China OS Chinesen entwickeln eigenes Betriebssystem
China Operating System: Varianten für Handys, Tablets und PC geplant
Foto: YoukuAndroid? Zu fragmentiert! iOS? Zu verschlossen! Windows? Zu unsicher! An Argumenten gegen etablierte Betriebssysteme mangelte es Li Mingshu nicht, als er Ende vergangener Woche in Peking Pläne für ein eigenes chinesischen Betriebssystem vorstellte. Li ist Direktor des ISCAS, des Instituts für Software an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften. Gemeinsam mit einer Firma namens Shanghai Liantong hat sein Institut eine Software entwickelt, die das Land frei von Importbetriebssystemen machen soll.
Das China Operating System (COS) genannte Projekt soll zuerst für Mobilgeräte erscheinen und später auf weitere Plattformen ausgeweitet werden. Neben Smartphones und Tablets könne man mit COS auch Desktop-PC, Notebooks und Set-Top-Boxen betreiben, heißt es in einem Bericht von people.cn .
Als Basis haben die chinesischen Entwickler Linux verwendet. Darauf aufbauend seien die Sicherheit und die Anwenderfreundlichkeit verbessert worden. Vor allem soll die Software besser an die chinesische Sprache und regionale Gewohnheiten angepasst worden sein, als es bei westlichen Produkten der Fall ist. Neben nativen Apps sei es auch möglich, HTML5-Anwendungen abzuspielen. Außerdem gehört Java zum Lieferumfang.
Die passende Hardware dürfte das kleinste Problem sein
In einem Demovideo auf der chinesischen Website "youku" wird das China Operating System unter anderem auf Smartphones und Tablets gezeigt. Optische Ähnlichkeiten zu Googles Android sind dabei nicht zu übersehen. Die in dem Film verwendete Hardware hat der chinesische Ableger des Techblogs "Engadget" als HTC One und Butterfly S identifiziert. Ein HTC-Sprecher wollte laut dem Bericht keinen Kommentar dazu abgeben.
Passende Hardware zu einem eigenen Betriebssystem zu finden und zu produzieren, dürfte allerdings das geringste Problem sein. Fast alle großen Computer- und Smartphone-Anbieter lassen ihre Produkte in China herstellen. Unternehmen wie ZTE dürften keine Schwierigkeiten damit haben, entsprechende Produkte für ihren Heimatmarkt zu entwickeln und zu produzieren.
Attraktiv wäre ein solches Unterfangen für den Konzern ganz sicher. China gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Analysten erwarten von einem Vertrag Apples mit dem Mobilfunkanbieter China Telecom einen Absatz von 15 bis 30 Millionen iPhones im Jahr 2014 . Angesichts von mehr als 700 Millionen Mobilfunkkunden allein bei diesem Anbieter sicher keine übermäßig optimistische Prognose.
Dominiert wird der chinesische Smartphone-Markt derzeit allerdings von Android. Doch die Entwickler von COS sehen sich in einer guten Position, Googles Vormachtstellung anzugreifen. Man würde mit der neuen Software zwar spät, dafür aber von einem höheren Ausgangspunkt starten. Und schließlich sei eine inländische Lösung auch für chinesische Hersteller perfekt.