Mieten statt kaufen: Das Base Tab
Base Tab Miet-Tablet mit Basis-Ausstattung
Hamburg - Tablets sind toll. Da sind sich offenbar viele Anwender einig, schaut man sich die Absatzzahlen, vor allem von Apples iPad, an. Tablets sind aber auch teuer. Für ein iPad im 10-Zoll-Format muss man 500, 600 oder mehr Euro einplanen, kleinere Tablets sind billiger. Noch billiger, zumindest kurzfristig, kommt man zu einem Streichelrechner, wenn man darauf verzichten kann, ihn sein Eigentum zu nennen. Genau das ist das Argument, mit dem die E-Plus-Tochter Base ihr Base Tab an den Kunden bringen will: Statt einmal viel zahle lieber regelmäßig wenig. Lässige 19 Euro Monatsmiete soll das Gerät kosten, inklusive Internet-Flatrate im Zweijahresvertrag.
Als Gegenleistung bekommt man ein recht schickes aber mit 403 Gramm auch recht schweres Android-Tablet im 7-Zoll-Format. Hergestellt wird es vom chinesischen Mobilfunk-Konzern ZTE, der das Gerät selbst schlicht als V9 bezeichnet. Mit einer Auflösung von 800 Mal 480 Bildpunkten liegt das Display gleichauf mit aktuellen 4-Zoll-Smartphones. So recht begeistern kann es damit nicht, denn letztlich bekommt man mit der zusätzlichen Bildschirmfläche nicht mehr Details als beim Handy, sondern bloß größere Pixel. Helligkeit und Kontrast bewegen sich im brauchbaren Mittelfeld. Ab Werk war der Helligkeitsregler allerdings auf die Maximalposition und damit viel zu hoch eingestellt. Flaue Kontraste und ein hoher Stromverbrauch waren das Resultat. Empfehlenswert ist es eher, die automatische Helligkeitsregulierung einzuschalten.
Immerhin: Die Touchscreen-Funktion des Base Tab funktioniert im Test tadellos. Dass man trotzdem des Öfteren auf eine sichtbare Reaktion warten muss, dürfte eher am schlappen Prozessor liegen. Dem steht zwar mit 512 Megabyte genug Arbeitsspeicher zur Verfügung, seine Taktfrequenz reicht mit 600 Megahertz aber nicht aus, um das System ruckelfrei zu betreiben. Beim Websurfen fällt das zum Beispiel bei aufwendigen Websites auf, für die man manchmal etwas Geduld mitbringen muss.
Umständlicher Weg zu empfohlenen Apps
Ebenso wie der Prozessor ist auch das Betriebssystem nicht auf dem neuesten Stand. Statt der aktuellen Smartphone-Variante 2.3 oder gar der Tablet-Version 3.0 installiert ZTE das schon leicht angegraute Android 2.2, dem seine Bestimmung für Smartphones noch deutlich anzusehen ist. Zusätzlich zu den Standard-Apps sind einige Goodies installiert. Beispielsweise eine ADAC-App und die Büro-Software "Documents To Go".
Nett gemeint, am Ende aber ganz schön umständlich ist "Top Apps", was eigentlich keine App, sondern nur ein Hyperlink ist. Der führt zu einer Web-Seite mit von Base empfohlenen Android-Apps. Klickt man eine davon an, bekommt man einen Button "Jetzt herunterladen" angezeigt. Der sorgt allerdings nicht, wie man annehmen könnte, dafür, dass die App geladen wird, sondern führt zu einer Liste im Android Market, in der man die App noch einmal auswählen und dann wiederum auf "Installieren" tippen muss. Letztlich also nur ein Umweg.
Ohne Umwege kommt man dagegen online. Beim Testgerät war eine Sim-Karte bereits eingebaut, was freilich kein Standard sein dürfte. Mit der lässt sich via HSDPA mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde gut surfen, wenn ein entsprechendes Netz vorhanden ist. Die im Vertrag enthaltene Daten-Flatrate wird allerdings nach 500 Megabyte auf GPRS-Geschwindigkeit gedrosselt. Gegen Frust hilft dann nur, entweder über ein W-Lan online zu gehen oder gegen Aufpreis mehr Datenvolumen hinzuzubuchen - was Base sicher recht wäre.
All inclusive - oder nicht?
Ansonsten aber muss man beim Base Tab nichts hinzukaufen, die Ausstattung ist komplett. Neben W-Lan und HSDPA kann man auch USB und Bluetooth verwenden, um Kontakt zur Außenwelt herzustellen. Zum Navigieren ist ein GPS-Empfänger an Bord, der das Gerät zum Riesen-Navi macht. Ob man so ein Riesending auf sein Armaturenbrett montieren will, ist eine andere Frage. Die eingebaute Drei-Megapixel-Kamera ist brauchbar, leistet aber keine Wunderdinge. Selbst bei guter Beleuchtung wirken ihre Bilder oft verwaschen und verrauscht.
Auch wenn man die vielen Schwächen des Base Tab außer Acht lässt: Ein Schnäppchen ist es nicht. Über zwei Jahre bezahlt man mindestens 456 Euro Miete. Darin ist zwar eine Internet-Flatrate enthalten, doch auch nach Abzug von deren Kosten bleiben 216 Euro übrig, die man für ein Gerät bezahlt, das man nur mietet. Zum Kauf bietet es Base seinen Kunden für 279 Euro an. In anderen Ländern wird es dagegen von Mobilfunkanbietern zu Preisen von unter hundert Euro, inklusive Prepaid-Karte, angeboten.
Für genügsame oder besonders preisbewusste Tablet-Liebhaber mag das Base Tab trotzdem eine Option sein, allerdings kaum eine, die man wirklich liebhaben wird. Bessere, aber eben auch teurere Alternativen hat Base selbst im Angebot. Samsungs Galaxy Tab etwa, das ähnlich groß ist, ähnliche Funktionen bietet, aber mit einem besseren Display und einem potenteren Prozessor, der das Android-System ruckelfrei zum Laufen bringt, aufwartet. Elf Euro mehr als das Base Tab, also 30 Euro, kostet dieses Model monatlich zur Miete inklusive Flatrate. Zum Kauf bietet Base das Samsung-Modell nicht an.
Andere Anbieter dagegen schon: Preisvergleichsportale listen Angebote ab 300 Euro auf. Wenn man dann noch eine Internet-Flatrate hinzubucht, muss man zwar insgesamt rund 100 Euro mehr investieren als beim Base Tab aber die lohnen sich auch. Und billiger als es zu mieten wird so ein Kauf sowieso: Ein gemietetes Galaxy Tab kostet während der 24 Monate Vertragslaufzeit 720 Euro. Ein gekauftes mit einer entsprechenden Base-Flatrate belastet das Budget im selben Zeitraum dagegen im günstigsten Fall mit nur 540 Euro. Da muss man eigentlich nicht lange rechnen.