Windows 10, Android M, iOS 9 und OS X: Beta-Versionen von Microsoft, Apple und Google
Beta-Versionen von Windows 10, Android M, iOS 9 und OS X Ein Fest für Tester
Der Abend des 9. Juli hatte es in sich. Zumindest wenn man zu jenen Computer- und Handynutzern gehört, die immer des Neueste haben wollen und ein bisschen risikofreudig sind. Mit einem Abstand von wenigen Stunden hatten die großen Hersteller neue Beta-Versionen ihrer Betriebssysteme veröffentlicht.
Den Anfang machte Microsoft mit einer neuen Vorabversion von Windows mit der Nr. 10166. Wer sich für Microsofts Beta-Tester-Programm angemeldet und den sogenannten fast Ring ausgewählt hat, neue Versionen also sofort bekommen möchte, sollte sie bereits installieren können.
Neben einigen Fehlerbehebungen hat Microsoft mit dieser Version eine bemerkenswerte Neuerung eingeführt: Microsoft Wi-Fi. Die neue App soll den Prozess vereinfachen, wenn man sich beispielsweise in einem Hotel, auf einem Flughafen oder in einem Kongresszentrum mit dem kostenpflichtigen WLAN verbinden will. Ausprobieren kann das freilich nur eine winzige Teilmenge der Tester, denn derzeit wird der Dienst nur in Seattle angeboten.
Ohnehin bombardiert Microsoft seine freiwilligen Tester derzeit mit einer Flut von Updates. Die "Supersite for Windows " meldet, die Nr. 10166 sei bereits die vierte Aktualisierung binnen elf Tagen. Ein klares Zeichen, dass das Betriebssystem in Kürze an die PC-Hersteller ausgeliefert werden soll. Ab dem 29. Juli wird die Software auch an Endkunden ausgeliefert.
Öffentlicher Test von iOS 9 und OS X 10.11
Wenige Stunden später veröffentlichte auch Apple öffentlich zugängliche Vorabversionen seiner künftigen Betriebssystemversionen iOS 9 und OS X El Capitan. Bis dahin hatten nur registrierte Entwickler, die 99 Euro im Jahr bezahlen, Zugang zu den aktuellen Beta-Versionen.
Das Interesse scheint enorm gewesen zu sein. Jedenfalls berichtet beispielsweise "The Register " von Problemen aufgrund von überlasteten Servern und auch unsere ersten Versuche, uns für das Programm anzumelden scheiterten an Fehlermeldungen. Mittlerweile scheinen die Probleme behoben.
iOS 9, das auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz WWDC vorgestellt wurde, verfügt über eine neue Suchfunktion, die auch das Web und App Stores durchflöht. Auf iPads bietet die Software jetzt die Möglichkeit, den Bildschirm für zwei parallel laufende Apps aufzuteilen.
Die Passbook-App wurde in Wallet umbenannt und soll künftig noch mehr digitale Kunden- und Eintrittskarten aufnehmen. Die Karten-App wurde ebenfalls überarbeitet und soll künftig auch Nahverkehrsinformationen anzeigen, vorerst allerdings nur in wenigen Städten.
Dieselbe Neuerung findet man auch in der Karten-App der öffentlichen Version von El Capitan, der neuen Version von Apples Desktop-Betriebssystem OS X. Genau wie iOS 9 kann man auch diese kostenlos bekommen, wenn man sich zum Betatest angemeldet hat . Das Update enthält viele unsichtbare Optimierungen und Fehlerbehebungen. Außerdem wurden die Notizen-App, das E-Mail-Programm und der Safari-Browser überarbeitet.
Nicht so öffentlicher Test von Android M
Als Dritter hat auch Google das erste Update für die Android M Developer Preview veröffentlicht. Das enthält vor allem die allgegenwärtige Suchfunktion Now on Tap. Zudem gibt s ein neues System mit dem man kleinteiliger festlegen kann, welche Rechte einzelnen Apps zugesprochen werden sollen. Auch eine neue Stromspartechnik wurde eingebaut, durch die Handy-Akkus länger durchhalten sollen.
Außerdem gibt es etliche weitere Neuerungen. So werden Apps jetzt übersichtlicher sortiert und dargestellt und der Umgang mit Apps und Widgets generell vereinfacht. Die Schnelleinstellungen, die vom Sperrbildschirm aus erreichbar sind, lassen sich künftig personalisieren, externe Speichermedien und der Umgang mit Back-ups wurden überarbeitet.
Anders als Apple und Microsoft bezeichnet Google dieses Update aber ausdrücklich als Entwicklersoftware und nicht als öffentliche Beta. Bekommen kann sie trotzdem jeder. Die Einschränkung: Android M läuft derzeit nur auf dem Nexus 5, Nexus 6, Nexus 9 und dem Nexus Player.
Regeln für Beta-Tester
Dass nebenbei auch noch Nokia eine Beta-Version der Android-Fassung seiner Karten-App Here veröffentlicht hat, fällt da kaum noch auf. Bemerkenswert ist aber, dass mittlerweile alle großen Hersteller von Betriebssystemen ihre Software von normalen Anwendern testen lassen, bevor sie sie endgültig veröffentlichen.
Den Unternehmen spart das Geld. Statt eigene Abteilungen von Testern aufzubauen, die die halbfertige Programme nach Fehlern absuchen, wird diese Aufgabe einfach an die User abgetreten. Doch scheint es reichlich Anwender zu geben, die keine Scheu haben, potenziell fehlerhafte Software auf ihre Rechner und Smartphones loszulassen. Die Neugier siegt.
Wer dieser Neugier nachgeben will, sollte sich allerdings der Gefahren bewusst sein, die Beta-Software mit sich bringt: Es können jederzeit unerwartete Fehler auftreten, die Daten oder Programme unbrauchbar machen. Deshalb sollte man zum einen dringend ein Back-up anfertigen, bevor man Beta-Software installiert.
Zum anderen sollte man solche Software nur auf Geräten verwenden, die nicht für das tägliche Leben oder die Arbeit gebraucht werden. Beta-Tester leben gefährlich. Aber wer diese Grundregeln befolgt, muss sich normalerweise keine Sorgen machen.