DVD-Filmbeileger Antikörper und Provinzpolizisten
"Lange Beine, kurze Lügen", USA 2008. Regie: Brett Simon. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 89 Min. FSK: 16 Jahre
und
"Antikörper", D 2005. Regie: Christian Alvart. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 122 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.
High-School-Reporter Bobby Funke (Reese Thompson) träumt von einem Journalisten-Stipendium, braucht dafür aber eine Empfehlung seiner Chefredakteurin. Als er den Diebstahl von Eignungstests fürs College aufklären kann, scheint seine Chance endlich gekommen. Er muss aber erkennen, dass man ihn reingelegt hat. Bei seinen weiteren Nachforschungen stößt er auf eine fiese Intrige.
Brett Simons Regiedebüt startet wie eine typische High-School-Komödie voller präpubertärer Kalauer, entpuppt sich später aber als durchaus ernst gemeinte Groteske über die Abgründe im Leben Heranwachsender. Das ist recht unterhaltsam, wird aber immer wieder von allzu gewollt wirkendem Witz und einem gelangweilten Bruce Willis untergraben. Wer dazu nicht in der Stimmung ist, sollte schnell zum zweiten, deutlich interessanteren Film vorspulen.
Die kleine Reminiszenz an Klassiker wie "Das Schweigen der Lämmer" (1991) überraschte im März schon Leser der "Widescreen": Seit Monaten versucht Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring), den Mord an der kleinen Lucia aufzuklären, als endlich ein möglicher Täter verhaftet wird. Doch der Serienkiller Gabriel Engel (Andre Hennicke) gesteht zwar etliche Morde, nicht aber den des Mädchens. Zwischen beiden entwickelt sich ein gefährliches Psychoduell, in dem der Polizist zunehmend die Orientierung verliert.
Beklemmender Psycho-Horror aus Deutschland, der auch anspruchsvollen Freunden dieses Filmgenres gefallen dürfte.
Bis 24. Mai im Handel
"Die Olsenbande", DK 1968-1998. Regie: Erik Balling. Verschiedene Formate. Länge: ca. 90 Min. FSK: 12 Jahre
und
"Sachsens Glanz und Preußens Gloria", DDR 1983-1987, Teile 1-3. Regie: Hans-Joachim Kasprzik. Format: 1:33 (4:3). Länge: ca. 60 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,99.
Bewohner und Besucher Sachsens finden in den nächsten Wochen in einzelnen Ausgaben der "Morgenpost" günstige Film-Beileger. Die Tageszeitung der DD+V Mediengruppe startete in der Vergangenheit bereits mehrfach kleine, regional begrenzte DVD-Aktionen. Diesmal verteilt sie mit der Dresdner Ausgabe am 12. und 19. Mai jeweils eine spielfilmlange Episode der dänischen Krimikomödie "Die Olsenbande".
Insgesamt 14 Mal gaben sich zwischen 1968 und 1998 die drei Ganoven Egon Olsen (Ove Sprogoe), Kjeld Jensen (Poul Bundgaard) und Benny Frandsen (Morton Grunwald) alle Mühe, das große Geld zu machen. Die Serie feierte in der DDR große Erfolge, was auch mit der besonders guten deutschen Synchronisation durch die DEFA-Studios zu erklären ist, die eng mit dem dänischen Filmteam zusammenarbeiteten.
Im Chemnitzer Raum werden historisch Interessierte fündig. Von dem Sechsteiler "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" liegt am 11. und 18. Mai jeweils einer der ersten drei Teile bei. Die drei übrigen Teile sind für den Frühherbst angekündigt. Das aufwendig produzierte Historiendrama zählt zu den teuersten Projekten des DDR-Fernsehens. Es zeichnet nach einer Romanvorlage von Józef Ignacy Kraszewski ein opulentes Bild von der Blüte Sachsens und seines Konflikts mit Preußen im 18. Jahrhundert. Alle DVDs sind außerhalb Sachsens auch per E-Mail unter mopo-dvd@dd-v.de in kleiner Stückzahl bestellbar - solange der Vorrat reicht.
