Sicherheitswarnung Millionen nutzen Android-Apps mit Schnüffelcode
Android: Gravierende Sicherheitslücke soll geschlossen werden
Foto: SPIEGEL ONLINESicherheitsforscher der US-Firma FireEye warnen vor gravierenden Sicherheitslücken in beliebten Android-Apps. Die Probleme bringe eine Software-Bibliothek zum Einbetten von Werbung mit sich, berichten die Forscher. Sie haben alle Android-Apps in Googles Play Store untersucht, die mehr als eine Million Mal heruntergeladen wurden. In 1,8 Prozent dieser Programme ist das gefährliche Software-Paket eingebunden, sie wurden mehr als 200 Millionen Mal installiert.
Die Entwickler wussten vermutlich nicht, in welchem Ausmaß die eingebundenen Progammbibliothek die Privatsphäre von Nutzern verletzt, Daten überträgt und dabei leicht von Dritten missbraucht werden kann. FireEye nennt die Software und die betroffenen Apps nicht beim Namen - vermutlich, damit Kriminelle nicht wissen, welche Apps sie attackieren müssen.
Die Erkenntnisse der FireEye-Forscher im Überblick:
- Zugriff auf private Informationen: Die Software kann auf Anweisung des Steuerungsservers, der alle Installationen aus der Ferne kontrolliert, Textnachrichten, Anruflisten und Kontakte aus dem Adressbuch kopieren und weiterleiten. Standardmäßig übertragen wird die E-Mail-Adresse des Besitzers des Smartphones und eine Auflistung aller installierten Programme.
- Nachladen von Schadcode möglich: Die Programmbibliothek kann jederzeit neuen Code vom Steuerungsserver nachladen und auf dem Smartphone ausführen - ohne Einschränkungen.
- Gravierende Sicherheitslücken: Diese weitreichenden Möglichkeiten zum Manipulieren und Spähen können Kriminelle leicht ausnutzen. Die Programmbibliothek überträgt laut FireEye Informationen unverschlüsselt, auch Software wird ohne Sicherung nachgeladen. Für erfahrene Computerkriminelle wäre es ein Leichtes, diese kaum gesicherte Software als Einfallstor zu nutzen, um Nutzer zu belauschen, Kontakte zu kopieren, Onlinebanking-SMS zu unterdrücken und zu kopieren oder gefälschte Websites aufzurufen.
FireEye hat nach eigenen Angaben Google und die Firma hinter der Software-Bibliothek über die Probleme informiert. Angeblich arbeiten die Unternehmen an einer Absicherung. Google hat auf Fragen von SPIEGEL ONLINE zu dem Fall nicht geantwortet.