Anti-Diebstahl-Apps: Android-Schützer im Test
Android-Sicherheit Diese Anti-Gauner-Apps sichern Smartphones
Laut einer Statistik des Forsa-Instituts haben sieben Millionen Deutsche schon einmal ihr Handy verloren, vier Millionen Besitzern ist es bereits einmal gestohlen worden. Kein Wunder, dass Sicherheitsfirmen und Smartphone-Hersteller inzwischen Dutzende Apps mit "Anti-Diebstahl"-Funktionen anbieten. Der Name verspricht streng genommen zu viel: Einen Diebstahl verhindern können die Apps nicht. Aber sie helfen mit etwas Glück, das Telefon nach dem Verlust wiederzufinden. Im Idealfall verhindern sie auch, dass der Dieb persönliche Daten durchstöbert.
Die meisten Anwendungen bieten drei Anti-Gauner-Maßnahmen: Man kann das Smartphone aus der Ferne orten, sperren und löschen. Diese Befehle übermittelt man entweder per SMS oder über ein Web-Portal an das vermisste Android-Gerät. Aus diesem Prinzip ergeben sich Einschränkungen. Die wichtigste: Eine Bildschirmsperre ersetzen die Apps nicht.
Unbedingt die Bildschirmsperre aktivieren
Ist die unter Android im Menü "Standort & Sicherheit" einstellbare Sperre nicht gesetzt, liest der Dieb vielleicht schon vertrauliche Mails, bevor man den Verlust bemerkt. Außerdem schalten Profi-Gauner die Mobilfunk- und W-Lan-Verbindung ab, sodass man das Handy weder per SMS noch über das Internet erreichen kann - jeder aus der Ferne abgesetzte Sperrbefehl läuft ins Leere. Wer ein Entsperrmuster statt einer PIN nutzt, sollte übrigens regelmäßig das Display putzen. Die Fingerspuren könnten sonst das Muster verraten.
Auf verriegelten Smartphones kann der Finder oder Dieb Notrufnummern wählen, aber keine Apps nutzen und keine Daten sehen. Sicherheitshalber sollte man das Handy auch bei aktivierter Android-Bildschirmsperre zusätzlich aus der Ferne sperren. Die von uns getesteten Apps führten die Sperrbefehle binnen weniger Minuten aus. An die Daten, die auf einer herausnehmbaren SD-Karte liegen, kommt der Dieb natürlich trotzdem heran.
Schnell Löschbefehl senden
Für fähige Gauner sind die Sperren überwindbar: Daten aus dem internen Speicher können sie in den meisten Fällen über USB auslesen, die Hardware nach dem Flashen der Firmware wieder uneingeschränkt nutzen.
Ehrliche Finder haben bei aktiver Tastensperre kaum eine Möglichkeit, den Eigentümer zu ermitteln. Bei einigen Android-Telefonen kann man unter "Standort & Sicherheit" eine Meldung für den Lockscreen eingeben, zum Beispiel eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse. Auch einige der Apps im Testfeld zeigen auf Wunsch auf ihrem Sperrbildschirm eine persönliche Nachricht an.
Für die Ortung GPS aktiviert lassen
Ist das Telefon gesperrt, bietet sich im nächsten Schritt die Ortung an. Die Apps, die per SMS fernbedient werden, beantworten die Anfrage meist binnen Minuten per E-Mail oder per SMS mit einem Google-Maps-Link. Die Apps mit Webportal zeigen den ermittelten Standort noch etwas schneller auf einer Karte.
Da die Geräte nur über W-Lan und GPS präzise geortet werden können, sollte man zumindest GPS stets aktiv lassen (ebenfalls unter "Standort & Sicherheit"). GPS verbraucht nach unseren Messungen im Standby nur 0,4 Milliwatt (beim Motorola Milestone). Das wirkt sich auf die Akkulaufzeit kaum aus. W-Lan zehrt stärker an den Energiereserven, sodass man zwischen Sicherheit und Laufzeit abwägen muss.
Mit Glück liegt das vermisste Telefon unter freiem Himmel und der GPS-Empfänger verrät eine Position, die nur wenige Meter vom realen Standort abweicht. Diese sollte man an die Polizei weitergeben. Sie hilft in der Regel bei der Wiederbeschaffung, falls man Anzeige wegen Diebstahl erstattet hat.
So hilfreich die Ortungsfunktion im Notfall ist, so gefährlich ist sie, wenn sie missbraucht wird. Richtet man sie heimlich auf dem Smartphone eines unbedarften Nutzers ein, wird dieser das kaum bemerken. Das Überwachen ist in diesem Fall strafbar - im Gegensatz zum Orten eines Diebs.
Daten aus der Ferne löschen
Die dritte Maßnahme bei Handyverlust ist das Löschen. Hier gibt es Unterschiede: Die Dienste von Motorola und Samsung sowie die App von F-Secure bieten ausschließlich die Möglichkeit, das Smartphone mit der Android-Funktion "Werkseinstellungen" in den Auslieferungszustand zurückzuversetzen. Das ist eine endgültige Trennung vom Gerät - man kann es anschließend nicht mehr orten oder mit dem Finder Kontakt aufnehmen. Einzig die Inhalte auf der SD-Karte verbleiben bei manchen Lösungen.
