Snapchat: Messenger-App wird für Pornografie benutzt - DER SPIEGEL
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Messenger-App Erotikbranche entdeckt Snapchat für sich

Mit Snapchat schicken sich nicht nur Privatleute erotische Fotos und Videos. Porno- und Erotikdarsteller haben erkannt, dass sie über das Bezahlsystem des Chatdienstes ein wenig nebenbei verdienen können - solange Snapchat es nicht merkt.
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Der Messenger-Dienst Snapchat steht mittlerweile auch bei Fans erotischer Aufnahmen hoch im Kurs. Das berichtet die "New York Times " und bestätigt damit eine Annahme, die das britische Tech-Magazin "The Register" bereits im November nahelegte : Wenn die Pornobranche mit Snapchat Geld verdienen kann, wird sie das probieren.

Anlass des "The Register"-Artikels war seinerzeit die Meldung, dass Snapchat Snapcash einführt. Dabei handelt es sich um ein Bezahlsystem für den Chatdienst, der damit beworben wird, dass man anderen Bilder und Videos schicken kann, die sich nach einer bestimmten Zeit selbst zerstören. Auch Videochats sind per Snapchat möglich, die App hat sich schnell einen Ruf als Sexting-Plattform für Privatleute erworben.

Die "New York Times" erklärt nun, wie das Bestellen von Bildern oder Videos von Fremden praktisch abläuft. Demnach schreiben interessierte Nutzer zunächst Erotikaccounts an, deren Namen sich über Internetforen wie Reddit finden lassen. Viele Einträge sind allerdings schnell veraltet, weil Snapchat die Accounts mitunter schon nach kurzer Zeit löscht, wenn das Unternehmen auf sie aufmerksam wird.

Die Bezahlung erfolgt stets im Voraus per Chatnachricht. Der Dienst Square Cash  erkennt, wenn in einer Nachricht ein Dollarzeichen mit einer Zahl dahinter eingetippt wird. Der Betrag wird dann dem Chatpartner gutgeschrieben.

Dem Zeitungsbericht zufolge kosten Fotos zwischen einem und fünf Dollar, Videos mit individuellen Sex-Shows seien deutlich teurer. Als Beispiel nennt die Zeitung eine Frau in den Zwanzigern, die für Bilder, auf denen sie leicht bekleidet ist, fünf Dollar verlangt.

Die Preispolitik männlicher Nutzer sei vergleichbar. Individuelle Neigungen würden natürlich berücksichtigt und das Foto sei extra für den Nutzer geschossen.

Snapchat selbst scheint, obwohl zu einem Großteil Jugendliche die App nutzen, nicht gegen jedes Erotikangebot vorzugehen: In den Benimmregeln  bestehen die Betreiber darauf, dass keine Pornografie oder Nacktheit verbreitet werden darf - für die jugendlichen Nutzer klar formuliert mit den Worten "Nutze Snapchat nicht für illegale Spielerein, und wenn du unter 18 bist oder dein Snap-Gegenüber es sein könnte: Lass deine Klamotten an!".

In einem nichtrepräsentativen Test der "New York Times" waren nach einer Woche von 30 Accounts mit Erotikangebot 28 geschlossen. Trotzdem vertreiben noch immer ungezählte Nutzer auf Snapchat ihre Fotos und Filme. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass die Profis oder die auf Einnahmen hoffenden Amateure verdeckt arbeiten - mit Künstlernamen, hinter denen Außenstehende kaum erotische Inhalte vermuten würden.

kbl

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