Angefasst: Dieser Dell will ins Wohnzimmer - DER SPIEGEL
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Angefasst Dieser Dell will ins Wohnzimmer

Er ist klein, leise, und gegen Aufpreis bekommt man ihn auch in bunt: Dells Mini-PC Zino HD soll Multimedia und Internet auf den Fernseher bringen. Matthias Kremp hat ausprobiert, wie gut sich der Kleine als besserer Blu-ray-Player macht - und dabei auch gleich dessen Innenleben seziert.
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Der PC fürs Wohnzimmer: Dell Zino HD

Foto: Matthias Kremp

Die Reaktion ist verständlich. "Was ist das da neben dem Fernseher?", will meine Tochter wissen, als sie den Dell Zino HD in unserem Wohnzimmer erspäht. Kein Wunder, dass sie nicht sofort erkennt, dass der schwarz-orangefarbene Kasten ein PC ist. Zu ungewohnt und gar nicht nach Computer sieht der aus, ist klein, viereckig und hat so einen knallorangefarbenen Deckel obendrauf. Als ich erkläre: "Das ist ein Multimedia-PC", erstirbt das töchterliche Interesse abrupt. Mit Computern will sie nichts zu tun haben, zumindest nicht im Wohnzimmer.

Das kann ich gut verstehen, doch für Dells Zino HD mache ich eine Ausnahme. Immerhin versucht einer der größten PC-Hersteller des Planeten, mit diesem Gerät ins Wohnzimmer zu kommen. Bisher kennt man die Rechner des amerikanischen Versenders vor allem aus Büro und Arbeitszimmer. Aber beim Zino HD und dessen kleinem Bruder Zino (ohne HD) hat Dell einiges anders gemacht als bei seinen Standard-Computern - und vieles davon richtig, wie mir scheint.

Das Design gehört freilich nicht dazu. Hässlich ist der Apparat zwar nicht geraten, dafür aber unpraktisch, zumindest, wenn man ihn bestimmungsgemäß im Wohnzimmer benutzen will. Rund doppelt so hoch, aber nicht mal halb so breit wie ein DVD-Player ist der Zino. In typische TV-Möbel passt er mit diesen Maßen entweder nicht ganz rein oder sieht darin verloren aus. Außerdem will es mir nicht einleuchten, weshalb ich 25 Euro Aufpreis für einen bunten Deckel zahlen soll, der in der Herstellung wahrscheinlich gerade mal einen Euro kostet. Wäre es nicht ein Testgerät, hätte ich ihn in der Standardausführung, ganz in Schwarz bestellt. Aber eigentlich sieht das Orange gar nicht übel aus.

DVI: Kein Anschluss mit diesem Stecker

Schlechte Karten habe ich allerdings, als ich versuche, den Rechner an einen meiner Computerbildschirme anzuschließen. Ich dachte immer, die wären modern, weil rein digital, also ohne altertümliche analoge VGA-Anschlüsse. Denkste, muss ich bei einem Blick auf die Anschlussbuchsen des Zino HD feststellen. Der bietet mir für Monitore wahlweise VGA, was bestenfalls ein Notnagel wäre, und HDMI an. Mit den DVI-Kabeln meiner Bildschirme komme ich da nicht weiter.

Also ab ins Wohnzimmer und ran an den Fernseher mit dem Kasten. Da jedenfalls erscheint gleich nach dem Einschalten des Rechners das Windows-7-Logo. Ein bisschen ungewohnt ist das schon, plötzlich einen Windows-Desktop auf dem TV zu sehen. Aber so übel wie gedacht ist das gar nicht. Nur das mitgelieferte schnurlose Maus-Tastatur-Pärchen mag nicht so recht dazu passen, denn wer will schon mit der Maus auf dem Couchtisch herumfahren? Und eine Fernbedienung liegt dem Zino auch nicht bei. Das bremst den Tatendrang ein wenig.

