iPhone 5: Was Apples Einladung verrät
Apple-Ankündigung Neues iPhone, lass uns reden
Hamburg - Na endlich, Apple hat sein Schweigen gebrochen. Das jährliche iPhone-Event des Unternehmens wird am 4. Oktober stattfinden. Per E-Mail verschickte der US-Konzern am Dienstagabend Einladungen zu der Veranstaltung, die dieses Mal wohl in vielerlei Hinsicht anders ausfallen wird als gewohnt - und das nicht nur wegen des Termins.
Schon das Datum ist ungewöhnlich: Bisher stellte Apple seine neuen iPhone-Modelle regelmäßig im Juni vor - dieser Termin fiel in diesem Jahr aus. Im September folgten dann normalerweise die neuen iPod-Modelle, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. 2011 hat Apple diesen Termin ebenfalls verstreichen lassen. Auch der Ort der Veranstaltung ist ungewöhnlich: Statt nach San Francisco, wie in den letzten Jahren, lädt Apple jetzt in sein Firmenhauptquartier im kalifornischen Cupertino ein.
Das Kernthema der Veranstaltung hat Apple allerdings schon mit seiner Einladung verraten: "Let's talk iPhone" heißt es da, zu Deutsch in etwa: "Lasst uns iPhone sprechen." Der scheinbar kryptische Satz ist ein klarer Hinweis darauf, dass Apple mit dem neuen iPhone Spracherkennung in den Vordergrund stellen wird. Das Apple-Blog 9to5mac hatte bereits darauf hingewiesen, dass Apple derartige Funktionen in die neue Version des iPhone-Betriebssystems iOS 5 integrieren wird.
VPA folgt auf PDA
Dass man Handys per Sprache steuern, beispielsweise zum Anwählen einer Rufnummer auffordern kann, ist nichts Neues. Die Fähigkeiten von iOS 5 sollen aber noch weiter darüber hinaus gehen. Es gibt berichte, wonach Apple die Spracherkennungstechnologie von Nuance in sein System integriert haben soll. Nuance stellt seit Jahren die Spracherkennungs-Software Dragon Dictation für PC und Macs her, bietet eine kostenlose Variante dieser Software auch als iOS-App an. Direkt ins System integriert würde es diese Software ermöglichen, beispielsweise E-Mails und SMS zu diktieren, statt einzutippen.
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Aber selbst das ist nur ein Teil dessen, was Apple im Köcher hat. Im April 2010 hat der Konzern das Start-up Siri gekauft. Die Firma hat eine Software entwickelt, die sie als "Virtuellen Persönlichen Assistenten" bezeichnet, VPA also. Man könnte sie als Nachfahre des PDA, dem "Persönlichen Digitalen Assistenten" bezeichnen. Genau wie PDAs einst das Leben leichter machen sollten, sollen es jetzt auch VPAs. Nur eben sprachgesteuert. Auf Befehle wie: "Wer spielt heute in der Großen Freiheit 36" soll die Software passende Antworten liefern. Der Haken: Bisher funktioniert der Software-Assistent nur in den USA.
Seit vier Wochen kein Update
In den bisherigen Vorabversionen der Software, die Entwicklern zugänglich sind, waren weder von Siri noch von Nuance Spuren zu sehen. Aber auch daraus lassen sich Schlüsse ziehen. Offensichtlich ist das Thema Apple enorm wichtig. So wichtig, dass man verhindern will, dass darüber irgendein Detail nach außen dringt. Wie ließe es sich sonst erklären, dass Apple seit vier Wochen keine Vorabversion von iOS 5 mehr an Entwickler herausgegeben hat. Vermutlich arbeiten Apples Programmierer gerade intensiv dran, Sprachfunktionen ins iOS zu integrieren und zu testen. Bis zum 4. Oktober - das dürfte die Vorgabe sein - muss das System funktionieren.
Denn dann wird vermutlich Steve Jobs' Nachfolger auf dem Apple-Chefsessel, Tim Cook, das neue iOS 5 präsentieren - und das oder die neuen iPhones und iPods. Denn es wird eine Menge Hardware zu sehen geben, auf dem Apple Event in Cupertino. Zum einen neue iPods. Zwar hat die Bedeutung der MP3-Player für Apple stark abgenommen, die Verkaufszahlen gehen deutlich zurück, im Weihnachtsgeschäft dürfte sich der kleinen Player aber weiterhin gut absetzen lassen. Zum anderen ein oder zwei neue iPhones.
Ein Nachfolger oder zwei?
Ein völlig neues iPhone 5, mit einem gewölbten Display, ähnlich Nokias N9. Angetrieben wird es von einer Variante des A5-Chips aus dem iPad 2, die Kamera wird nun mit 8-Megapixel-Auflösung fotografieren. Dass es überdies dünner wird und wieder eine abgerundete Rückseite haben soll, lassen Schutzhüllen für das neue Apple-Handy vermuten, die in Asien aufgetaucht sind.
Möglicherweise aber wird Apple lebensverlängernde Maßnahmen für das iPhone 4 ergreifen, das einigen Berichten zufolge als iPhone 4S weiter vermarktet werden könnte. Dessen wichtigster Unterschied zum aktuellen Modelle: weniger Speicher. Mit nur 8 GB würde es als günstiges Einstiegsmodell angeboten, so wie jetzt das iPhone 3GS.
Wann kommt es wirklich?
Unklar ist aber vor allem, ob Apple das oder die neuen Handys sofort nach deren Ankündigung wird liefern können. Üblicherweise gibt der Konzern Entwicklern noch etwas Zeit, ihre Apps an ein neues Betriebssystem anzupassen, bevor es veröffentlicht wird. Angesichts der neuen Sprachfunktionen wäre das umso dringender nötig. Die Software könnte den Marktstart also noch verzögern, wenn Apple eine letzte Vorabversion am 4. Oktober freigibt.
Es könnte aber auch ganz anders kommen. Für Apple-Chef Tim Cook wäre es ein erheblich eleganterer Einstieg, könnte er selbstbewusst erklären: "Verfügbar ab morgen". Ob er diese Hoffnung erfüllen kann, werden wir am 4. Oktober erfahren. SPIEGEL ONLINE wird live von der Veranstaltung berichten.