Doppel so viele Pixel wie ein HD-TV: Das ist das Chromebook Pixel
Chromebook Pixel So scharf ist Googles Notebook
Bisher konnte man über Googles Chromebooks nur milde lächeln. Sie waren klein, relativ leicht und stets mager ausgestattet. Nicht gerade Spaßmaschinen, sondern nur etwas für Pragmatiker und Google-Fans: Auf den Spar-Laptops läuft Googles Chrome-Browser, mit ein paar zusätzlichen Funktionen zum Betriebssystem aufgebohrt, nicht viel mehr. Der einzige echte Vorteil, mit dem sie auftrumpfen konnten, war ihr Preis. Mit dem Chromebook Pixel hat sich einiges davon, wenn auch nicht alles, ins Gegenteil verkehrt.
Vor allem ist das Pixel teuer. 1300 Dollar kostet die Standardversion mit 32 GB SSD und einem Terabyte Online-Speicher. Die Top-Variante mit 64 GB SSD und LTE-Modul kostet noch einmal 200 Dollar mehr. Euro-Preise gibt es nicht, weil Google das Gerät bisher nur in Nordamerika und Großbritannien anbietet. Von dort stammt auch unser Testgerät mit britischem Stecker am Netzteil.
Beim Auspacken fällt zuerst auf, wie schlicht das Pixel gestaltet ist. Im Grunde ist es ein dunkelgrauer, metallisch schimmernder, rechteckiger Kasten. Die Oberfläche wird nur von wenigen Details wie den beiden USB-Anschlüssen und dem Schlitz des Kartenlesers unterbrochen. Auf der Oberseite des Display-Deckels leuchtet im Betrieb ein dünner LED-Streifen.
Pixel-Speicher
Der Systemstart dauert dank SSD nur wenige Sekunden. Bevor man jedoch Zugriff auf das System bekommt, muss man sich noch mit seinem Google-Konto . Ohne das wird nur ein Gastzugriff mit ausgesprochen eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten gewährt. Das Google-Konto ist schon deshalb nötig, weil die wenigen Gigabyte SSD-Speicherplatz wohl kaum jemandem ausreichen werden.
Google verbindet das Pixel deshalb mit einem Terabyte Online-Speicherplatz. Der ist freilich nur zwei Jahre lang kostenfrei und überdies an das Gerät gebunden. Verkauft man das Chromebook oder weigert sich nach dieser Frist, die dann fällige Miete von 50 Euro pro Monat zu zahlen, ist der viele Speicher futsch.
Pixel-Freuden
Hat man sich mit seinem Google-Account angemeldet, bekommt man endlich zu sehen, was das neue Chromebook einzigartig macht: das Display. Schon der erste Blick darauf löst Begeisterung aus. Es ist scharf, sehr scharf sogar. Texte wirken damit in nahezu jeder Punktgröße wie gedruckt. Beeindruckend ist auch der Kontrastumfang, der von einem tiefdunklen Schwarz bis zu knalligen Farben ein breites Spektrum abdeckt. Google liefert das Pixel mit einem hochauflösenden Demovideo aus, das die Vorzüge des 4-Megapixel-Bildschirms aufzeigen soll. Dasselbe Video wird von TV-Herstellern auf Messen gerne genommen, um die Fähigkeiten von 4K-Fernsehern zu demonstrieren. Und es wirkt.
MacBook Pro 2012: Das superscharfe Apple-Notebook
Technisch betrachtet sind auf dem 12,85-Zoll-Bildschirm 2560 x 1700 Bildpunkte zusammengepresst. Ein paar mehr sogar, als auf dem viel gelobtem Display von Apples Macbook Pro Retina. Anders als Apples Display wird Googles Bildschirm aber nicht von einem besonders dünnen Deckglas geschützt, sondern von einem offenbar normaldicken. Das Ergebnis sind starke Reflexionen, die vor allem in heller Umgebung stören. Die starke Hintergrundbeleuchtung sorgt aber auch dann dafür, dass man weiterarbeiten kann. Zu Googles Ehrenrettung muss man sagen, dass eine Entspiegelung stets zu Lasten starker Kontraste geht. Und vor allem, dass der Pixel-Bildschirm auch mit Reflexionen weit besser klar kommt als andere Notebook-Bildschirme. Apples Retina-Displays allerdings ausgenommen.
Pixel-Tasten, Pixel-Schwächen
Das zweite Highlight, neben dem Bildschirm, ist die Tastatur des Chromebooks. Google hat im Chromebook Pixel eine der besten Notebook-Tastaturen eingebaut hat, die man derzeit bekommen kann. Die Tasten haben einen gut definierten Druckpunkt, sind groß und auch blind gut auseinander zu halten. Wer nicht blind schreibt, freut sich, dass die Tasten von hinten beleuchtet sind, damit man sie auf Nachtflügen auch in der abgedunkelten Business Class noch trifft.
Business Class ist auf jeden Fall die Leistung des Pixel. Egal, was wir im Test damit anstellten, kam es nie aus dem Takt und ruckelte nie. Im Video-Dauerbetrieb hielt der Akku rund zweieinhalb Stunden durch, beim Schreiben bis zu vier Stunden. Nur selten lief der Gehäuselüfter an, um den Prozessor zu kühlen, blieb dann dezent und leise.
Das aber wundert kaum, denn richtig viel bekommt der Intel-Chip im Chromebook nicht zu tun. Das liegt nicht an der Hardware, sondern ist dem Browser-basierten Betriebssystem geschuldet. Für das gibt es eben kaum etwas anderes als webbasierte Anwendungen wie Google Docs, Picasa oder Maps.
Zwar ist die Technik mittlerweile so weit, dass man viele dieser Apps auch offline nutzen kann, aber etliche Bedürfnisse bleiben bei diesem Prinzip unbefriedigt. So gibt es zwar einige Spiele, doch die bewegen sich noch auf Smartphone-Niveau. Anspruchsvolle Bild- oder Videobearbeitung gibt es gar nicht.
So bleibt das Chromebook Pixel eine wunderschöne Hülle ohne Inhalt. Es wäre toll, eines zu haben - wenn man sich auf das beschränken könnte, was es kann.