Auch leise Lüfter können stören

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Der PC fürs Wohnzimmer: Dell Zino HD

Foto: Matthias Kremp

Und doch: Webseiten lesen und YouTube-Videos gucken macht auch auf dem Fernseher Spaß, solange man nicht zu weit davon entfernt sitzt. Sonst werden bei Full-HD-Auflösung die Buchstaben irgendwann zu klein. Dells Mini-Rechner fällt dabei dadurch angenehm auf, dass er eben nicht auffällt - das Ding ist leise. Nur ganz leise surren seine Lüfter. Das ändert sich ein wenig, als ich das Windows Media Center anwerfe, um mir eine DVD anzuschauen. Weil Prozessor und Grafikchip jetzt ganz offenbar eine Menge Leistung abgefordert wird, die Chips entsprechend mehr Wärme abgeben, drehen sie einen Gang höher.

Sonderlich laut werden die Luftquirle dabei nicht. Nervig ist nur, dass die Lüftersteuerung sehr schnell auf Temperaturänderungen reagiert. Entsprechend schnell und oft verändert sich die Drehzahl und damit das Laufgeräusch der Lüfter. Das sorgt dafür, dass man sie trotz geringer Lautstärke unbewusst wahrnimmt, was bei einer weniger variablen Drehzahl wohl nicht der Fall wäre.

Oft genug aber drehen die Lüfter auf ihre volle Drehzahl hoch. Beim Abspielen einer Blu-ray beispielsweise wird der Prozessor fast bis an den Anschlag belastet. Offensichtlich ist das Decodieren der Full-HD-Videos für den mit 1,5 Gigahertz getakteten AMD-Prozessor, der in dem Test-PC steckt, eine schwierige Aufgabe. Der alternativ angebotene 1,8-GHz-Chip böte da sicher noch etwas größere Reserven - gegen 90 Euro Aufpreis.

Eine Aufpreisliste wie die E-Klasse

Ohnehin ist die Aufpreisliste beim Zino HD, wie so oft bei Dell, lang und teuer. In der Minimal-Ausstattung als Inspiron Zino (ohne HD), ist der Mini-Rechner mit 279 Euro noch sehr günstig, unterscheidet sich in Ausstattung und Leistung aber nicht von anderen Nettops. Als wohnzimmertauglicher Zino HD, mit zusätzlichen Anschlüssen und besserer Grundausstattung kostet er schon 120 Euro mehr. So viel sollte man mindestens ausgeben.

Wenn der Rechner wirklich Multimedia ins Wohnzimmer bringen soll, sind allerdings einige Optionen mitzubestellen. Inklusive Terabyte-Festplatte und Blu-ray-Laufwerk würde unser Test-PC schon 654 Euro kosten - plus 29 Euro Versandgebühr. Billiger wäre es da gewesen, das nächstbessere Modell zu bestellen, das mit doppelt so viel Arbeitsspeicher (6 GB), dem schnelleren 1,8-GHz-Prozessor und ATI Radeon HD 4330-Grafikkarte genau so viel gekostet hätte. Dass Dells Pressestelle das Gerät auf Basis der kleineren Version zusammengestellt hat, dürfte damit zusammenhängen, dass ausschließlich das kleine Modell auf Wunsch mit Blu-ray-Laufwerk geliefert wird. Eine absurde Einschränkung.

Ein spaßeshalber im Dell-Shop zusammenkonfiguriertes System mit ähnlich guter Ausstattung und inklusive Blu-ray würde satte 300 Euro Aufpreis kosten, käme inklusive Versand auf 883 Euro. Eine Fernbedienung und vor allem ein TV-Tuner, der den Mini-Computer zum Videorekorder aufrüstet, sollte man in jedem Fall in seine Kalkulation mit einrechnen. So konfiguriert könnte er, in Kombination mit günstigen Streaming-Clients wie dem Eva2000 von Netgear (ca. 65 Euro) oder dem WD TV Live (ca. 105 Euro), sogar zur Medienzentrale für das ganze Haus werden.

Nur billig, billig wird der kleine Dell dadurch nicht.

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