Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
meinung •Startmenü Wenn der Roboter Blut abnimmt
Liebe Leserin, lieber Leser,
für viele Patienten ist eines der schlimmsten Dinge beim Arztbesuch das Blutabnehmen. Sie fürchten sich davor, wenn ihnen eine Nadel in die Vene gerammt wird, um eins oder mehrere Röhrchen mit Blut zu gewinnen, das dann untersucht werden kann. Ein in den USA entwickelter Roboter könnte hier Abhilfe schaffen. Mittels künstlicher Intelligenz kann er geschickter als Menschen eine Vene finden, hineinstechen und Blut abnehmen.
Zumindest war das im Experiment so, bei einem Test an betäubten Ratten und Phantomen. Wird das Blut herkömmlich abgenommen, geht das in etwa jedem fünften Fall schief. Hat ein Patient schwierige Venenverhältnisse, kann sich dieser Wert sogar auf über 50 Prozent erhöhen. Vor allem für solche Fälle empfehlen die Wissenschaftler der amerikanischen Rutgers University in einer Studie vom Februar den Einsatz ihres Roboters.
Bisher gibt es diesen etwa 5 Kilogramm schweren und staubsaugergroßen Roboter nur als Prototypen. Eine Infrarotkamera spürt unter der Haut Blutgefäße auf, mittels einer Ultraschallsonde kann der Durchmesser des Gefäßes bestimmt werden und das System erkennt, ob es sich um eine Vene oder eine Arterie handelt. Ist die Vene identifiziert, berechnet nun eine Software, wie stark und in welchem Winkel der Roboter zustechen soll. Dafür werden auch Regungen des Patienten registriert.
Dieser Roboter, den Forscher der Rutgers-Universität entwickelt haben, wurde bisher erfolgreich an Tieren getestet
Foto: Martin Yarmush and Alvin ChenDer Blutentnahme-Apparat ist nur ein weiteres Beispiel dafür, wie Roboter mehr und mehr das Krankenhaus erobern. An einer Klinik im dänischen Aalborg sortieren Roboter Corona-Blutproben; am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf transportiert ein selbstfahrendes System Medikamente von der Klinikapotheke auf die Bettenstationen und kann dort sogar allein mit dem Fahrstuhl fahren. Bodenwischroboter von Blue Oceans Robotics desinfizieren Krankenhausböden in China und anderswo. In immer mehr Operationssälen stehen Operations-Roboter - wenngleich robotergestützte Operationssysteme nicht automatisch rein von Menschen durchgeführten Eingriffen überlegen sind.
Seltsame Digitalwelt: Wie die Generation Smartphone die Uhrzeit ermittelt
Neulich erzählte mir jemand folgende Geschichte: Der Handyakku sei leer gewesen, doch er habe unbedingt wissen müssen, wie spät es sei. Eine Uhr habe es an der Straße nicht gegeben, fragen wollte er niemanden. Was macht man dann? Klar: In den Supermarkt gehen, ein Kaltgetränk kaufen und unbedingt an der Kasse nach dem Bon fragen. Denn auf diesem Stück Papier steht nicht nur der Preis oder der Mehrwertsteuersatz drauf, sondern auch die Uhrzeit. Nun ja – ob das einfacher gegangen wäre?
Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien
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"Airbnb was like family, until the layoffs started" , (Englisch, sieben Leseminuten). Das einstige Vorzeige-Start-up Airbnb ist von der Coronavirus-Krise schwer getroffen. Hier beschreibt eine Reporterin, was im Inneren des Unternehmens passiert, wenn auf die Mentalität eines Start-ups eine Krise zurollt und was das mit den Mitarbeitern macht.
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Ich wünsche Ihnen eine sommerliche Woche,
Ihr Martin U. Müller