abgeschreckt werden. Die App könnte dann Grundlage für einen fortgeschrittenen Elektrobaukasten werden.