Frustrierende Suche bei Videodiensten So finden Sie Filme besser
Filmauswahl bei Maxdome
Ich bin froh, dass es bei Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon Prime Instant Video keinen Timer gibt, der zählt, wie lange ich schon im Menü hänge. Mich ziellos voranklicke, in der Hoffnung, doch noch den richtigen Film für diesen Augenblick zu finden.
Den einen habe ich schon gesehen, den anderen will ich ein andermal gucken, beim dritten ist mir ohne Trailer das Flop-Risiko zu groß. Und die 2:46 Stunden für "Boyhood", den ich seit Ewigkeiten gucken will, habe ich auch diesmal nicht.
Früher wurde man schief angeguckt, wenn man 30 Minuten ziellos und latent überfordert durch die Videothek streifte, heute gehört das bei Netflix und Co. zum Nutzungserlebnis dazu.
Dieses Problem - viel Auswahl, aber kaum Durchblick - habe ich bei allen größeren Videoflatrate-Angeboten. Noch komplizierter wird es, wenn jemand zweites dabei ist, egal ob Freundin, Kumpel oder Elternteil.
Vorbilder wie Spotify
Nun gibt es immerhin ein wenig Bewegung bei den Flatrate-Anbietern: Maxdome , der Videodienst von ProSiebenSat.1, erneuert zu seinem zehnjährigen Jubiläum sein Angebot - mit "mehr Service durch Orientierungshilfen". Soll heißen: Maxdome will es leichter machen, passende Inhalte zu finden, "mit cleveren Top-Listen, thematischen Kollektionen und Redaktionsempfehlungen".
Video-on-Demand-Portal: So sieht Maxdome jetzt aus
Der Ansatz klingt simpel, aber nicht verkehrt. Netflix zum Beispiel weiß ziemlich genau - von den großen Diensten vermutlich am besten -, was ich geschaut habe, welche Filme und Serien so ähnlich sind und mir daher vermutlich ebenfalls gefallen. Netflix weiß aber nicht, ob ich gerade von meiner Arbeit genervt bin und einfach nur Ablenkung brauche oder ob gerade meine Freundin dabei ist, weshalb alle Horrorfilm-Vorschläge sinnlos sind.
So blöd es wirkt, per Klick seine Stimmung und Alltagssituation auszuwählen, beim Musikdienst Spotify finde ich es mittlerweile praktisch, auch Playlisten wie "Konzentration", "Abendessen" oder "Schlaf" starten zu können. Ich höre zwar gern und oft tanzbare elektronische Musik, beim Dinner mit Gästen passt das aber nicht wirklich.
Bei einem ersten Kurztest macht das altbekannte, neu inszenierte Maxdome einen ordentlichen Eindruck: Aktuell werden etwa Filme und Serien zu Themen wie "Hirn abschalten" und "Beziehungsstress?" empfohlen. Bei erstem Wunsch rät der Dienst zu "Bad Boys" und "John Rambo", bei zweiterem Problem zu "Magic Mike" und "Freunde mit gewissen Vorzügen".
Als "Filme für sie und ihn" werden "Ziemlich beste Freunde", "Die Tribute von Panem: Catching Fire" und "Silver Linings" empfohlen - Tipps, die für mich ganz vernünftig klingen.
Tipps von "Maxperten"
Manche Empfehlungen sind personalisiert, sie kommen dann von Mitarbeitern, die hier - warum auch immer - "Maxperten" heißen. Die sieben Tippgeber werden mit Foto und kurzer Personenbeschreibung vorgestellt, dadurch wirkt die Maxdome-Seite tatsächlich weniger statisch als vorher und mehr wie ein Onlinemagazin. Bald sollen auch Prominente wie die Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes Empfehlungen abgeben.
Eine Liste der meistgesehenen Filme und Serien gibt es weiterhin, sie ist aber weniger prominent platziert als bisher. So ist die Gefahr geringer, dass man dort landet und sich stets nur von Blockbuster zu Blockbuster durchklickt. Wie zuvor lassen sich Filme auch nach der Nutzerbewertung sortieren. Danach steht dann mit "Searching for Sugar Man" eine tolle, aber vergleichsweise unbekannte Doku, auf Platz sechs der Charts.
Was schade ist, im Vergleich etwa zu Netflix aber trotzdem besser: Nicht alle, aber gefühlt die meisten Filme haben bei Maxdome einen Trailer, sodass man vorab einen Eindruck vom Inhalt bekommen kann. Auch die Textbeschreibungen sind bei Maxdome hilfreicher, da sie anders als die Netflix-Zusammenfassungen auch mal aus mehr als zwei Sätzen bestehen.
Wie gut funktioniert das langfristig?
Abzuwarten bleibt, wie abwechslungsreich und spannend Maxdomes Tipps auf Dauer sein werden. Wenn nun bislang weniger aufgefallene Inhalte hervorgehoben werden, dürfte sich stärker zeigen, wie facettenreich und vielschichtig das Maxdome-Angebot tatsächlich ist - oder eben nicht.
Interessant wird auch, wie konsequent die neuen Elemente eingesetzt werden. Wird mir der Dienst sonntags um 4 Uhr morgens andere Profi-Tipps anzeigen als nach Feierabend? Kriege ich etwas Neues vorgesetzt, wenn ich alles unter "Beziehungsstress" durchgeschaut habe?
Und, da die Empfehlungen auch als "Kritiken" gedacht sind: Werden sich die "Maxperten" auch trauen, Filme zu verreißen, die Teil ihres Angebots sind? Ihrer Glaubwürdigkeit würde eine Playlist wie "Allgemein überschätzte Blockbuster" sicher nicht schaden, ein wenig komisch sähe das aber schon aus.
Die neue Benutzeroberfläche hat Maxdome übrigens ausführlich begründet. Chef Marvin Lange lässt sich in einer Pressemitteilung mit der Aussage zitieren, selbst der beste Algorithmus stelle die Nutzer auf Dauer nicht zufrieden. Im selben Text heißt es, Maxdome setze nun auf eine umfassende Kuratierung, die automatisierte und persönliche Empfehlungen vereint, "ein absolutes Novum im Video-on-Demand-Markt".
So ganz neu und die Lösung aller Probleme sind persönliche Filmempfehlungen dann aber auch nicht: Oft genug haben mir bislang nicht Algorithmen, sondern manchmal auch meine Freunde Quatsch empfohlen.
Zusammengefasst: Die ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome hat ihr Flatrate-Angebot überarbeitet. Der Dienst versucht jetzt, automatisierte und persönliche Empfehlungen zu kombinieren. Angesichts der Unübersichtlichkeit vieler Streaming-Plattformen ist das keine schlechte Idee.
Hinweis: Unsere Bilder und Eindrücke stammen aus der Browserversion, Maxdomes Android-App sah am Donnerstagmorgen noch genauso aus wie früher.