Bildbearbeitung: So klappt die Porträtretusche - DER SPIEGEL
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Bildbearbeitung So klappt die Porträtretusche

Ein gutes Porträt zeigt mehr als eine einfache Abbildung des Aufnahmemoments. Deshalb stecken Bildbearbeiter so viel Zeit in die Porträtretusche. Michael Baierl zeigt im Fachmagazin "Docma" Techniken, die zu sehr weichen, aber extrem detailreichen Bildern führen.
Von Christoph Künne und Michael Baierl
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Foto: Michael Baierl

Eine Studioaufnahme - man sieht es an den Reflexen der Lampen in den Augen und am monochrom grauen Hintergrund. Ein weiches Hauptlicht aus einer Softbox kam von vorne links, ein hartes Streiflicht von hinten rechts. Hier sehen wir die bereits retuschierte Fassung der Haut.

Wärmere Farben, optimierte Kontraste, Nachleuchten - so retuschiert Michael Baierl Porträts am Rechner Schritt für Schritt.

Kontraste reduzieren

Foto: Michael Baierl

Zur Reduktion der Bildkontraste, die sich auf den ersten Blick sehr ungünstig auf das Bild auswirkt, gibt es viele Techniken. Ich persönlich bevorzuge die Arbeit mit einer Einstellungsebene vom Typ "Verlaufsumsetzung" mit einem Verlauf von Weiß nach Schwarz. Dadurch entsteht zunächst eine Bildfassung, die an ein Schwarzweißnegativ erinnert. Nach dem Wechsel des Verrechnungsmodus von "Normal" auf "Weiches Licht" kommen die Farben ganz sachte zurück. Mit der Reduktion der Deckkraft (hier auf 45 Prozent) erhalte ich die Arbeitsplattform für den nächsten Schritt.

Kontraste optimieren

Foto: Michael Baierl

Etwas aus der Mode gekommen, aber sehr wirkungsvoll finde ich den Dialog "Bildberechnungen". Damit der "richtig" funktioniert, müssen Sie die bisherige Bearbeitung zunächst mit der Tastenkombination "Strg-/Befehls-+Umschalt+Alt+E-Taste" auf einer neuen Ebene fixieren. Dann rufen Sie den Dialog "Bildberechnungen" im Menü "Bild" auf und verrechnen dort die Ebene mit ihrem Blaukanal im Modus "Weiches Licht", um zusätzliche Details herauszuarbeiten. Bei Kameras mit starker Rauschneigung sollte man hier besser den Grünkanal wählen. Das recht kontrastreiche Ergebnis reduzieren Sie in der Deckkraft wieder auf rund die Hälfte.

Neue Farben

Foto: Michael Baierl

Wieder mit einer Verlaufsumsetzung, die als Einstellungsebene aufgetragen wird, variieren Sie nun die Farbigkeit des Bildes. Da zu zarten Kontrasten zarte Farben passen, habe ich mich für einen pastelligen Gelb-Grün-Blau-Verlauf entschieden, in den die Bildfarben umgewandelt werden. Damit sich die Farbigkeit mit den ursprünglichen Farben vermengt, wechseln Sie den Verrechnungsmodus in "Weiches Licht". Das Bild bleibt so fotografisch und verwandelt sich nicht in eine Grafik wie im Modus "Normal".

Kontraste verstärken

Foto: Michael Baierl

Zur erneuten Herausarbeitung der Kontraste - sie gehen beim Einsatz der Verlaufsumsetzung immer ein Stück weit verloren - wiederhole ich die Bildberechnung mit dem Blaukanal.

Wärmere Farben

Foto: Michael Baierl

Um die Farben mit Hilfe einer erneuten Verlaufsumsetzung "anzuwärmen", wiederhole ich das Prozedere der letzten beiden Schritte. Mit dem Unterschied allerdings, dass ich jetzt einen Verlauf wähle, der von Beige nach Braun geht. Auch hier müssen anschließend die Kontraste wieder verstärkt werden.

Nachleuchten

Foto: Michael Baierl

Um das Gesicht ebenmäßiger zu gestalten und die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Augenpartie zu lenken, habe ich hier Stirn und Wangen des Models nachträglich aufgehellt und Schattendetails an Hals und Hemd abgedunkelt. Auch hier gibt es viele Techniken, mit denen man solche Eingriffe vornehmen kann. Ich persönlich bevorzuge dafür - besonders seit der Werkzeugerneuerung in CS4 - die "Abwedler"- und "Nachbelichter"-Werkzeuge. Da ich sie auf einem Ebenenduplikat anwende, ist es einfach, ihre Wirkung nachträglich durch Verringerung der Deckkraft zu reduzieren.

Finalisierung

Foto: Michael Baierl

Zum Abschluss erfolgen noch ein paar Arbeiten zur Veredelung: Zunächst helle ich die Pupillen durch den Einsatz einer maskierten Einstellungsebene von Typ "Gradation" kontrolliert auf. In diesem Bild habe ich dann noch ein paar Haare hinzugefügt, um den Pony zu verlängern, und das Hemd digital gebügelt. Letzteres ist übrigens sehr einfach: Legen Sie eine neue leere Ebene an, wählen das Pinsel-Werkzeug mit einer weichen große Spitze sowie mittlerer Deckkraft und dann übermalen Sie die störenden Falten mit der vom Hemd aufgenommen Farbe.

Das Ergebnis

Das Ergebnis

Foto: Michael Baierl

Lesen Sie mehr über Michael Baierl im Atelierbesuch, Teil 1.