Nur an einzelnen Tagen im Mai erhältlich
"Reise ins Ehebett", DDR 1966. Regie: Joachim Hasler. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 86 Min. FSK: o. A.
und
"Liebesfallen", DDR 1976. Regie: Werner W. Wallroth. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 105 Min. FSK: o. A. Heftpreis: 2,99 Euro.
Die Schauspielerin und Sängerin Eva-Maria Hagen ist in Westdeutschland eher durch ihre Tochter Nina Hagen bekannt. In der DDR war sie jedoch besonders in den fünfziger Jahren ein Star. Durch ihre Liebesbeziehung zum regimekritischen Liedermacher Wolf Biermann wurde sie Ende der sechziger Jahre immer öfter in Provinztheater abgedrängt. Bald nach dessen Ausbürgerung 1976 musste sie ebenfalls das Land verlassen.
Das Musical "Reise ins Ehebett" war einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1966. Hagen sorgt als blinde Passagierin eines Dampfers für Verwirrung, als sie den Plan des Kapitäns durcheinander bringt, seinen Bootsmann zu verkuppeln. Die leichte Musikkomödie war für Hagens Filmpartner, den Sänger Frank Schöbel das Sprungbrett ins Kino.
Eines ihrer letzten DDR-Engagements zeigt sie in "Liebesfallen", einem verzwickten Episodenfilm über die richtige Wahl des Liebesspartners in den siebziger Jahren.
Während Eva-Maria Hagen dort als Ehefrau eines aufdringlichen Pensionsbesitzers zu sehen ist, bringt ihre damals 20 Jahre alte Tochter Nina die Arbeitskollegen durcheinander.
Bis 11. Mai im Handel
TV Direkt "Tödliche Magie", AUS/GB 2007. Regie: Gillian Armstrong. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 2,20 Euro.
Der weltberühmte Entfesselungs- und Zauberkünstler Harry Houdini (Guy Pearce) erreicht 1926 Edinburgh, wo die schöne, arme Mary McGarvie (Catherine Zeta-Jones) sich als trickreiche Wahrsagerin durchschlägt. Da erfährt sie von einem hohen Preisgeld, das Houdini demjenigen verspricht, der Kontakt zu seiner toten Mutter aufnimmt. Als Mary sich für das Experiment bewirbt, ist der Star begeistert. Doch sie ahnt nicht, dass er etwas völlig anderes mit ihr vorhat.
Harry Houdini (1874-1926) war einer der schillerndsten Stars seiner Zeit, wurde vom Kino aber vergleichsweise wenig beachtet. 1953 spielte Tony Curtis ihn klassisch als "König des Varieté", 1998 Johnathon Schaech ganz ähnlich in einem "Flirt mit dem Tod".
Gillian Armstrong ("Betty und ihre Schwestern") hat sich für den jüngsten Spielfilm eine Geschichte über die letzten Wochen seines Lebens ausgedacht. Mit Pearce ("Memento") und Zeta-Jones ("America's Sweathearts") fand sie zwei routinierte Darsteller, die prima zu dem ansprechenden Produktionsdesign passen, aber nur wenig gefordert sind. Gediegenes Kostümdrama für den gepflegten Pärchenabend - zu einem Kampfpreis von 2,20 Euro.
Bis 12. Mai im Handel
"Die Kovak Verschwörung", GB/E 2006. Regie: Daniel Monzón. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 104 Min. FSK: 16 Jahre
und
"Die Vorahnung", USA 2001. Regie: Mennan Yapo. Format: 2,40:1 (16:9). Länge: 92 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.
