Cyber Security Challenge Britischer Geheimdienst rekrutiert Hacker per Computerspiel
Cyber Security Challenge: Bewerbungsspiel statt Bewerbungsschreiben
Um den Ruf des GCHQ (Government Communications Headquarters) steht es nicht zum Besten. 2013 wurde bekannt, dass der britische Geheimdienst im Rahmen des Tempora-Programms den weltweiten Internetverkehr anzapft und beim Ausspähen von Datenverbindungen im großen Stil mit der amerikanischen NSA zusammenarbeitet. Seither haftet der verschwiegenen Behörde der Ruf eines unersättlichen Datensaugers an.
Das Rekrutieren von Mitarbeitern ist dadurch sicher nicht leichter geworden. Der Geheimdienst sucht jetzt auf ungewöhnlichen Wegen nach Menschen, die vor allem seine Onlineaktivität unterstützen sollen. Als offensichtlich nützliches Mittel bei dieser Suche hat sich die Cyber Security Challenge erwiesen, eine Kombination aus Online- und Realspiel, in dem sich Kandidaten für einen Job als Cyber-Krieger qualifizieren können. Seit Donnerstag können sich Interessierte für den virtuellen Wettkampf .
In dem "Astute Explorer" ("Schlauer Entdecker") betitelten Szenario ist es die Aufgabe der Spieler, eine fiktive Hightech-Firma namens Ebell Technologies vor Angriffen der ebenso fiktiven Gruppe Flag Day Associates zu schützen. Die Flag Day Associates wiederum zeigt sich in einem Video auf YouTube , dessen schrabbelige Optik wohl an Bekennervideos echter Onlineaktivisten erinnern soll.
Bewerbung für digitale Horch- und Lauschposten
Der Plot des Spiels könnte beinahe typischen Spionage-Spielen entstammen: In einem Lagerhaus wurde eine Festplatte mit Daten der Flag Day Associates gefunden. Die gilt es nun zu analysieren und aus den so gewonnenen Erkenntnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Spieler könnten dabei "ihre Cyber-Security-Kenntnisse wie ein echter GCHQ-Agent nutzen, um Schwächen in der Cyber-Verteidigung der global agierenden Technikfirma zu finden und zu beseitigen", wird das Spiel beworben.
Tatsächlich geht es aber wohl eher darum, die Spreu vom Weizen zu trennen und aus den Spielern geeignete Kandidaten für die Geheimdienstarbeit auszusieben. Im Anschluss sollen die erfolgreichsten Kandidaten zu "geheimen Orten in Großbritannien" eingeladen werden, um dort in Gruppen weitere Rätsel zu lösen. Man könnte auch sagen, die Einzelkämpfer werden aus ihren virtuellen Räumen geholt und müssen beweisen, dass sie teamfähig sind.
2015 schließlich sollen die Bewerber so fein ausgesiebt sein, dass sie in einer Art Endspiel um die besten Horch- und Lauschposten kämpfen können. Bis dahin wird der GCHQ ihre Karriere noch öffentlich vermarkten und versuchen, sich als spannender und offener Arbeitgeber darzustellen. Danach dürfte es vorbei sein mit der publikumswirksamen Show - und die erfolgreichen Bewerber tauchen in die Anonymität ab. Ihre eigentliche Arbeit soll ja schließlich geheim sein und dürfte nur wenig mit den abenteuerlichen Aufgaben des Bewerbungsspiels zu tun haben.