Krisenstab gebildet Deutsche Presse-Agentur betroffen von Hackerangriff auf IT-Dienstleister
dpa-Büro in Hamburg
Foto: Maurizio Gambarini/ DPADie Deutsche Presse-Agentur (dpa) ist von einem Hackerangriff auf einen ihrer IT-Dienstleister betroffen. Das geht aus einer internen Mail der dpa an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervor, die der SPIEGEL einsehen konnte.
Einer Hackergruppe oder einem Einzeltäter sei es gelungen, mithilfe einer Ransomware-Attacke einen sogenannten Kryptotrojaner in die IT-Infrastruktur eines Dienstleisters einzuschleusen, heißt es. Es handele sich dabei aber nicht um einen direkten Angriff auf die dpa, den Angreifern sei es bislang auch nicht gelungen, Zugriff auf dpa-Systeme zu bekommen. Durch den Hackerangriff sei es den Tätern aber wohl gelungen, Server und Systeme des Dienstleisters zu verschlüsseln und den Besitzer vom Zugriff auszuschließen.
Noch sei unklar, ob private Daten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erbeutet wurden. »Potenziell betroffen sein können die Daten aller festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der dpa-Gruppe sowie Rentenempfängerinnen und -empfänger der dpa-Unterstützungskasse«, heißt es in dem internen Schreiben. Nun bestehe das Risiko, dass eventuell erbeutete Daten für Phishing-Versuche oder einen Identitätsdiebstahl verwendet werden könnten.
Krisenstab gebildet
Der Dienstleister ist der Mail zufolge insbesondere für den Druck und Versand von Lohn- und Gehaltsabrechnungen von dpa-Angestellten zuständig. Die Täter könnten also etwa Abrechnungen, Steuernummern, Kranken- und Sozialversicherungsnummern sowie Bankverbindungen erbeutet haben.
Die Deutsche Presse-Agentur hat nach eigenen Angaben einen Krisenstab gebildet, der sich intensiv mit dem Fall beschäftigt.
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»Heilbronner Stimme« ebenfalls von Cyberangriff betroffen
Am Wochenende war bereits ein Cyberangriff auf die »Heilbronner Stimme« bekannt geworden. Aufgrund der Attacke konnte die Tageszeitung am Montag nicht als gedruckte Ausgabe erscheinen. Etliche Systeme der Stimme Mediengruppe waren bei der Attacke in der Nacht auf Freitag verschlüsselt worden. Laut Unternehmen liegt ein Bekennerschreiben vor, was auf einen Erpressungsversuch durch sogenannte Ransomware hindeute. Es handle sich mutmaßlich um eine bekannte Tätergruppe.
Immer wieder waren deutsche Medienhäuser in den vergangenen Jahren Cyberangriffen ausgesetzt. Diese hatten teilweise wochenlang Auswirkungen unter anderem auf Zeitungsproduktionen. Eine Studie des Branchenverbands Bitkom beziffert den Schaden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage für die deutsche Wirtschaft auf jährlich 223 Milliarden Euro . IT-Forscher empfehlen in jedem Fall, bei Erpressungen nicht auf Lösegeldforderungen der Täter einzugehen.