Datenschutz: Mini-Computer Droneshield warnt vor Drohnen - DER SPIEGEL
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Drohne im Garten: Hör mal, was da fliegt

Foto: Matthias Kremp

Verletzte Privatsphäre Alarmanlage warnt vor Spionage-Drohnen

Fliegt da ein ferngesteuerter Hubschrauber durch meinen Garten? Ingenieure aus den USA wollen ein Gerät bauen, das Überwachungsdrohnen am Geräusch erkennt und Alarm schlägt. Nur rund 20 Dollar soll der Mini-Computer kosten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Wer wissen möchte, was der Nachbar so den ganzen Tag hinter seiner hohen Hecke treibt, braucht heutzutage weder Leiter noch Fernglas. Eine mit einer Kamera bestückte Drohne eignet sich viel besser zum Spionieren. Das Beängstigende daran: Ein ferngesteuerter Mini-Hubschrauber kann sogar durch Fenster im vierten Stock spähen.

Die Technik dafür ist schon seit Jahren frei verfügbar, es gibt sogar Open-Source-Projekte für die technisch nicht ganz einfache Steuerung eines sogenannten Quadrocopters - ein Miniaturhubschrauber mit vier Rotoren. Datenschützer in den USA wollen sich nun gegen die drohende Spionage aus der Luft wehren - mit dem Projekt Droneshield .

"Schütze deine Privatsphäre" lautet der Slogan, mit Crowdfunding  sammeln die Macher Geld ein, darunter Studenten und ein Ingenieur aus der Luftfahrtbranche. Droneshield nutzt einen Mini-Computer der bei Bastlern äußerst populären Plattform Raspberry Pi. Ein integriertes Mikrofon zeichnet rund um die Uhr die Umgebungsgeräusche auf - die Software fahndet nach typischen Soundmustern von Drohnen.

Im Gerät ist eine Datenbank mit Geräuschen verschiedenster Drohnen gespeichert. Wird das Geräusch einer Drohne erkannt, schlägt der Mini-Computer, der kaum größer ist als eine Zigarettenschachtel, Alarm - per E-Mail und auch per SMS. Fehlalarme sind nicht ganz ausgeschlossen - laut Beschreibung auf der Projektwebsite werden Rasenmäher oder Laubbläser jedoch als solche identifiziert. In vielen Fällen soll die Software sogar das konkrete Drohnenmodell erkennen können.

Spektakuläre Luftaufnahmen

69 Dollar kostet ein Gerät - langfristig soll der Preis bei nur noch 20 Dollar liegen. Auch eine App für Smartphones ist künftig denkbar. Vertreiben kann Droneshield die fliegenden Spione zwar nicht - aber immerhin vor ihnen warnen.

Es gibt kaum Zweifel, dass Drohnen immer öfter zum Einsatz kommen - nicht nur bei militärischen Konflikten. Die Polizei kann sie anstelle teurer bemannter Hubschrauber etwa bei Demonstrationen einsetzen, Sicherheitsfirmen können bequem große Areale aus der Luft überwachen. Bastler drehen damit spektakuläre Videos - und Privatdetektive können damit spionieren wie James Bond.

Einem Studenten in Bologna war im Oktober 2012 sogar eine Drohne zugeflogen. Er versuchte zunächst, sie für 1000 Euro über das Internet zu verkaufen - die Polizei hinderte ihn aber daran. Das Gerät war ein 40.000 Euro teures Fluggerät zur Videoüberwachung, das zu Demonstrationszwecken auf dem Semesterfest der Uni Bologna gestartet war.

In den USA ist bereits der Abschuss einer Drohne dokumentiert. Tierschutzaktivisten hatten in South Carolina mit einem Mini-Hubschrauber eine Taubenjagd beobachten wollen. Doch nur wenige Sekunden, nachdem das Gerät seine Flughöhe erreicht hatte, knallten Schüsse. Einer davon traf offenbar das Gerät, es stürzte ab. Die Polizei nahm eine Anzeige auf, die Tierschützer forderten Schadensersatz.

Doch man muss eine Drohne nicht unbedingt beschädigen, um sie am Spionieren zu hindern. Studenten der University of Texas in Austin hatten im Sommer 2012 eine Drohne mit einem manipulierten GPS-Signal vom Kurs abgebracht. Beim sogenannten GPS-Spoofing verfälschten Angreifer die Signale der Navigationssatelliten, die Drohnen häufig zur Positionsbestimmung dienen. Die Studenten schafften es, die Drohne während des Flugs zu stören und in eine andere Richtung zu lenken.

hda