20 Jahre All-in One-Computer: Vom Plastik-iMac zum Proficomputer
20 Jahre Apple iMac Noch einmal am Knubbel-Computer arbeiten
Ende der Neunzigerjahre stand es nicht gut um Apple. Das in der vorherigen Dekade enorm erfolgreiche Unternehmen war heruntergewirtschaftet. Die Firma hatte sich auf Computer für Layouter und Grafiker spezialisiert, die vor allem eins waren: sehr teuer. Und sie waren beigefarben, genau wie all die Windows-PC, die Apple längst von der Spitze der Computerbranche verdrängt hatten.
Der Aktienkurs war im Börsenkeller angekommen, Apple galt als Übernahmekandidat. Sony wurde als potenzieller Käufer gesehen.
Doch dann gelang Mitgründer Steve Jobs, der Jahre zuvor aus der Firma gedrängt und Ende der Neunzigerjahre zurückgeholte wurde, der erfolgreiche Kurswechsel. Jobs entschied unter strenger Geheimhaltung, Apples Glück im sogenannten Consumer-Business zu suchen. Das Ergebnis präsentierte er am 6. Mai 1998 in einer heute legendären Keynote: den iMac.
Ein ganz neues Design
Mit diesem neuen Rechner bewies Jobs Mut, denn der iMac brach nicht nur mit allen Traditionen der Computerbranche. Mit ihm kappte Apple auch alle Verbindungen zu seinen bisherigen Modellen, allein schon durch das bis dahin einmalige Design: Statt eckig, grau, schwarz oder beige war der Computer, den Jobs damals enthüllte, stark abgerundet, fast wie ein Wassertropfen. Die komplette Rückseite bestand aus halbdurchsichtigem Kunststoff, der türkis eingefärbt war.
Bondi Blue nannte Apple die Farbe, weil sie vom Farbton des Wassers am Surferstrand Bondi Beach inspiriert worden sei.
20 Jahre All-in One-Computer: Vom Plastik-iMac zum Proficomputer
Das Design polarisierte, die einen liebten, die anderen hassten es. Langjährige Apple-Nutzer fühlten sich aber vor allem von der Technik verprellt. Außer der Netzwerkbuchse - bei Heimcomputern damals ein ungewöhnliches Merkmal - war am iMac keiner der Anschlüsse zu finden, die an Macs damals üblich waren: Kein SCSI, kein Parallelport und auch keine ADB-Buchse zierten das Anschlusspanel des iMac. Stattdessen gab es einen Modemanschluss und zwei USB-Buchsen.
Plötzlich war manches Zubehör veraltet
Wer sich als Apple-Nutzer einen der neuen Computer zulegen wollte, konnte also alle bis dahin angeschafften Peripheriegeräte in die Tonne treten: Drucker, Scanner, Tastaturen und Mäuse, die eben noch gute Dienste geleistet hatten, waren plötzlich veraltet. Kritiker sahen im iMac auch deshalb eine Totgeburt, weil es für den damals nagelneuen USB-Standard noch kaum Geräte gab. Und die wenigen, die es gab, waren meist deutlich teurer als die bis dahin üblichen Produkte.
Apple-Konferenz WWDC: Der neue iMac ausprobiert
Trotzdem wurde der iMac ein Erfolg. Zum einen, weil nach und nach auch immer mehr alte Apple-Recken seine Vorteile erkannten. Zum anderen, weil Apple-Designer Jonathan Ive mit dem ungewöhnlichen Design ganz neue Käufer locken konnte.
Macs blieben Profirechner, mit denen Fotos bearbeitet und Zeitschriften gestaltet wurden. Die knallbunten iMacs jedoch standen auf Chef-Schreibtischen und denen von Sekretärinnen, in Wohnzimmern und sogar in Studentenbuden, zumindest bei Studenten wohlhabender Eltern. Mit knapp 3000 Mark war der erste iMac nämlich kein Schnäppchen.
Vorbild für andere Hersteller
Der Erfolg des iMac war auch daran ablesbar, dass Dutzende, Hunderte Hardwarehersteller sein Design für ihre Produkte adaptierten. Mäuse, Drucker, Scanner und Modems wurde aus durchscheinendem bunten Plastik produziert. Ein paar Jahre lang galt der iMac-Look als cool, bis er nervig und nur noch mit Billigprodukten assoziiert wurde.
Doch als es soweit war, hatte Designer Ive längst eine neue Richtung eingeschlagen. Klar ist jedenfalls, dass der iMac der erste Schritt für Apples neuen Erfolg war, der später von iPod und iPhone geprägt wurde.
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Das alte Gerät noch einmal ausprobiert
Doch obwohl Smartphones längst Apples Kerngeschäft geworden sind, gehören iMacs doch heute immer noch zum Angebot. Aber wie schlägt sich eigentlich ein uralter iMac gegen das neueste Modell, den iMac Pro? Um das auszuprobieren, habe ich mir von Kollegen zwei iMacs besorgt, die 1999 gekauft wurden. Zwei mussten es sein, weil der erste nach Jahren der Lagerung im Keller nicht mehr starten wollte.
Nummer zwei hingegen begrüßte mich nach dem Druck auf den Einschaltknopf mit dem altbekannten Einschaltton, einem Akkord, der über viele Jahre für Macs typisch war.
Im direkten Vergleich mit dem modernen iMac Pro muss man allerdings schon beim Start Geduld aufbringen: Gut eineinhalb Minuten braucht der alte iMac bis er, unter heftigem Rattern seiner sechs Gigabyte-Festplatte, das Betriebssystem Mac OS 9.2 in den 32 Megabyte großen Arbeitsspeicher geladen hat. Der iMac Pro, den ich zum Vergleich daneben stehen habe, erledigt das mit seinem 10-Kern-Prozessor sowie 2-Terabyte SSD und 128 Gigabyte Arbeitsspeicher völlig geräuschlos in lässigen zehn Sekunden.
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Ein riesiger Techniksprung
Auch im Weiterem ist unverkennbar, wie weit sich Computer in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt haben. Während der Knubbel-iMac schon ächzt, wenn man mit ihm versucht, eine einfache Schwarzweiß-Grafik zu animieren, ist der Prozessor des Pro-iMacs nicht mal ansatzweise ausgelastet, wenn man ihn in der Musiksoftware Logic Pro X mit einen Arrangement aus Dutzenden Audiospuren und ebenso vielen virtuellen Synthesizern fordert.
Mindestens ebenso gewaltig ist der Sprung, den die Bildschirmtechnik gemacht hat. So schön der alten Bondi-Blue-iMac auch sein mag, so schwer ist es wegen seines 15-Zoll-Röhrenbildschirms auch, ihn zu schleppen. Und seine Auflösung von 1024 x 768 Pixeln übertrumpfen heute selbst billigste Smartphones. Von der mageren Leuchtkraft und den flauen Kontrasten ganz zu schweigen.
Aber der kleine Plastik-iMac hat seinen Charme. An dem einen Tag, den er wieder in der Redaktion stand, provozierte er mehr Kommentare als viele andere Testgeräte. Fast jeder Kollege hatte offenbar mal einen iMac oder hatte zumindest schon mal an einem gearbeitet. Und fast alle Kollegen hatte gute Erinnerungen an den alten Knubbel-Computer, der damals alles anders machte und heute aus der Zeit gefallen wirkt.
Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde als Preis für den ersten iMac 3000 Euro angegeben. Es waren jedoch 3000 Mark. Wir haben die Angaben korrigiert.