iPhone-App "unWorded" Rätselhaftes Bilderspiel
iOS-App "unWorded"
Foto: BentoEin Strich, ein sichelförmiges Gebilde und der Buchstabe "J" sind auf dem Bildschirm zu sehen - ein Regenschirm soll daraus entstehen. Mit den Fingern ziehe ich die drei Symbole, bis sie ein Bild ergeben. Der Schirm spannt sich auf und fliegt davon. Doch wenig später erscheint er wieder, nur diesmal ist außerdem noch ein Mann zu sehen. Er liegt auf dem Boden und blickt in den Himmel. Plötzlich prasseln Dutzende kleine Buchstaben auf ihn herab.
Irgendwie will ich dem Mann helfen. Also ziehe ich intuitiv den Regenschirm über seinen Körper. Die Buchstaben fallen an den Seiten des Schirms herunter. Fasziniert beobachte ich das Spektakel.
Dass es bei manchen Applikationen auf die Details ankommt, zeigt sich in dem neuesten iPhone-Spiel des Herstellers "Bento" . Dieser hat aber nichts mit dem gleichnamigen SPIEGEL-ONLINE-Angebot "bento" zu tun.
In der iOS-App "unWorded" baut man aus Buchstaben und Formen verschiedenste Objekte, die dann zum Leben erwachen. Alles verwoben in eine tragische Geschichte um einen Schriftsteller, der nach einem schweren Unfall die Freude am Leben verliert.
Die App ist in mehrere Kapitel aufgeteilt: Angefangen mit "Schock/Verdrängung", geht es im zweiten Kapitel etwa um das Thema "Wut". Die Emotionen des Protagonisten werden so nach und nach in metaphorischen Kurzgeschichten, wie etwa "Die verlassene Insel", verarbeitet.
Eher passiv als aktiv
Die einzige Aufgabe in dem Spiel ist es, Bilderrätsel zu lösen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach.
Zu Anfang eines jeden Kapitels steht ein Dialog zwischen "ihr" und "ihm". Die Namen der beiden Protagonisten erfährt man - zumindest in den ersten drei Kapiteln - nicht. Aus dem Kontext heraus wird jedoch klar, dass es sich bei "ihm" um den verunglückten Schriftsteller handelt und bei "ihr" um seine Geliebte.
Dann geht es los: In reimenden Versen wird jede Kurzgeschichte erzählt, dazwischen gilt es, die Bilderrätsel zu lösen. Erst wenn die Buchstaben und Formen richtig zusammengebaut werden, kann die Geschichte weitergehen. So wird der Spieler in die Handlung eingebunden.
Nachdem die Bilderrätsel in der App "unWorded" gelöst wurden, erwachen sie zum Leben.
Foto: BentoDie Hinweise verbergen sich in den lyrischen Zeilen. Hierbei ist Kreativität und Fantasie gefragt: Manches Bilderrätsel ist so kniffelig, dass die Lösung einem fast unmöglich erscheint. Auf weitere hilfreiche Hinweise wartet man vergeblich. Dafür kann man zumindest auf einen Hilfebutton klicken: Dann werden die Symbole, die an der richtigen Stelle platziert wurden, weiß markiert, alle anderen erscheinen in Rot.
Nichts für schwache Nerven
Wer jedoch nichts richtig platziert, sieht wortwörtlich rot. So konnte ich eines der Bilderrätsel nicht lösen. Das war ziemlich frustrierend - und ermüdend. Denn das Verschieben der Symbole ohne sinnvolles Ergebnis macht wenig Freude. Die repetitive Melodie, wie etwa ein mystisches Dauertrommeln im Hintergrund, macht das Ganze für mich sogar zum Nervenakt.
Für ein kurzes Spiel zwischendurch in der Bahn ist die App also kaum geeignet. Vielmehr sollte man Zeit, Ruhe und Geduld mitbringen. Die Kurzgeschichten leben von ihrer inhaltlichen Tiefe, ihrer semantischen Schönheit und ihren anspruchsvollen Bilderrätseln. Es macht Spaß, die Geschichten auf sich wirken zu lassen, kleine Pausen einzulegen und darüber nachzudenken. Wer also gestresst ist oder nur kurz etwas spielen will, ist bei "unWorded" definitiv falsch.