Die Apps von AVG , Kaspersky und McAfee tilgen nur ausgewählte Daten, bleiben also auch nach dem Löschbefehl aktiv und fernbedienbar. Bei der App von Avast kann man vor dem Verlust des Gerätes einstellen, ob nur die SD-Karte gelöscht oder das Gerät zusätzlich auch auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt werden soll. Die meisten Apps löschen die Daten, ohne sie zu überschreiben. Mit einem Tool wie Pareto-Logic lassen sich dann zum Beispiel Fotos von SD-Karten wiederherstellen. Neugierige Diebe erledigen das in wenigen Minuten. Eine Ausnahme ist die Avast-App , die optional die SD-Karte überschreibt, was länger dauert als das Löschen. Im Test konnten wir mit unserem Recovery-Tool keine Daten wiederherstellen.
SIM-Sperre
Nutzt man einen Herstellerdienst oder eine der Apps mit Webportal, sollte man die SIM-Karte vom Mobilfunk-Provider sperren lassen. Dazu ist meist die Angabe der eigenen Telefonnummer notwendig sowie das Kundenkennwort und teilweise die Kartennummer. Diese Angaben sollte man in der Brieftasche oder an passwortgeschützter Stelle im Web aufbewahren. Bei den Apps mit SMS-Steuerung sollte man die SIM-Karte erst sperren, wenn man das Telefon per SMS-Befehl gesperrt, geortet und wichtige Daten gelöscht hat oder die Hoffnung aufgeben musste.
Rufnummern und Kosten für Kartensperrungen
| Netzbetreiber | Telekom | Vodafone | E-Plus | O2 |
|---|---|---|---|---|
| Rufnummer | 01803/3 30 22 02 | 0800/1 72 12 12 | 0177/10 00 | 01805/62 43 57 |
| Kurzwahl | 2202 | 1212 | 10 00 | 5 52 22 |
| Koste für Sperre | 8,80 Euro | kostenlos | kostenlos | 10 Euro |
| Kosten für Ersatzkarte | 20,50 Euro | 20,50 Euro | 15 Euro | 15 Euro |
Dienste der Hersteller
Google bietet mit "Apps Device Policy " einen Dienst, der Android-Smartphones ab Version 2.2 sperren, löschen und orten kann. Den gibt es allerdings nur im Paket mit den Google-Apps für Unternehmenskunden, die 40 Euro pro Nutzer und Jahr kosten. Die Dienste von Motorola und Samsung richten sich an Privatnutzer und sind gratis. HTC hatte mit Sense.com ein ähnliches Angebot, stellte dieses jedoch vor kurzem ein.
Motorola Motoblur
Auf einigen Motorola-Smartphones mit Motoblur -Oberfläche wie dem Defy+ richtet man beim ersten Start ein Konto für den gleichnamigen Webdienst ein. Nach dem Einloggen im Web-Portal kann man das Gerät orten, sperren oder es auf die Werkseinstellungen zurücksetzen.
Im Portal weist Motorola darauf hin, dass beim Zurücksetzen des Gerätes die Daten auf der Speicherkarte erhalten bleiben und dass man zum Sperren der SIM-Karte den Netzbetreiber kontaktieren soll. Weiterhin stellt die Webseite die IMEI des Smartphones zur Verfügung und importiert Kontakte.
Motoblur vermiest dem Dieb den Einsatz einer eigenen SIM: Unser Testgerät, ein Motorola Defy, forderte nach einem SIM-Karten-Wechsel zur Eingabe der Motoblur-Zugangsdaten auf, ohne sie startete das Telefon nicht. Im Test konnten wir das Motoblur-Konto nicht ohne Kennwort vom Gerät schmeißen, aber trotzdem im Handumdrehen "entwanzen": durch Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen.
Samsung Dive
Samsungs Dive ist eine Weiterentwicklung des uTrack-Dienstes, der Nutzern älterer Samsung-Handys bekannt sein dürfte. Diese Handys registrieren einen SIM-Karten-Wechsel und simsen die Telefonnummer der neu eingelegten Karte an eine vorab festgelegte Nummer. Dive geht weiter: Mit dem Webdienst kann man orten, sperren, löschen und klingeln lassen.
Der Dienst steht für die meisten aktuellen Samsung-Smartphones zur Verfügung. Neben Geräten mit Samsungs Betriebssystem Bada sind dies zahlreiche Android-Modelle. Zur Konfiguration richtet man unter Einstellungen/Konten ein "Samsung-Konto" ein. Mit den dabei festgelegten Zugangsdaten loggt man sich im Ernstfall in Samsungs Web-Portal ein.
