Jugendschutz Instagram beschränkt Accounts von Teenagern
Jugendliche Handynutzerin: Altersangaben werden bei der Kontoeinrichtung nicht überprüft
Foto: Elena Medoks / Moment / Getty ImagesInstagram führt für Teenager ein »neues Nutzungserlebnis« ein, ob die das nun wollen oder nicht. Neu angelegte Konten sowie nach und nach auch bestehende Konten von Jugendlichen auf Instagram bekommen »einen integrierten Schutz, der einschränkt, wer sie kontaktieren kann und welche Inhalte sie sehen«, wie die Meta-Tochter mitteilte.
Der sieht dann standardmäßig so aus:
Teen-Konten werden auf »privat« gestellt: Jugendliche müssen neue Follower ausdrücklich akzeptieren. Nicht-Follower können Inhalte der Accounts nicht sehen oder mit den Jugendlichen interagieren.
Eingeschränkte Direktnachrichten: Jugendliche können nur noch von Personen, denen sie folgen oder mit denen sie verbunden sind direkt kontaktiert werden.
Einstellungen für sensible Inhalte: Teen-Konten erhalten automatisch die restriktivste Einstellung für das Anzeigen von sensiblen Inhalten. Sensible Inhalte sollen sie so nicht zu Gesicht bekommen, für Instagram gehören dazu etwa Gewaltdarstellungen und Beiträge, die Selbstverletzungen thematisieren.
Eingeschränkte Interaktionen: Jugendliche können nur von Personen, denen sie folgen, markiert oder erwähnt werden. Außerdem aktiviert Instagram automatisch die restriktivste Version der Funktion »Nachrichten und Kommentare verbergen«. Beleidigungen in Kommentaren und DM-Anfragen sollen dadurch herausgefiltert werden.
Zeitlimit: Jugendliche werden automatisch aufgefordert, die App nach 60 Minuten Nutzung pro Tag zu verlassen.
Nachtmodus: Zwischen 22 Uhr und 7 Uhr morgens werden Benachrichtigungen stumm geschaltet, auf Direktnachrichten werden automatische Antworten verschickt.
Teen-Accounts benötigen unter Umständen die Zustimmung ihrer Eltern, um bestimmte Einstellungen zu ändern
Foto: InstagramJugendliche unter 16 Jahren benötigen die Zustimmung ihrer Eltern, um einzelne Schutzmaßnahmen weniger strikt einzustellen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die sogenannte Elternaufsicht in der App eingerichtet ist. Ist das der Fall, können Eltern nun auch in Accounts von 16- oder 17-Jährigen
einsehen, mit wem ihre Teenagerkinder in den vergangenen sieben Tagen gechattet haben (Nachrichten selbst können sie jedoch nicht einsehen),
festlegen, wie viel Zeit ihre Kinder pro Tag auf Instagram verbringen dürfen,
die Nutzung von Instagram in der Nacht oder zu bestimmten Zeiten blockieren.
Neue Technologie soll Konten von Teenagern finden
Instagram ist bewusst, dass sich manche Jugendliche so eine elterliche Kontrolle nicht gerade herbeisehnen und schon bei der Einrichtung ihrer Konten ein falsches Alter angeben. Überprüft wird das bei der Einrichtung nicht. Wenn aber etwa ein Account nachträglich das Geburtsdatum verändert, ergreift die Plattform Sicherheitsmaßnahmen.
Das Unternehmen verifiziert das Alter nach eigenen Angaben in Verdachtsfällen »an weiteren Stellen« und entwickle derzeit »eine Technologie, mit der wir Konten von Teenagern finden und automatisch in geschützte, altersgerechte Einstellungen einstufen können. Somit werden wir proaktiv Konten von Jugendlichen finden, die falsche Altersangaben eingestellt haben.« Es handelt sich dabei um KI-Systeme, die nach mutmaßlich falschen Altersangaben suchen, indem sie unter anderem Profilinformationen sowie Interaktionen auswerten. Den Anfang will Instagram in den USA machen, ab Anfang 2025.
Die Umstellung auf Teen-Konten beginnt ab sofort bei neu angelegten Accounts. Bestehende Konten von unter 18-Jährigen (die Instagram als solche erkennt) sollen innerhalb von 60 Tagen in den USA, Großbritannien, Kanada und Australien umgestellt werden, im Rest der Welt ab Januar 2025. Im kommenden Jahr sollen außerdem auch »andere Meta-Plattformen« Teen-Konten bekommen, wie es in der Mitteilung heißt.
Instagram steht derzeit in mehreren Ländern unter starkem politischem Druck, den Jugendschutz effektiv zu stärken. In mehreren US-Bundesstaaten wurden bereits Gesetze beschlossen, die den Zugang zu sozialen Medien für Jugendliche wesentlich einschränken sollen. Australien debattiert derzeit sogar ein Totalverbot für Jugendliche unter 14 oder gar 16 Jahren.