Digitalfotografie: Hildegard
Digitalfotografie Hildegard, Du scharfes Schaf
Tiere im Zoo zu fotografieren, ist meistens kurzweilig und auch relativ einfach. Wenn man eine lange Brennweite sein Eigen nennt, kann man die Aufnahme auf das Wesentliche reduzieren und das Motiv gut durch die geringe Schärfentiefe bei weit geöffneter Blende vom Hintergrund trennen.
Meine Lieblingstiere sind Seelöwen, die elegant durch das Wasser gleiten. Bei ihnen finde ich das Einfangen der Bewegung für ein gut gestaltetes Bild - aus fotograscher Sicht - besonders reizvoll. Ein Schaf hingegen ist gewöhnlich unspektakulär, wird es doch gerne als dumm oder blöde bezeichnet.
Mich reizte jedoch die Frage, ob es möglich wäre, nicht nur diese extreme Gegenlichtsituation zu meistern, sondern auch gleichzeitig den Wollfilzcharakter des Schafsfells herauszuarbeiten. Wenn Sie statt eines Schafes ein Model fotografieren, können Sie davon ausgehen, dass es nicht eingesperrt ist und dass Sie so die Möglichkeit haben, einen Aufheller zu platzieren, um den Kontrast zu verringern. Auch die Möglichkeit des Weglaufens hat bei der Arbeit mit einem Model in den seltensten Fällen Realitätsbezug.
Bei diesem Schaf spielte die Bewegung des Motivs allerdings keine sonderlich große Rolle. So konnte ich ohne große Eile mein Bild gestalten. Der Grashalm war der eigentliche Grund für die Aufnahme. Er ist für mich das Tüpfelchen auf dem i, der durch das Gegenlicht so schön leuchtet und betont wird. Wer den Loriot-Klassiker mit der Nudel kennt, weiß, warum dieses Bild "Hildegard" heißt.
Technische Info
In der Wahl des Standpunktes war ich sehr eingeschränkt. Auf der einen Seite wollte ich das Schaf mit dem 300 mm Teleobjektiv im Profil fotografieren. Andererseits war rechts hinter ihm ein unschönes Gebäude zu sehen, das ich darum erst gar nicht mit auf das Bild nahm. Ich entschied mich jedoch, vor dem Schaf mehr Luft zu lassen. Das bedeutet für die unbearbeitete Aufnahme, dass zwar nichts Störendes zu sehen ist, der Bildaufbau jedoch noch Optimierungsbedarf hat. Um das Schaf optisch vom Hintergrund zu trennen, fotografierte ich mit Blende 4,0. Mit der gewählten ISO-Einstellung 200 belichtete ich "Hildegard" 1/1250 Sekunde lang.
Das Rezept, um Hildegard gut in Szene zu setzen
- Die RAW-Aufnahme wird mit geringem Kontrast so konvertiert, dass die Lichter nicht ausfressen und die Schatten immer noch Zeichnung haben.
- Das Bild wird zu einem Quadrat beschnitten.
- Der helle Fleck links, der noch sichtbar ist, wird grob mit weicher Kante ausgewählt und mit der Tonwertkorrektur abgedunkelt.
- Nach der Umwandlung in den LAB-Modus wird der L-Kanal zur Betonung des Fells und der Struktur stark geschärft.