Beim Sperren des Telefons kann man über die Webseite einen bis zu 100 Zeichen langen Text eingeben, der auf dem Display des Gerätes angezeigt wird, zudem eine Telefonnummer - nur diese kann man auf dem gesperrten Telefon wählen. Das vollständige Löschen samt Speicherkarte geschieht in weniger als einer Minute, danach startet es im Auslieferungszustand.
Das Samsung-Konto lässt sich nur durch Eingabe des Passworts deaktivieren. Anders als unser Motorola-Testgerät fragte unser Samsung-Modell aber auch beim Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen nach dem Passwort. Ein Dieb kann das Gerät also nicht so leicht entwanzen wie die Motorola-Geräte.
Sperr- und Ortungsprogramme aus Googles App Store
Sucht man in Googles App-Markt nach "Anti Theft", erscheinen mehr als 400 Treffer. Darunter sind einige Apps von bekannten Herstellern von Windows-Sicherheitstools; die Mehrzahl stammt aber von unbekannten Programmierern. Anders als die Dienste von HTC, Motorola und Samsung laufen die Sicherheitslösungen aus Play auf fast allen Android-Geräten, unabhängig vom Hersteller.
Wir haben die Apps von Avast, AVG, F-Secure, Kaspersky und McAfee ausgewählt sowie Plan B vom weniger bekannten Anbieter Lookout . Die Apps von Avast, F-Secure und Kaspersky reagieren ausschließlich auf SMS-Befehle. Man muss also schnell reagieren, bevor der Dieb die SIM-Karte wechselt. Und man muss die Befehle und seine zuvor festgelegte PIN auswendig wissen. F-Secure-Nutzer texten zum Beispiel #lock#PIN, Kaspersky-Nutzer block:PIN.
Die Apps von AVG und McAfee werden über das Internet ferngesteuert (Avast will bald ein Web-Portal nachliefern). Man muss sich im Verlustfall auf der Webseite des Anbieters einloggen, wo man seine Rettungsmaßnahmen per Klick einleitet. Bei AVG meldet man sich mit seinem Google-Account an, sodass man sich keine zusätzlichen Zugangsdaten merken muss.
Die App von Avast lässt sich unter einem Decknamen installieren (etwa "Cow Race"). Anschließend verschwindet sie aus dem Hauptmenü, damit Diebe keinen Verdacht schöpfen. Im Anwendungs-Manager bleibt sie unter dem unverdächtigen Decknamen sichtbar, gestartet wird sie durch Anwählen einer PIN in der Telefon-App. Auf gerooteten Android-Geräten bietet sie Zusatzfunktionen. Die wichtigste: Auf unserem HTC Desire mit Cyanogenmod überlebte sie sogar das Zurücksetzen des Smartphones mit der Werkszustand-Option, sodass wir das Smartphone anschließend weiter fernsteuern konnten.
Ein Sonderfall ist Plan B von Lookout . Als einzige App im Testfeld ist sie dafür ausgelegt, nach dem Verlust des Telefons installiert zu werden. Dazu meldet man sich am PC in Google Play an und schickt Plan B per Ferninstallation auf das Smartphone. Dort startet die App automatisch und schickt die GPS-Daten an die Mail-Adresse des primären Google-Accounts, der auf dem Gerät eingerichtet ist. Das geschieht auffällig: Plan B läuft im Vollbild und verrät in der Beschreibung, was vor sich geht. Es dürfte aber die letzte Chance sein, ein verlorenes Telefon wiederzufinden.
Fazit - Schutz gegen Gelegenheitsdiebe
Die Webdienste von Samsung und Motorola ähneln sich bei den Grundfunktionen - orten, sperren, löschen. Samsung Dive hebt sich dadurch ab, dass der Dieb das Smartphone nicht ohne Weiteres in den Werkszustand zurückversetzen kann. Diese zusätzliche Hürde hilft gegen technisch unbegabte Gauner, falls das verlorene Smartphone nicht durch eine Code-Sperre geschützt ist und das Sperren aus der Ferne nicht funktioniert. Wer ein Samsung-Smartphone nutzt, sollte Dive also ruhig ausprobieren.
Die Apps aus Googles App Store Play wird ein Dieb leichter los. Nur Avast Mobile Security kann das Zurücksetzen überleben, aber nur auf gerooteten Smartphones. Die Avast-App ragt auch sonst heraus: Sie tarnt sich geschickt, überschreibt im Ernstfall die SD-Karte (statt nur zu löschen) und bietet die detailliertesten Einstellungen. Unter den Apps mit Webportal gefällt die von McAfee mit fein abstufbaren Lösch-Optionen.
Alle Apps und Hersteller-Dienste sind machtlos gegen Profi-Langfinger, die die SIM-Karte entnehmen und Sperren durch Flashen der Firmware umgehen. Bei Gelegenheitsdieben ist die Chance, dass man noch etwas ausrichten kann, aber recht gut.
Alle Anti-Diebstahl-Apps im Überblick
Der Artikel ist im Sonderheft "c't extra Android 1/2012" erschienen. Ein Inhaltsverzeichnis des Hefts finden Sie hier, der Heise-Verlag bietet auch eine Bestellmöglichkeit .