Computersteuerung per Zunge Maus für den Mund
Umgebautes Maus-Inneres: Die Zunge ersetzt den Zeigefinger
Foto: YouTubeEine ausrangierte PC-Maus, ein paar Computer-Chips, Kabel und ein Stück Kunststoff, das einer alten Zahnspange ähnelt: Aus diesen Bauteilen hat Ben Krasnow seine Zungenmaus gebastelt. Wie er das gemacht hat, dokumentiert der Ingenieur, der bei der Spielefirma Valve arbeitet, in seinem Blog . Zwar ist sie an einem normalen PC noch sehr langsam, doch sieht Krasnow potentielle Anwendungsmöglichkeiten seiner Technik ohnehin in einem anderen Bereich.
Neu ist die Idee nicht. Seit Jahrzehnten gibt es beispielsweise für Rollstühle ein sogenanntes Sip-and-Puff-System, über das gelähmte Personen Maschinen mit ihrem Ein- und Ausatmen steuern können. Der verstorbene Supermann-Darsteller Christopher Reeve bewältige mit dieser Technik seinen Alltag . Mediziner erforschen aber auch andere Eingabemethoden, darunter Steuerungen, die Hirnströme messen und in Koordinaten umrechnen.
Dass auch die gut bewegliche Zunge ein vielversprechendes Steuerungsinstrument ist, das sich mit Technik aus jedem Elektronikladen nutzen ließe, beweist Ben Krasnow mit seinem Eigenbau. Der Bastler stellt auf seinen Seiten regelmäßig allerhand verrückt wirkende Projekte, wie einen Nacktscanner für Hühnchen oder eine Personenwaage als Joystick-Ersatz, vor.
"Die Zunge über den Sensor zu bewegen, ist wie mit einem Finger über eine optische Maus zu fahren", erklärt Krasnow. In beiden Fällen sorgt die Bewegung dafür, dass der Cursor auf dem Bildschirm seine Position ändert.
Grünes Licht für die Zungenmaus
Der Bastler gibt zu, dass er zwar das Innenleben einer Computermaus für seine Zungenmaus übernehmen konnte, es aber für die neue Umgebung anpassen musste. Das Licht des zunächst genutzten Maussensors war nicht für die Mundhöhle geeignet. "Die Zunge hat das rote und infrarote Licht zu stark absorbiert", erklärt Krasnow. Um das Problem zu lösen, wechselte er die ursprüngliche Lichtquelle des Sensors gegen eine grüne Leuchtdiode aus.
Die von Krasnow vorgestellte Zungenmaus hat allerdings noch einige Nachteile: Sie ist kabelgebunden und die große Zahnspange mit der aufgesetzten Elektronik wirkt klobig. Das Bastelprojekt dient nur zur Demonstration. Den Fremdkörper für längere Zeit im Mund zu behalten, ist sicherlich nicht sehr angenehm.
Kabellos und auf Miniaturgröße geschrumpft, könnte die Technik aber eines Tages ebenso wenig stören wie ein Piercing. Eine Funkübertragung sei möglich, so Krasnow. Die Technik müsse dafür nur in einen wasserdichten Beutel verpackt werden, sagt er.
In den Tests die Krasnow zeigt, ist die Genauigkeit seines Mausersatzes sehr gering. In einer Windows-Umgebung kann er damit nur mit großer Mühe den Mauszeiger steuern. Doch als zusätzliches Steuergerät in Spielen sei sie denkbar.
"Für präzise Bewegungen auf dem Bildschirm ist die Technik nicht geeignet", sagt Krasnow. "Aber Wischbewegungen wären sehr zuverlässig messbar." Daher sieht der Ingenieur den Platz der Technik auch bei der Kontrolle von Head-up-Displays oder von Datenbrillen wie Google Glass. Statt ihnen lautstark Anweisungen zu geben oder sie mit wirren Kopfbewegungen zu bedienen, könnte die verborgene Bewegung der Zunge womöglich die Alltagshelfer in Zukunft befehlen.
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