Angefasst: Samsung Gamepad EI-GP20 im Test - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Konsolen-Controller fürs Handy: Das ist Samsungs Gamepad

Foto: SPIEGEL ONLINE

Samsung Gamepad Sieht nach Spielkonsole aus, steuert das Smartphone

Dieser Game-Controller wurde extra für Mobilgeräte entwickelt: Samsungs Gamepad verbindet sich drahtlos mit Handy oder Tablet und soll den Spielspaß von Konsolen auf die kleinen Geräte bringen. Richtig gut klappt das aber nur mit bestimmten Modellen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Smartphones und Tablets ersetzen bei vielen Menschen mobile Spielkonsolen. Fast jeder hat eines, Spiele-Apps sind meist billiger als Konsolen-Games, die Vielfalt an originellen Spielen ist immens. Doch viele Konsolen-Spieler wollen Spiele nicht ausschließlich per Touchscreen steuern. Für diese Klientel hat Samsung das Gamepad EI-GP20 auf den Markt gebracht, einen Spiele-Controller wie man ihn von Spielkonsolen kennt, der aber speziell für die Nutzung mit Handys und Tablets konzipiert wurde.

Das Auspacken des Gamepads ist ein wenig enttäuschend. Abgesehen vom Controller selbst und einer mit winzigen Lettern gedruckten mehrsprachigen Kurzanleitung ist in der Schachtel nichts zu finden. Nicht mal ein USB-Kabel zum Aufladen des Akkus, geschweige denn ein Netzteil, haben die Koreaner beigepackt. Dafür ist der Preis in Ordnung: Samsung gibt 80 Euro an, im Online-Handel kostet das Gamepad derzeit im Durchschnitt 60 Euro.

Die Ausstattung mit Steuerknüppeln, Schaltern und Knöpfen entspricht in etwa dem, was man von Xbox und Playstation kennt: Neben zwei analogen und einem digitalen Joystick sind vier Funktionstasten und zwei Trigger-Tasten eingebaut. Mittig auf dem Controller sitzt zudem eine mit Play beschriftete Taste, zum Anwender gerichtet helfen eine Select- und eine Start-Taste beim Navigieren in Spiele-Menüs, links daneben befindet sich die Einschalttaste.

Kompatibel mit Android 4.1, optimiert für Android 4.3

Die Kopplung des Gamepads mit einem Smartphone oder Tablet erfolgt generell drahtlos per Bluetooth (Version 3.0). Zu Geräten wie dem Galaxy Tab 3 7.0, das uns Samsung zum Test mitlieferte, stellt man die Verbindung manuell her, indem man beide Geräte in einen Verbindungsmodus schaltet. Ein Passwort muss nicht eingegeben werden.

Schneller und einfach kann man die Verbindung aber über den Nahfunkstandard NFC herstellen. Dafür genügt es, den Controller an der richtigen (mit dem NFC-Symbol markierten) Stelle eines NFC-fähigen Smartphones entlangzuführen. Im Test funktionierte das mit einem LG G2 auf Anhieb.

Welche Systemvoraussetzungen ein Mobiltelefon erfüllen muss, um mit dem Gamepad zusammenzuarbeiten, wird aus Samsungs Angaben nicht klar. Auf der Samsung-Homepage ist von Android 4.1 die Rede  und als einziges kompatibles Gerät wird das Galaxy Note 3 LTE genannt. Samsungs Pressestelle hingegen erklärt, es sei für "für mobile Geräte mit Android 4.3 (und neuer) wie Galaxy S3 und Galaxy S4 sowie Note 2 optimiert". Mit unserem LG G2 mit Android 4.2 hatte es jedenfalls keine Probleme.

Spiele-App nur für Samsung-Geräte

Tatsächlich aber funktioniert die Mobile Console-App, die der Konzern für das Gamepad anbietet, tatsächlich erst ab Android 4.3. Dieses Programm kann nur auf Samsung-Geräten genutzt werden, weil es nur über Samsungs App-Store erhältlich ist. Hat man diese App aufgespielt, wird auch der Sinn der Play-Taste klar. Ein Druck auf sie startet die App, welche eine Liste installierter und verfügbarer Spiele anzeigt.

Derzeit sind dort rund 40 für das Gamepad angepasste Spiele verfügbar, von denen nur wenige kostenlos herunterladbar sind. Allerdings ist man nicht grundsätzlich auf diese Apps angewiesen. In unserem Test funktionierten auch andere Spiele-Apps, wie beispielsweise "Air Attack HD" mit dem Controller. Dann allerdings ließen sich in der Regel nur mit einigen der Tasten und Joysticks nutzen.

Kopflastig

Steuerbefehle, die man mit dem Gamepad auslöst, werden nahezu verzögerungsfrei umgesetzt. Auch bei schnellen Spielen hat man nicht das Gefühl, die drahtlose Verbindung würde den Spielfluss hemmen. Verglichen mit den Konsolen-Controllern von Microsoft und Sony fühlt sich das Samsung-Gamepad etwas billig an.

Problematisch ist die Gewichtsverteilung im Controller. An der Rückseite ist eine ausziehbare Halterung angebracht, in die man sein Handy einlegen kann. Selbst mit dem nicht übermäßig schweren G2 kippte das derart beschwerte Gamepad prompt nach hinten. Auf einem Tisch kann man damit nur schwer spielen.

In den Händen gehalten bliebt das so eingespannte Telefon dafür gut in seiner Position, auch wenn man sehr enthusiastisch zu Werke geht. Laut Samsung ist die Halterung für Geräte bis 6,3 Zoll geeignet, das mitgelieferte Sieben-Zoll-Tablet ließ sich darauf also nur locker auflegen.

Eine Alternative ist es, Tablet oder Handy per HDMI an einen Fernseher anzuschließen. Während das Spielgerät direkt neben dem TV liegen bleiben kann, kann man sich es mit dem Controller auf dem Sofa bequem machen und auf dem Fernseher fast wie an einer echten Spielkonsole daddeln.

Fazit

Für Gamer mit Samsung-Smartphone oder -Tablet ist das Gamepad sicher eine gute Möglichkeit, mehr Konsolen-Feeling bei Spielen zu bekommen. Wer ein Android-Gerät eines anderen Herstellers hat, wird aber nur den halben Spaß haben. Die nicht ganz überzeugende Qualität des Controllers lässt angesichts des günstigen Straßenpreises von knapp 60 Euro verschmerzen.