Prothese mit Lego-Adapter Baggern statt Greifen
Armprothese mit Lego-Aufsatz: Ein Designer will Prothesen für Kinder zu einem spannenden Spielzeug machen
Foto: Carlos Arturo TorresGenerationen von kleinen Bastlern haben sich mit Lego gern die Zeit vertrieben. Jetzt taugen die bunten Klötzchen zu noch viel mehr. Der kolumbianische Designer Carlos Arturo Torres hat eine Armprothese für Kinder entwickelt, die sich durch deren Lego-Basteleien erweitern lässt.
Iko nennt sich das neu entwickelte Stecksystem. Am Ende der Prothese sitzt keine künstliche Hand, sondern ein Klick-Anschluss, auf den Lego-Konstruktionen aller Art aufgesetzt werden können. Im Arm befinden sich ein Akku, ein Chip und eine Reihe von Sensoren, die feinste Bewegungen an das jeweilige Endstück übertragen, wie immer es auch aussehen mag - etwa eine coole Roboterhand, eine Baggerschaufel oder ein Raumschiff.
Baggerschaufel statt Finger: Sensoren übertragen die Bewegung ins Endstück
Foto: Carlos Arturo TorresIko ist für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren konzipiert. In diesem Alter sei Kindern ihre Behinderung noch nicht bewusst. Das ändere sich erst, wenn sie entsprechende Rückmeldungen von der Gesellschaft erführen, so Torres zu "Wired" .
Die Idee für seine Erfindung kam dem Designer, als er in einem Reha-Zentrum in Bogotá einen lebhaften Achtjährigen namens Dario kennenlernte, dem von Geburt an der rechte Unterarm fehlt. Der Junge zeichnete einen zehnarmigen Roboter, der sich alle benötigten Werkzeuge selbst herstellt, weil er als einziger weiß, was er benötigt. Dieses Konzept fand Torres einleuchtend - mit Iko habe er versucht, es umzusetzen, erzählt er der "Wired".
Raumschiff für die Armprothese: Das Kind kann entscheiden, wie sein Arm aussehen und was er können soll
Foto: Carlos Arturo TorresEndlose Spielmöglichkeiten
Das Ergebnis verhilft den Kindern gleichzeitig zu einer funktionierenden Prothese und endlosen Spielmöglichkeiten. Durch die Unterstützung des Unternehmens Lego, das Torres ein sechsmonatiges Praktikum in seinem Future Lab ermöglichte, konnte der Kolumbianer seinen spielerischen Ansatz umfassend entwickeln. Sein Wunsch: Kinder mit Prothesen sollen von ihren Altersgenossen nicht ausgegrenzt werden, sondern im Gegenteil zum Mittelpunkt des gemeinsamen Spielens werden.
Cooler Fangarm: Das gewünschte Werkzeug lässt sich einfach aufstecken
Foto: Carlos Arturo TorresDie ersten Erprobungen waren vielversprechend. Nachdem andere Kinder gesehen hatten, wie Dario ein Legoraumschiff an seinem Arm befestigte und mit ihnen den Nachmittag verbrachte, sagten sie: "Das will ich auch haben."
Derzeit ist Torres hauptberuflich im Chicagoer Büro eines Designunternehmens beschäftigt. Doch der Kontakt zu Cirec besteht fort und so arbeitet er an 15 weiteren Armprothesen, die bis Dezember fertig sein und an Kinder in Kolumbien verschenkt werden sollen. Außerdem versucht er, Investoren für die Produktion höherer Stückzahlen zu gewinnen. Daneben ist Torres dabei, einen Prototypen zu entwickeln, der aus kostengünstigen 3D-Druck-Komponenten besteht.