Apple-Chef Jobs Abgemagert, aber optimistisch
Apple-Chef Steve Jobs: "Vor allem Eiskrem"
Foto: A2800 epa . Davey/ dpaEr ist wieder da, nur anders. Apple-Chef Steve Jobs zeigte sich erstmals nach elf Monaten Pause wieder auf einer Bühne. Erst im Januar hatte er sich offiziell aus Apples Alltag abgemeldet, eine fünfmonatige Auszeit zur Behandlung einer Lebererkrankung genommen. Als er nun wieder das Podest im Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco erklomm, wurde Jobs von seinen Fans mit stehenden Ovationen gefeiert. Bis zur letzten Sekunde war unklar gewesen, ob er selbst die Vorstellung neuer iPods moderieren werde, was das Interesse der Medien nur weiter schürte.
Am Veranstaltungsort in San Francisco zumindest dürften mehrere Tausend Journalisten zusammengekommen sein, um zu sehen, ob Jobs kommt und wie er jetzt aussieht. Selbst nach London, wo Apple die europäische Presse versammelte, waren schätzungsweise noch einmal rund 500 Personen angereist, um dem Event wenigstens per Live-Übertragung beizuwohnen.
Schon das ist eine Eigenheit, die die Medien wohl kaum einer anderen Firma durchgehen lassen würden: Während die Kollegen in den USA Steve Jobs live erleben konnten, mussten sich ihre europäischen Kollegen mit einem Videobild begnügen, das per Satellit in ein ehemaliges Brauereigebäude in der britischen Hauptstadt übertragen wurde. Schulter an Schulter hockten die Journalisten in einer abgedunkelten Halle, ihre Laptops auf den Knien balancierend bei dem Versuch, möglichst viel von dem mitzubekommen, was da auf der Leinwand vor sich ging.
Es gab verbesserte iPods zu sehen und eine neue Version der Mediensoftware iTunes. Vor allem aber konnte man Steve Jobs beobachten und versuchen zu enträtseln, wie es um den gerade genesenen Manager wirklich steht.
Ein wenig Dankbarkeit, ein kurzer erster Auftritt
Viel Gelegenheit dazu hatte man freilich nicht. Während sich Jobs bei früheren Auftritten kaum von der Bühne weg bewegen ließ, Produktpräsentationen, vor allem im Softwarebereich, oft selbst übernahm, gab er dieses Mal nur den Ansager, den Moderator. Schon seine Einführung in die Veranstaltung war mehr als ungewöhnlich, sollte offenbar zunächst die Neugier befriedigen. Er sei nur noch am Leben, weil man ihm die Leber eines mit seinem Auto tödlich verunglückten Organspenders transplantiert hatte, erklärte Jobs, bedankte sich bei dem anonymen Spender und animierte seine Zuhörer, genau so großzügig zu sein, sich als Organspender registrieren zu lassen.
Erst nach dieser Ansage widmete er sich dem eigentlichen Thema des Abends, verkündete die neuesten Erfolgszahlen seines Unternehmens. Das war es dann aber auch schon. Gefühlte zehn Minuten nach seinem Erscheinen gab er die Bühne an den Chef der iTunes-Entwicklungsabteilung ab, der seinerseits die neuen Funktionen der Apple-Software vorführte.
Ein Küsschen für Norah
Und so ging es auch die kommende Stunde weiter. Den Löwenanteil der Präsentationen übernahm Marketingchef Phil Schiller, Jobs verschwand immer wieder hinter der Bühne. Mancher Zuschauer mutmaßte, der Apple-Chef werde dort womöglich von Ärzten betreut, die ihn mit irgendwelchen Mittelchen für die nächste Runde fit machen. Doch das waren nur Gerüchte, vage Mutmaßungen ohne echten Hintergrund.
Denn schließlich ließ es sich Steve Jobs nicht nehmen, das Highlight der neuen iPods, die Videokamera des iPod nano, selbst vorzustellen und vorzuführen. Und auch die Sängerin Norah Jones, die Apple zum musikalischen Ausklang auf die Bühne holte, kündigte er lieber selbst an, statt die junge Künstlerin seinen Kollegen zu überlassen. Schließlich bedankte er sich bei dem Popstar artig mit einem Küsschen für ihren Auftritt, bevor er wieder hinter dem schwarzen Bühnenvorhang verschwand.
Viel zu sehen war von Jobs also nicht. Ja, er war da, ja er ist extrem abgemagert. Aber daran, das zu ändern, arbeitet "his Steveness" nach eigenen Angaben schon intensiv. In einem seiner äußert seltenen Interviews, das er der "New York Times" im Anschluss an seinen Auftritt gab, erklärte er, er müsse wohl noch mindestens 15 Kilo zunehmen, fühle sich aber schon jetzt wieder ausgesprochen gut. Anders als vor seiner Lebertransplantation, als man ihn höchstens mal an ein paar getrockneten Aprikosen knabbern sah, esse er jetzt "wie verrückt, vor allem Eiskrem."
Das hört sich zumindest nach einer angenehmen Therapie an.