Berlin: BSI warnt nach Cyberangriff auf Landesnetz vor neuen Phishingattacken - DER SPIEGEL
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Cyberangriff auf Landesnetz BSI warnt nach großem Berlin-Datenleak vor neuen Hackerangriffen

Der Berliner Senat weigerte sich, ein Millionenlösegeld zu zahlen. Die Hackergruppe Rhysida hat daher zahlreiche erbeutete Daten veröffentlicht. Experten warnen nun vor Phishingattacken und Identitätsdiebstählen.
Sitz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn: Warnung nach Rhysida-Attacke
Sitz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn: Warnung nach Rhysida-Attacke

Sitz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn: Warnung nach Rhysida-Attacke

Foto: Oliver Berg / dpa

Nach der Veröffentlichung von Daten der Berliner Verwaltung durch Cyberkriminelle geht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) von einer erhöhten Bedrohungslage aus. »Das BSI weist explizit darauf hin, dass sich aus der Veröffentlichung gestohlener Daten verschiedene Risiken für die Betroffenen und letztlich für die Gesellschaft ergeben können«, erklärte ein Sprecher.

Für den politischen Raum bestehe insbesondere vor Wahlen die Gefahr sogenannter Hack-and-Leak-Operationen. Dabei werden gestohlene Dokumente, E-Mails oder Ähnliches zu einem für den Angreifer günstigen Zeitpunkt veröffentlicht und dabei womöglich in einen falschen Zusammenhang gerückt. In Berlin wird am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt.

Tat vermutlich »ausschließlich finanziell motiviert«

Dass die kriminellen Hacker, die nach dem Ablauf ihres Ultimatums an den Berliner Senat die von ihnen erbeuteten Daten online gestellt haben, eine politische Absicht verfolgen, wird laut dem BSI jedoch nicht vermutet. Man gehe davon aus, dass die Tat »ausschließlich finanziell motiviert« gewesen sei.

Das BSI weist zudem auf eine erhöhte Bedrohung durch gezielte Phishingangriffe nach dem Datenabfluss hin. Insbesondere Menschen, die in Kontakt mit betroffenen Personen oder Institutionen standen, sollten deshalb besonders aufmerksam sein. »Darüber hinaus können Daten, die Informationen zu kritischen Infrastrukturen, Unternehmen und Organisationen enthalten, je nach Sensibilität der Daten ebenfalls eine Erhöhung der Bedrohungslage bewirken«, warnt das Bundesamt.

Forderung von rund zwei Millionen Euro

Die Berliner Verwaltung hatte den am 14. August bekannt gewordenen Cyberangriff bestätigt. Die kriminelle Hackergruppe Rhysida forderte ein Lösegeld von 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro. Der Berliner Senat erklärte, nicht zahlen zu wollen.

Nach dem Verstreichen einer Frist am Freitagnachmittag machte die Hackergruppe ihre Drohung wahr: Es wurde ein 5,8 Terabyte großes Datenpaket im Darknet veröffentlicht. Mehr als 1,4 Millionen Daten sollen nun öffentlich abrufbar sein: In sozialen Netzwerken posteten Nutzerinnen und Nutzer am Freitag bereits Listen mit Dateinamen.

»Nach dem, was ich jetzt hier sehen kann, haben sie den kompletten Datensatz für alle zur Einsicht live gestellt«, sagte Joachim Selzer, ein Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), in einer ersten Reaktion zur Veröffentlichung. »Das ist für die Berliner Verwaltung schon unangenehm. Das sind natürlich sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen.«

»Lauter Kleinigkeiten, die für Identitätsdiebstahl interessant sein könnten«

In den Daten fänden sich unter anderem Bauangelegenheiten, Notfallpläne, Dokumente zu Bewerbungsverfahren, Stundenzettel, Wiedereingliederungsmaßnahmen von Mitarbeitern oder Betriebsratsunterlagen, so Selzer. Aber auch »jede Menge behördlicher Kleinkram«. Dies seien häufig »lauter Kleinigkeiten, die für Identitätsdiebstahl interessant sein könnten«.

Das mögliche Ausmaß des Leaks hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet. Laut eigenen Angaben verfügten die Erpresser nicht nur über die Daten von knapp 80.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren und mehr als 46.500 Verträgen, sondern auch über Informationen über Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, Justizunterlagen, Notfallpläne, Passwörter und knapp 6000 Dateien mit Log-in-Daten.

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mbö/dpa