Ifa-Einladung Samsung streitet mit widerspenstigem Blogger
Samsung-Pressekonferenz auf der Ifa: Blogger als Standpersonal?
Foto: Markus Schreiber/ AP"Ich bin sicher in einem Hotel untergekommen, mit Flugtickets und allem, lol. Aber ja, eine Weile lang war es wirklich verrückt." Mit diesen Worten gab Clinton Jeff einigen beunruhigten Freunden am Montag per Twitter Entwarnung . Die hatten sich zuvor Sorgen gemacht, der indische Tech-Blogger müsse womöglich fern der Heimat auf den Straßen Berlins übernachten, habe kein Flugticket mehr zurück nach Hause.
Was war geschehen? Clinton Jeff, der von Neu-Delhi aus das Blog "Unleash The Phones " betreibt, hatte sich von Samsung einladen lassen. Das Unternehmen hatte angeboten, die Kosten für Hotel und Flug zu übernehmen. Gegenleistungen habe man von ihm nicht erwartet, beteuert Jeff. In der Einladung habe man ihn gefragt, ob er als Reporter oder als Promoter an der Reise teilnehmen wolle, zu der auch andere Blogger eingeladen wurden. Jeff habe erklärt, das Angebot nur anzunehmen, wenn man ihn als Reporter reisen lasse, schreibt "The Next Web ".
Das er überhaupt zu der Tour eingeladen wurde, hat Clinton Jeff wohl auch dem Umstand zu verdanken, dass er bereits an Samsungs Mobiler-Programm teilgenommen hatte. Der Konzern selbst bezeichnet die Mobilers auf seiner britischen Website als ein "exklusives Netzwerk von Bloggern, die neue Samsung-Produkte als erste kostenlos ausprobieren und darüber schreiben dürfen ". Anders ausgedrückt: Wer an dem Programm teilnimmt, bekommt neue Hardware früher zu sehen und kann schneller darüber bloggen.
Rückflug umgebucht
In Berlin erwarteten Jeff allerdings ein paar Überraschungen, wie er "The Next Web" schilderte. Zunächst seien ihm und den anderen mitreisenden Bloggern im Hotel Samsung-T-Shirts übergeben worden, dann wurden sie zu einer Orientierungsveranstaltung geladen. Auf der sei ihnen erklärt worden, sie sollten sich am kommenden Morgen zur Anprobe ihrer Uniformen melden und fortan jeden Tag auf Samsungs Messestand Pressevertretern neue Produkte vorführen.
Er habe sofort protestiert und erklärt, die Einladung nach Berlin unter anderen Bedingungen angenommen zu haben, schreibt Jeff weiter. Samsungs Reaktion darauf sei gewesen, dass man seinen für den 6. September geplanten Rückflug storniert und ihn stattdessen auf eine Maschine am 1. September umgebucht habe. Allerdings auch nur unter der Bedingung, dass Jeff in einem Samsung-T-Shirt an der Pressekonferenz des Unternehmens teilnimmt und über den Vorfall Stillschweigen bewahrt.
Finnen helfen
Dass Jeff sich diesen Vorgaben nicht unterworfen hat, ist offensichtlich, dass sich die Geschichte tatsächlich ereignet hat, wurde von Samsung mittlerweile bestätigt. Nur darüber, ob sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, wie Jeff sie schildert, herrscht Unklarheit. "Wir bedauern, dass es ein Missverständnis zwischen den Samsung-Mobilers-Koordinatoren und dem fraglichen Blogger gab. Nach unserem Verständnis ist er nicht ausreichend über die Art der Aktivitäten der Samsung-Mobilers auf der Ifa 2012 unterrichtet worden." Außerdem habe man versucht, mit Clinton Jeff Kontakt aufzunehmen.
Der allerdings hatte sich längst aus Samsungs Einflussbereich entfernt. Mittlerweile wohnt er auf Einladung von Nokia in einem anderen Berliner Hotel. Auch einen Rückflug nach Neu Delhi habe der Konzern bereits arrangiert. Die Finnen dürfte es freuen, einem Samsung-Abtrünnigen helfen zu können, hatten sie doch schon am Rande der Samsung-Pressekonferenz mit Guerilla-PR auf die Vorstellung des ersten Windows-Phone-8-Handys reagiert.
Misskommunikation
Tatsächlich steht zu vermuten, dass Clinton Jeff das Opfer schlechter Kommunikation geworden ist. Dass Unternehmen Blogger zu ihren Veranstaltungen einladen, ist nicht ungewöhnlich. Viele Blogger könnten eine Teilnahme an entfernt stattfindenden Messen oder Pressekonferenzen anders gar nicht finanzieren. Klar ist natürlich, dass die einladenden Unternehmen sich davon eine ausführliche Berichterstattung über neue Produkte erhoffen. Dass sie allerdings Blogger zu Standpersonal umdeklarieren, ist ungewöhnlich.
Laut Samsung allerdings handelt es sich bei den Teilnehmern am Samsung-Mobilers-Programm ausschließlich um Freiwillige, die zu Marketing-Veranstaltungen in aller Welt eingeladen werden und dort, wiederum freiwillig, "an Aktivitäten teilnehmen", wie Samsung es ausdrückt. Zur Teilnahme gezwungen werde aber niemand und überhaupt respektiere man die Unabhängigkeit von Bloggern, ihre eigenen Geschichten zu veröffentlichen", heißt es in einer Stellungnahme, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.
Diese Darstellung untermauert auch ein Artikel des Bloggers Amit Bhawani , der selbst Teilnehmer von Samsung-Mobilers ist. Er hat anderem Samsung-E-Mails und -Einladungsschreiben veröffentlicht, aus denen klar hervorgeht, dass für als Reporter reisende Blogger nur ein Berlin-Aufenthalt bis zum 1. September vorgesehen war. Die These von der Misskommunikation scheint davon gestützt zu werden. Warum Samsung so harsch auf Jeffs Weigerung, sich als Standmitarbeiter zu betätigen reagierte, wird aber auch dadurch nicht geklärt.
Clinton Jeff twittert unterdessen, er sei "durch den Wind", "eindeutig urlaubsreif" und habe zwischenzeitlich eine Entschuldigung von Samsung erhalten.