100 Watt im Datenkabel Ein Nachbrenner für USB
Hamburg - Seit der Markteinführung vor 15 Jahren hat sich der USB-Standard mächtig verändert. Musste man sich in den Anfangsjahren noch mit mageren Datenübertragungsraten von 12 Mbit/s begnügen, genug für Tastaturen und Mäuse, wurde die Leistung später drastisch erhöht. Seit der Jahrtausendwende lassen sich bis zu 480 Mbit/s über die seither als Highspeed-USB bezeichnete Verbindung schicken. Die jüngste Version 3.0, Superspeed-USB getauft, legt die Messlatte noch mal höher, verspricht bis zu 4,8 GBit/s - theoretisch. Eines aber ist in all den Jahren gleich geblieben - und schon deshalb ein Ärgernis: Geräte, die sich per USB mit Strom versorgen, bekommen bestenfalls fünf bis zehn Watt. Zu wenig, um einen Handyakku schnell aufzuladen, zu wenig auch für manche externe Festplatte. Doch das soll sich nun ändern.
Die USB 3.0 Promoter Group, eine Gruppe zu der unter anderem Intel Microsoft und HP gehören, hat angekündigt, in Kürze Spezifikationen für eine Erweiterung des USB-Standards (USB) zu veröffentlichen. Die soll es ermöglichen, weit höhere Ströme als bisher durch USB-2.0- und USB-3.0-Kabel zu schicken. Bis zu 100 Watt sollen so bei den angeschlossenen Endgeräten ankommen. Das, so der Vorsitzende der USB 3.0 Promoter Group, Brad Saunders, werde nicht nur ausreichen, um einen Notebook-Akku zu füllen, sondern auch, um das Notebook selbst zu betreiben. Ein Netzteil, wie man es bisher gewohnt ist, würde überflüssig.
Stattdessen bräuchte man entweder einen passenden USB-Anschluss an einem anderen Gerät oder ein USB-Netzteil. Die genaue Spannung und Stromstärke, die darüber übertragen werden sollen, könnten Gerät und Netzteil untereinander aushandeln, sich also aneinander anpassen. Eine solche Konstruktion verspricht zwei große Vorteile: Zum einen könnten Akkus auf diese Weise erheblich schneller per USB geladen werden als man es gewöhnt ist. Zum anderen bräuchte man idealerweise nur noch ein USB-Netzteil, das sich je nach Bedarf an unterschiedliche Geräte, vom MP3-Player bis zum Bildschirm, anschließen ließe. Das heute übliche Steckerwirrwarr an der Steckdosenleiste ließe sich damit effektiv minimieren, der Strom könnte quasi von einem Netzteil aus per USB an mehrere Geräte verteilt werden, während über die Kabel gleichzeitig Daten fließen.
Ein Weilchen wird es allerdings noch dauern, bis es soweit ist. Auf einer Intel-Entwicklerkonferenz im September soll die USB-Erweiterung vorgestellt, Anfang 2012 beim USB Implementers Forum zur Ratifizierung eingereicht werden. Wann dann die ersten Geräte nach den neuen Spezifikationen in den Regalen stehen, bleibt abzuwarten - ebenso, wie gut sich alter und neuer Standard tatsächlich miteinander verstehen. Im Web jedenfalls kursieren schon Befürchtungen, USB-Kabel könnten schmelzen oder Netzteile unter der ungewohnten Last zusammenbrechen.
Man darf allerdings hoffen, dass die Entwickler des neuen Standards diese Gefahren auch gesehen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen eingebaut haben.