Schach-App: So funktioniert "Really Bad Chess"
iPhone-App "Really Bad Chess" Schach für Bauern
Jahrelang haben Schachprofis die Züge der Großmeister auswendig gelernt und an ihren Eröffnungen gefeilt. Sorry, aber das bringt bei der kostenlosen iOS-App "Really Bad Chess" leider gar nichts. Bei ihr haben auch Anfänger eine Chance, zu gewinnen. Profis müssen umdenken.
Wer beim Starten der App angibt, dass er gut Schach spiele, wird mit einer Warnung begrüßt: "Mach dich bereit für einen Kulturschock." Der Grund: Die Sizilianische Verteidigung und die Spanische Partie funktionieren bei "Really Bad Chess" einfach nicht.
Wo sonst die Bauernreihe den König beschützt, stehen nun Läufer und Springer an der Front. Drei Damen flankieren den König, an der üblichen Startposition des Turms steht ein Bauer in der rechten Ecke des Spielfelds. Und so geht das immer wieder: Zwar bleiben die Regeln gleich, doch die Aufstellung und die Zahl der Figuren ändern sich bei jedem Spiel, für jeden der beiden Spieler.
Aber wäre ist es nicht fairer, wenn beide Spieler mit der gleichen Aufstellung beginnen? Ja, wenn die Gegner auf gleichem Niveau spielen. Aber Schachcomputer beispielsweise kennen viele Züge der klassischen Startaufstellung auswendig. Oft ergeben sich ähnliche Situationen und der Computer weiß schon zehn Züge im Voraus, wie er seinen Gegner matt setzen kann.
Bei "Really Bad Chess" klappt das nicht. Ähnlich wie beim Spiel "Go" ergeben sich durch die ungleichen Aufstellungen zahlreiche neue Situationen, die ein Computer nicht aus einer Datenbank abrufen kann. Der Amateur hat eine faire Chance.
Die Stärke der Figuren orientiert sich am Können: Verliert ein Spieler, sinkt sein Rang, aber dafür werden seine Figuren nach jedem verlorenen Spiel besser. Das gilt jedoch auch umgekehrt: Je öfter man gegen den Computer gewinnt, desto weniger Damen und Türme stehen in der Startaufstellung - und man bekommt wieder mehr Bauern und Springer zugewiesen.
Software aus den Sechzigerjahren
Der App-Entwickler Zach Gage sieht das Problem darin, dass Schach kein Glücksspiel ist. Im Gegensatz zu Poker habe man keine Chance gegen erfahrene Spieler zu gewinnen, sagt Gage gegenüber dem Tech-Magazin "The Verge" . Er habe nie gerne Schach gespielt, aber ihm gefiel die Idee dahinter. Daher habe er sich entschieden, "dem Schachspiel den Kern zu entreißen". Dafür hat Gage die Software einer künstlichen Intelligenz aus den Sechzigerjahren, die nicht dazulernt, sondern lediglich auf eine Datenbank mit abgespeicherten Zügen zurückgreift, für 25 Dollar gekauft.
Deren Können reicht aber vollkommen für anstrengende Duelle. Der Computergegner ist ziemlich stark und hat bei unserem Test zunächst alle Spiele gewonnen. An der Schwierigkeitsstufe kann man leider nichts ändern, die künstliche Intelligenz des Computergegners bleibt immer auf demselben Niveau. Erst als wir auf Rang fünf von 100 absackten, wendete sich das Blatt. Mit vier Damen in den eigenen Reihen schafften wir es, den Computer matt zu setzen, der mit vielen Springern und ein paar Bauern starten musste.
Und so macht das Spiel plötzlich richtig Spaß. Gegen die stärkeren Figuren hatte die künstliche Intelligenz der Schach-App kaum eine Chance. Doch schon unterhalb der 30er-Marke war unsere Erfolgsserie vorbei. Mit vier Damen im Team fallen leider auch dem Computer wieder ziemlich fiese Züge ein. Schade ist eigentlich nur, dass man nicht gegen menschliche Gegner spielen kann - um auch mal einen echten Profi zu besiegen.