Bikini N12: Bademode aus dem Drucker
3-D-Technik Der Bikini aus dem Drucker
Die Designerinnen von Continuum Fashion haben einen Nerv getroffen. "Was für eine wundervolle Idee", schwärmt etwa das Technik-Blog Gizmodo von ihrem neuen Produkt, dem N12. Denn was sich anhört wie die Bezeichnung für ein Motoröl ist in Wahrheit ein Bikini. Aber nicht irgendein Bikini, der in traditioneller Weise per Nähmaschine aus bunten Stoffen zusammengenäht wird. Dieser Zweiteiler kommt aus einem Drucker. Einem speziellen 3-D-Drucker freilich, dessen Anschaffung und Betrieb mit erheblichen Kosten verbunden ist - und eine eigens dafür entwickelte Software voraussetzt.
Entwickelt haben diese Software Jenna Fizel und Mary Haung, nicht gerade typische Mode-Designerinnen. Die Architektin Fizel entwickelt im Hauptberuf interaktive Umgebungen für einen kleines Designbüro in Cambridge, Massachusetts. Ihre Partnerin hat Design, Medienkunst und Interface-Design studiert und mit einer Kollektion von durch LEDs beleuchteten Kleidern auf sich aufmerksam gemacht.
Dass die beiden technisch versierten Designerinnen auch mit dem N12 wieder viel Aufsehen erregen werden, steht außer Frage. Hergestellt wird das Kleidungsstück aus Tausenden unterschiedlich großer runder Nylon-Plättchen, die von winzigen Federn zusammengehalten werden. Die genaue Anordnung, das Muster der Plättchen, haben sie mit einer eigens entwickelten Software berechnet.
Die gibt eine bestimmte, der weiblichen Anatomie abgeschaute Geometrie vor, an deren Grenzen entlang die Software ihre Plättchen möglichst nahe beieinander zu platzieren versucht. Wie groß die Plättchen werden, hängt dabei von der Kurvigkeit der Oberfläche ab: Flache Areale werden von großen Plättchen abgedeckt, kurvige von entsprechend kleineren. Auf diese Weise wolle man sich der tatsächlichen "Oberfläche annähern und Flexibilität sicherstellen, wo sie benötigt wird". Offenbar ein ausgesprochen komplexes Verfahren an dessen Ende die Druckvorlage steht, die an das Unternehmen Shapeways weitergereicht wird, das auf den 3-D-Druck von Bekleidung spezialisiert ist.
Ähnliche Projekte hat es schon öfter gegeben, doch der N12-Bikini sei das erste bezahlbare Kleidungsstück, das von einem 3-D-Drucker erzeugt wird. Wobei der Begriff "bezahlbar" hier sicher ausgesprochen dehnbar ist. Allein das Oberteil kostet, je nach Größe, 250 bis 300 Dollar (170 bis 206 Euro). Das passende Höschen wird mit weiteren 200 bis 350 Dollar berechnet (137 bis 350 Euro).
Darüber, ob die so erkaufte Badeausrüstung dann auch komfortabel oder bloß auffällig ist, gibt es noch keine Berichte. Aber auch daran arbeiten Fizel und Haung bereits. In Zukunft nämlich wollen sie ihren Algorithmus so anpassen, dass sie individuelle Kleidungsstücke anhand eines 3-D-Körper-Scans drucken können. Die dürften dann wirklich wie angegossen passen.