Beyerdynamic Custom One Pro: Schöner Bässe machen
Beyerdynamic Custom One Pro Diesen Kopfhörer können Sie aufmotzen
Die Zeiten, als alle Kopfhörer schwarz waren, sind vorbei. Längst sind sie zu knallbunten Mode-Accessoires geworden. Egal ob Sony, Monster oder Sennheiser, es gibt kaum noch einen Hersteller, der nicht neonfarbene Lifestyle-Kopfhörer anbietet. Beyerdynamic hat den Trend aufgegriffen und geht noch einen Schritt weiter: Mit dem Custom One Pro hat das deutsche Unternehmen auf der Ifa in Berlin einen Kopfhörer vorgestellt, dessen Look und Sound man an den eigenen Geschmack anpassen kann. Hört sich interessant an.
Beim Auspacken werde ich dann enttäuscht: Was da im Karton steckt, ist doch wieder bloß ein schwarzer Kopfhörer. Immerhin: Ein paar Cover, mit denen man das Aussehen variieren kann, hat mir Beyerdynamic mitgeschickt (siehe Bilderstrecke). Für 9,90 Euro pro Paar werden die Seitenteile aus Metall und Kunststoff im Online-Shop angeboten. Später sollen Kunden auch die Möglichkeit haben, eigene Vorlagen einzuschicken, die gegen Aufpreis per Laser in die Metallscheiben eingraviert werden.
Aber das ist derzeit ebenso Zukunftsmusik wie die austauschbaren Kopf- und Ohrpolster. Auf der Ifa waren die zwar schon zu sehen, im Shop aber sind sie noch nicht angekommen. Dort gibt es neben den Covern bisher nur ein Ersatzkabel, Ersatzschrauben und Ersatzringe zur Befestigung der Abdeckung.
Eine Aufpreisliste wie ein Auto
Dabei habe man noch einiges geplant, wie mir Beyerdynamic-Manager Thomas Halbgewachs auf der Ifa erklärte. Ein Mikrofon beispielsweise soll die Kopfhörer bald zum Headset machen können. Für Spiele und am Smartphone eine sinnvolle Ergänzung. Außerdem werde es weitere Kabeltypen geben, längere und kürzere als die mitgelieferte Strippe. Auf diese Kabel ist man allerdings auch angewiesen, weil das steckbare Kabel des Custom One Pro von einer Plastikfeder am Platz gehalten wird, die das Einstecken anderer Kabel effektiv verhindert.
Auch wenn noch lange nicht all das versprochene Zubehör im Onlineshop erhältlich ist, kann man jetzt schon sagen, dass so ein Custom One Pro ganz schön teuer werden kann, wenn man sich einiges von der Zubehörliste aussucht. Das ist nicht anders als bei Autos.
Darf's ein Bässchen mehr sein?
Was sofort und ohne Aufpreis funktioniert, sind die von Beyerdynamic als Custom Slider bezeichneten Schieberegler. Sie öffnen schrittweise eine Reihe von Luftöffnungen, die den eingebauten Lautsprechern sozusagen Luft zum Atmen geben. Je weiter man sie nach unten schiebt, und damit weitere Öffnungen freigibt, umso stärker können die Lautsprecher schwingen. Das Resultat sind nicht tiefere, aber kräftigere Bässe.
Ob und wie das funktioniert, habe ich in einem professionellen Tonstudio ausprobiert. Mein Eindruck: Die am wenigsten klangfärbende Einstellung hat man, wenn man mit dem Schieberegler nur das erste Bassreflexloch öffnet. Eine Raste weiter werden die Bässe schon kräftig betont, voll geöffnet machen die Tieftöner so viel Druck, dass der Klang deutlich eingefärbt wird. HipHop-Fans wird's gefallen.
Tonstudio-Modus
Mir gefällt es nicht, und deshalb lasse ich den Schieberegler lieber auf der ersten Position. Auch da sind die Bässe schon kräftig, aber eben nicht überbetont. Die Mitten bleiben in dieser Einstellung transparent und von den Tieftönen unbeeinflusst, der Hochtonbereich kommt klar, höchstens leicht gedämpft, zur Geltung. Außerdem leidet die Umwelt dabei nur maßvoll an Mithöreffekten. Denn je weiter man die Schieberegler schließt, umso weniger vom Gehörten dringt nach außen. Beyerdynamic bezeichnet das etwas übertrieben als "variable Geräuschunterdrückung", weil dadurch auch weniger Außengeräusche an meine Ohren dringen.
Ich dagegen würde die völlige Verschließbarkeit der Ohrmuscheln lieber als Tonstudio-Modus bezeichnen. Denn weil in diesem Modus fast kein Geräusch mehr nach außen dringt, kann man die Custom One Pro auch bei Tonaufnahmen akustischer Instrumente verwenden, die nicht durch das in den Kopfhörer eingespielte Playback verfälscht werden dürfen. Das mag nur eine Minderheit betreffen, aber für die ist es wichtig.
Schwarz ist eigentlich doch ganz schön
Für jedermann wichtig ist hingegen der Tragekomfort. Mehrere Personen, die ich bat, den Beyerdynamic-Kopfhörer aufzusetzen, attestierten dem Gerät ein angenehmes Tragegefühl. Ich kann das bestätigen. Selbst nach circa 30 Stunden Dauereinsatz an einem Studio-Wochenende drückte der Custom One Pro nicht auf den Ohren und nervte auch nicht mit seinem Kopfpolster. Trotzdem musste ich ihn gelegentlich lüften: Unter den weichen Ohrpolstern wurde es zusehends warm. Aber das ist mit anderen geschlossenen Kopfhörern nicht anders.
Billig ist der Custom One Pro mit 199 Euro sicher nicht, aber seinen Preis wert. Der Tragekomfort ist großartig, der Sound gut, wenn auch nicht überragend. Die Möglichkeit, ohne elektronische Tricks Bässe hinzuzufügen, macht ihn klanglich flexibler als die meisten Konkurrenzprodukte. Ob man die Möglichkeit nutzt, ihn auch optisch anzupassen, ist Geschmacksfrage. Ich persönlich bin nach der ersten Enttäuschung eigentlich ganz froh, dass er bloß schwarz ist.