Chip-Trends: Intel gibt dem Atom mehr Kraft - DER SPIEGEL
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Chip-Trends Intel gibt dem Atom mehr Kraft

Alternativen zu Intels bisher vorherrschendem Atomchip für Netbooks gibt es immer mehr: Tegra-Chips, CULV-, ARM- und AMD-Neo-CPUs. Und da die meist mehr leisten, steigt auch der Druck auf Intel, die Magerchips aufzubohren. Die nächste Generation soll vor allem eines sein - Fit für Medieninhalte.
Neue Atom-Chips: Mehr Multimedia
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Neue Atom-Chips: Mehr Multimedia

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Atom-Baureihe von Intel ist schon etwas besonderes: Kleiner, schwächer und billiger als das meiste, was Intel in den letzten fünf Jahren vorstellte, glänzen die Chips gemeinhin mit Minusrekorden - beispielsweise, was den Stromverbrauch angeht. Nur einen Größen-Rekord setzten sie seit ihrer Einführung höchst erfolgreich: Den für Verkaufszahlen, denn Atom-Chips gehören inzwischen zu den meistverbreiteten Mobilchips überhaupt. Nach Erkenntnissen der Marktforscher von IDC halten Netbooks inzwischen einen Marktanteil von 19,6 Prozent am Mobilrechner-Markt. In deutlich über 90 Prozent dieser Netbooks werkelt ein Atom-Prozessor.

Die bekommen jedoch zunehmend Konkurrenz. Neben Tegra- und ARM-Chips und den Neo-CPUs von AMD zählen dazu auch hausgemachte Konkurrenten wie die Doppelkern-CULV-Prozessoren SU2300, SU4100 und SU7300, die im oberen Preissegment der Netbooks die Grenzen zum Subnotebook auch leistungstechnisch verwischen.

Denn Leistung war bisher von Atom-Chips nur in Grenzen zu erwarten: Nur in der Kombination mit dem ION-Chipsatz lieferten die pragmatischen CPUs genügend Kraft, um zumindest anspruchslosere 3D-Anwendungen, Spiele oder HD-Filme zu bewältigen. Das aber wird immer wichtiger - ultramobile Rechner jeder Bauform sind für ihre Nutzer nicht zuletzt eine Alternative zum Multimediaplayer. Mit der letzten, Pinetrail genannten Generation der Atomchips reagierte Intel bereits auf die wachsenden Bedürfnisse (und die verschärfte Konkurrenz), integrierte eine leicht bessere Grafik und bohrte mit dem N550 im August 2010 endlich auch die Netbook-Plattform um Dual-Core-CPUs auf.

Intel will den Tablet-Markt erobern

Die nächste Generation der Atom-Chips aber soll noch weit mehr können: Sie soll ausgerechnet da glänzen, wo sie bisher kaum punkten konnte - beim Bewegtbild und Home Entertainment. Auf dem Intel Developer Forum in San Francisco stellte Intel am Dienstag neben neuen Tablet-PC auch Lösungen für ein vernetztes Internet-Fernsehen vor. Ohne das geht es schon deshalb nicht mehr, weil die Netbooks, an die die Atom-Plattform bisher so eng geknüpft war, inzwischen scharfe Konkurrenz von den Tablet PC bekommen - und die sind vor allem Entertainment-Maschinen.

Auch in diesem boomenden Geschäft aber will Intel eine zentrale Rolle spielen, und zwar mit dem Atom. "Das Ökosystem der neuen Tablet-PCs explodiert gerade", sagte Intel-Manager Doug Davis. Bereits nächstes Jahr werde es 20 Millionen solcher Geräte auf dem Markt geben. Auch der Markt der kleinen Mini-Rechner stehe zwei Jahre nach dem ersten Netbook erst am Anfang. Intels neuer Chip "Oak Trail" aus der Atom- Reihe soll künftig speziell für diese Geräteklassen der maßgefertigte Prozessor sein.

Über viele Jahre hatten die Tablet-PC eher ein Nischendasein gefristet. Mit Apples iPad erlebt die Gerätekategorie derzeit eine glanzvolle Renaissance. Intels Atom-Prozessoren haben sich zwar bei den kleinen Netbooks durchgesetzt, spielen im wachsenden Markt der Tablets aber bisher nicht die erste Geige. Marktführer Apple zum Beispiel entschied sich für sein iPad lieber für den Konkurrenten ARM.

Zahlreiche Hersteller haben nach dem großen Erfolg von Apples iPad inzwischen eigene Modelle im Portfolio. Intel zeigt auf seinem Developer Forum in San Francisco eine ganze Reihe von Geräten mit Atom-Prozessor, unter anderem von Asus, Acer und Dell. In den meisten arbeiten noch die Vorgänger, Oak Trail soll erst Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Fernseher mit Atomkraft

Der texanische Hersteller Dell präsentierte zum Beispiel ein neues Tablet, das mit einem im Rahmen drehbaren Display clever eine Tastatur verbirgt. Auch das WeTab der deutschen Firmen 4tiitoo und Neofonie war mit dabei. Technikchef des Hardwareherstellers 4tiitoo, Stephan Odörfer, präsentierte das Gerät, das kommende Woche nach vielfacher Verzögerung erstmals in Deutschland auf den Markt kommen soll. Vor einigen Monaten erst hatten sich die Entwickler für Intels MeeGo als Betriebssystem entschieden. MeeGo sei einfach besser für Tablets als Googles Android geeignet, das für Smartphones optimiert sei, sagte Odörfer.

Die Emanzipation von Windows kommt der Flexibilität beim Produkt-Design zugute: Microsoft hatte die Nutzung von XP auf Netbooks an Bedingungen geknüpft, die Leistung und andere Spezifikationen (z.B. die Monitorgröße) klein hielten. Mit dem Einsatz modernerer oder anderer Betriebssysteme können die Hersteller hingegen eigene Schwerpunkte setzen, andere Formate und Konfigurationen anbieten - bisher herrschte bei den Netbook-Features weitgehende Uniformität.

Auch in den Wohnzimmern will Intel künftig mitspielen. Der neue Atom-Prozessor CE4200 soll die nahtlose Verbindung von Internet und Fernsehen ermöglichen. Das Chipsystem unterstützt 3D-Inhalte und soll künftig auch die bruchlose Übertragung von Fernsehfilmen auf mobile Geräte ermöglichen. Intels Chip soll dafür sorgen, dass die verschiedenen Formate ohne große Zeitverzögerung dabei umgerechnet werden.

Entwicklern will das Unternehmen spezielle Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit deren Hilfe sie ihre Anwendungen für unterschiedliche Geräte nur einmal schreiben müssen. In San Francisco ist auch Sonys neues Internet-TV mit Google-Betriebssystem zu sehen, in dem ebenfalls ein Atom-Chip arbeitet. Sony hatte das "Sony Internet TV powered by Google" bezeichnete Internet-Fernsehen bereits kurz auf der IFA in Berlin vorgestellt. Intel-Chef Paul Otellini demonstrierte, wie der Nutzer im Web surfen und gleichzeitig in einem kleinen Bild eine Fernsehsendung verfolgen kann.

pat/dpa

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