Schwarze Liste der US-Regierung Huawei muss im neuen Topsmartphone vielleicht auf Google-Apps verzichten
Das vorerst Letzte seiner Art? Huawei Mate 20 X 5G mit Google-Apps
Foto: Matthias Kremp / SPIEGEL ONLINEAm 18. September wird Huawei in München angeblich das Mate 30 vorstellen, sein neues, 5G-taugliches High-End-Smartphone. Doch ob es wie gewohnt mit Googles Betriebssystem Android inklusive der beliebten Google-Apps wie dem Kartendienst Google Maps, oder mit einer Open-Source-Version von Android ohne Google-Apps oder mit Huaweis eigenem Betriebssystem HarmonyOS ausgeliefert wird, ist derzeit nicht abzusehen.
Für Huawei ist das von entscheidender Bedeutung. Außerhalb von China hätte das Gerät ohne die Google-Dienste keine Chance auf dem Markt. Zu stark ist der Konkurrenzkampf mit anderen Herstellern, die auf jeden Fall die populären Apps integrieren.
130 Lizenzen beantragt, keine genehmigt
Der aktuelle Stand: Nach Angaben eines Google-Sprechers wird das Mate 30 ohne die sogenannten Google Mobile Services auskommen müssen. Die "temporäre Generallizenz" der US-Regierung zum Verkauf von US-Technik an Huawei gelte nicht für neue Produkte.
Hintergrund ist eine von der US-Regierung erstellte schwarze Liste von chinesischen Unternehmen, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen, angeblich wegen Sorgen um die nationale Sicherheit. US-Präsident Donald Trump selbst hatte aber angedeutet, dass Huawei im Rahmen eines Handelsabkommens mit China von der schwarzen Liste gestrichen werden könnte - was wiederum nichts mit nationaler Sicherheit zu tun hätte.
Google müsste deshalb eine eigene Lizenz für bestimmte Produkte beantragen, um das Mate 30 ausstatten zu dürfen. Nach Angaben von Reuters haben bisher 130 US-Unternehmen eine solche Lizenz zum Handel mit Huawei bei der US-Regierung beantragt, aber bisher gebe es noch keine einzige Genehmigung. Ob Google unter diesen 130 ist, wollte der Unternehmenssprecher nicht sagen, obwohl Google im Juni mitgeteilt hatte, weiter mit Huawei zusammenarbeiten zu wollen.
Auch für Huawei wäre das die bevorzugte Lösung. Unternehmenssprecher Joe Kelly sagte Reuters: "Huawei wird weiterhin Android und dessen Ökosystem nutzen, wenn die US-Regierung es erlaubt. Andernfalls werden wir weiter an unserem eigenen Betriebssystem und Ökosystem arbeiten". Gemeint ist damit HarmonyOS, das Huawei Anfang August der Öffentlichkeit vorgestellt hatte.
Kein Problem soll hingegen der Prozessor des Mate 30 darstellen: Der Kirin 990 genannte Mikrochip wird in der kommenden Woche auf der Ifa in Berlin vorgestellt und basiert auf Designs des britischen Herstellers ARM. Zwar hat auch ARM seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei abgebrochen, weil Teile seiner Technologie in den USA entwickelt wurden. Doch Huawei hat nach eigenen Angaben eine unbegrenzt gültige Lizenz zur Nutzung des ARM-Designs für seine Chips.