Software aus US-Gefängnis: Straftäter programmieren Kantinen-App - DER SPIEGEL
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Software aus dem Knast Straftäter programmieren Kantinen-App

In einem US-Gefängnis machten Probleme bei der Essensausgabe Häftlingen und Anstaltsleitung das Leben schwer. Die Lösung kam schließlich von den Insassen selbst: Einige von ihnen programmierten eine Software, die jetzt den gesamten Kantinenbetrieb überwacht.
Blick aus einer Zelle (Symbolbild): Programmieren hinter Gittern
Blick aus einer Zelle (Symbolbild): Programmieren hinter Gittern

Blick aus einer Zelle (Symbolbild): Programmieren hinter Gittern

Foto: Marc Tirl/ dpa
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Vollzugsanstalten sind meist gleichzeitig handwerkliche Betriebe. In den USA fertigen Insassen beispielsweise Nummernschilder an oder werden als Reinigungstrupps für Highways und Strände eingesetzt. Aber auch mit ungewöhnlicheren Aufgaben wie der Betreuung einer Pferdezucht  werden Straftäter dort betraut.

Eine ganz andere Aufgabe haben einige Insassen einer Haftanstalt in Oklahoma bewältigt. Sie programmierten für das Joseph Harp Correctional Center eine Software, die unter anderem die Essensausgabe überwacht. In der Gefängniskantine stellten sich Gefangene oft mehrmals in der Schlange an, um Extra-Portionen abzugreifen. Andere Häftlinge beschwerten sich, dass die Ausgabe diabetischer Mahlzeiten oder koscherer Gerichte nicht funktioniere. Mit der im Knast programmierten Software sollen diese Probleme beseitigt werden, ein Test läuft bereits.

Das Programm sei auch geeignet, um den Verbleib ausgeliehener Arbeitsgegenstände wie etwa Handschuhe oder Pfannenwender nachzuvollziehen, sagte ein Sprecher der Gefängnisbehörden  einer der größten Tageszeitungen von Oklahoma. Zwar teilten die Verantwortlichen nicht die Namen der Männer mit, die die Software entwickelt haben, verrieten jedoch, dass einer von ihnen eine Haftstrafe wegen Mordes verbüßt und mindestens einer der Programmierer wegen eines Sexualverbrechens verurteilt wurde.

Essen als Knast-Währung

Die Einführung der Software im ganzen Bundesstaat sei vorerst nicht geplant. Vor allem um sogenannte Backdoors, Programmierer-Hintertüren zur Manipulation der Software, sorgen sich die Verantwortlichen. Besonders weil die Pflege des Quellcodes in der Hand der Insassen liegt, wäre dies ein Risiko und müsste überwacht und kontrolliert werden. Denn jede zusätzliche, möglicherweise erschlichene Mahlzeit im Gefängnis ist für die Insassen wertvoll. Essen dient in US-Gefängnissen als Währung und Tauschobjekt.

Als Teil der Kantinen-Logistik überwacht das Programm auch die Anlieferung der Nahrungsmittel. Dabei bemerkten die Programmierer, dass die Preise der bestellten Ware sich von denen für andere Gefängnisse unterschieden - und das, obwohl derselbe Lieferant sie verkaufte. Die Logistik-Software könnte daher dazu führen, dass die Verträge neu verhandelt würden. Auch könnten Haftanstalten mit der Software je nach Bedarf gezielter einkaufen. "Die Insassen haben ein System entworfen, das dem Staat Millionen Dollar sparen könnte", sagte ein Abgeordneter des Bundesstaates Oklahoma, Bobby Cleveland, der "Washington Post " nach einem Besuch der Haftanstalt.

kpg

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