Apple-Tablet iPad-2-Produktion hat angeblich begonnen
Verkaufsschlager iPad: Das neue Modell wird nicht mehr lange auf sich warten lassen
Foto: Ian Gavan/ Getty ImagesHamburg - Der Zeitpunkt würde passen: Vor fast genau einem Jahr hat Apple das iPad vorgestellt. Und weil Apple seine Produkte gern im Einjahres-Rhythmus überarbeitet, wäre die Zeit reif für ein neues Modell. Dessen Produktion sei bereits angelaufen, schreibt das "Wall Street Journal" (WSJ) am Mittwoch. Als Quelle nennt die US-Tageszeitung "mit den Vorgängen vertraute Personen", ohne genauer darauf einzugehen, wer damit gemeint sein könnte.
Apple wollte sich auf Anfrage des "Journal" nicht zu den Gerüchten äußern. Alles andere wäre auch verwunderlich: Nicht nur, weil Apple sich grundsätzlich nicht zu Gerüchten äußert, sondern auch, weil Apple seinen Tablet-Rechner derzeit aktiv als Geschenk zum Valentinstag bewirbt. Würden die Meldungen über in Kürze zu erwartende neue Hardware bestätigt, würden die Verkaufszahlen sofort drastisch fallen. Apples Politik, neue Produkte nie auch nur einen Tag zu früh anzukündigen, ist ein unverzichtbares Instrument des Unternehmens, um die Preise seiner Produkte über deren gesamten Verkaufszeitraum stabil auf ein und demselben Niveau zu halten.
Wirklich Überraschend ist die Meldung des WSJ ohnehin nicht. Vor zwei Wochen hatte die Branchen-Zeitung "Digitimes" aus Taiwan berichtet, es seien weitere Zulieferer von iPad-2-Bauteilen festgelegt worden. Wenige Tage später hieß es, der Hersteller Foxconn habe sich zusätzliche Kapazitäten gesichert. Dass der wegen seiner Arbeitsbedingungen umstrittene Hersteller Foxconn weiterhin alleiniger Produzent des iPad 2 sein werde, hatte "Digitimes" bereits im Dezember geschrieben. Das "Wall Street Journal" bestätigte diesen Bericht nun.
Bitte mehr Bildschirm - oder lieber doch nicht?
Über die technischen Neuerungen im iPad 2 wiederholte das "Journal" einmal mehr Gerüchte, die seit Monaten kursieren. Demnach werde das neue Modell etwas dünner sei als das alte, einen schnelleren Prozessor und "mindestens eine Kamera" bekommen. "Mindestens eine", weil man nicht sicher ist, ob Apple nur eine zum Nutzer gerichtete Kamera für Videotelefonate einbauen wird oder auch eine richtige Schnappschusskamera in das Gehäuse integriert. Bei einigen Android-Tablets ist das bereits der Fall, die neue Android-Version 3.0 (Honeycomb) hat dafür sogar eine neue Kamera-Software bekommen. Ob es allerdings Spaß macht, ein zehn Zoll großes und 700 Gramm schweres Gerät als Fotoapparat zu benutzen, ist eine andere Frage.
Welcher Art der neue Prozessor sein wird, wissen die Quellen des "Wall Street Journal" allerdings ebenso wenig zu berichten, wie sie die Frage nach der Anzahl der Kameras beantworten. Sicher ist man sich allerdings, dass die Display-Auflösung dieselbe bleiben werde wie beim ersten iPad, also 1024 x 768 Punkte. Zuvor hatte es Gerüchte gegeben, Apple werde dem iPad ein sogenanntes Retina-Display verpassen, wie es das iPhone 4 auszeichnet.
Dafür müsste die Auflösung des Bildschirms aber auf ungefähr das zweieinhalbfache des aktuellen Displays hochgeschraubt werden, was, grob geschätzt, 2500 x 1900 Pixeln entsprechen würde. Apple müsste sich dabei auf ein ganzzahliges Vielfaches der bisherigen Auflösung festlegen, damit Apps, die auf das alte Display zugeschnitten sind, auch auf dem neuen noch gut aussehen. Beim Schritt vom iPhone 3GS zum iPhone 4 war Apple ebenso vorgegangen, hatte horizontale und vertikale Auflösung verdoppelt. Fraglich ist, ob so etwas beim iPad technisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Zum einen bräuchte man einen deutlich leistungsfähigeren Grafikchip, um so ein Display anzusteuern, zum anderen dürfte die Herstellung eines solchen Bildschirms teuer werden.
Die Einschläge kommen näher
Überdies werde das iPad 2 mit mehr Speicher ausgestattet. Lägen die Tippgeber des WSJ damit richtig, würde das Einstiegsmodell künftig mit 32 Gigabyte Speicher daherkommen, während im Top-Modell 128 Gigabyte verbaut würden. Das wären durchaus imposante Werte, wenn sie denn stimmen. Denn die Möglichkeit, den Speicher selbst auszubauen, wird iPad-Anwendern wahrscheinlich auch weiterhin verwehrt bleiben.
Für Apple wäre die Einführung des iPad 2 auf jeden Fall eine der wichtigsten Ankündigungen des Jahres. Bisher hat der Konzern knapp 15 Millionen Exemplare des Erstlings verkauft, 2011 sollen weitere 27 Millionen dazukommen, schätzt das Marktforschungsunternehmen Piper Jaffray & Co., was rund neun Milliarden Dollar Umsatz bedeuten würde.
Damit sich diese Vorhersagen aber Bewahrheiten, muss Apple sich mächtig ins Zeug legen. Nachdem bereits auf der CES (Consumer Electronics Show) Anfang des Jahres 80 neue Tablet-PC vorgestellt wurden, dürfte auf dem Mobile World Congress kommende Woche der nächste Schwung präsentiert werden. Und mittlerweile haben auch die ganz großen Player ihre Beiträge zum Thema Flach-Computer fertig. Schon in dieser Woche stellen mit Dell und HP zwei der Dickschiffe der Branche ihre neuen Modelle vor. Dabei dürften vor allem die Rechner von HP interessant werden, weil sie mit einer neuen Version des von Palm entwickelten Mobil-Betriebssystems webOS ausgestattet werden - und sich damit wohltuend vom Android- und iOS-Einerlei abheben dürften.