Mit einem Mystery-Doppelpack kontert die TV Movie den Preiskampf der Konkurrentin TV Direkt - und zeigt dabei ein glückliches Händchen. Bei der "Kovak Verschwörung" landen wir direkt in dem wahr gewordenen Albtraum des Science-Fiction-Autors David Norton (Timothy Hutton). Kurz nach dem Freitod seiner Braut trifft er eine Reisebekanntschaft wieder, die ebenfalls unvermittelt fast in den Tod gesprungen ist. Und sie ist nicht das einzige Opfer. David kommen die Ereignisse seltsam bekannt vor, denn sie entsprechen dem Plot seines ersten Romans, der Dystopie eines Überwachungsstaates. Hat ein Wahnsinniger Davids Fiktion verwirklichen können?
Vor der Urlaubskulisse seiner Heimat Mallorca entwickelt Daniel Monzón ("Cell 211") einen feinen Thriller á la Hitchcock mit hohem Spannungspotential, das sich besonders aus dem durchdachten Drehbuch speist. Dessen Autor, der Spanier Jorge Guerricaechevarría, zeichnet neben einer Reihe gelungener Horrorkomödien ("Aktion Mutante", "Allein unter Nachbarn") auch für Pedro Almodovars "Live Flesh" (1997) verantwortlich. Ein Talent des spanischen Independent-Kinos, das er auch in der "Kovak Verschwörung" wieder gezeigt hat.
Deutlich prominenter besetzt und mit 20 Millionen Dollar dickem Budget ausgestattet, bemüht sich auch "Die Vorahnung" um mysteriöses Schaudern. Sandra Bullock ("Speed") spielt Linda, eine rundum glückliche Ehefrau, deren Mann bei einem Unfall stirbt, aber am nächsten Tag wieder mit ihr am Küchentisch sitzt. Zuerst glaubt sie, zu träumen, doch bald stellt sich heraus, dass die Sache wesentlich komplizierter ist.
Der Film lebt von seinem Star und Sandra Bullock zieht wirklich alle Register ihres Könnens. Langsam lässt Regisseur Yapo ("Lautlos") sie in eine verwickelte Story voller Zeitsprünge hineinwachsen. Das macht solange Spaß, bis die Handlung im letzten Drittel zu einem moralschweren Hollywoodende abflacht. Das hat der bis dahin klasse gemachte Thriller nicht verdient.
Bis 12. Mai im Handel
Kurz und knapp - was der Kiosk im Mai noch zu bieten hat
"Rat Race - Der nackte Wahnsinn", CDN/USA 2001. Regie: Jerry Zucker. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 107 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.
In einem großen Hotel in Las Vegas gewinnen acht Typen die Teilnahme an einem preisträchtigen Rennen: Wer von ihnen als erster einen Ort in New Mexico erreicht, gewinnt zwei Millionen Dollar. Regeln gibt es keine. Was sie nicht wissen: Sie sind Teil einer Wette dekadenter Millionäre, die gespannt beobachten, was ihre intelligenten Rennpferde sich einfallen lassen, um zu gewinnen.
Bereits vor 30 Jahren zeigte Jerry Zucker mit seiner "Unglaublichen Reise in einem verrückten Flugzeug", einer Satire auf das Entführungsdrama "Airport" (1970), wie guter Klamauk aussehen kann. Auch 2001 verballhornt er wieder einen Klassiker, diesmal "Auf dem Highway ist die Hölle los" (1981). Unterstützt von einer Schar gut gelaunter Hollywoodgrößen präsentiert er ein fetziges Roadmovie.
Bis 6. Mai im Handel
"Living & Dying", USA 2006. Regie: Jon Keeyes. Format: 1,66:1 (16:9). Länge: 80 Min. FSK: 16 Jahre (6 Minuten gekürzt)
und
"Kill Point", TV-Serie, USA 2007, Episode 2 von 8. Regie: Steve Shill. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 41/330 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.
Nach einem misslungenem Banküberfall verschanzt sich ein Räuberquartett in einem benachbarten Cafe. Was die jungen Freunde nicht ahnen: Dort stören sie zwei üble Killer beim Frühstück. Bald haben die beiden das Kommando übernommen, während vor der Tür die Polizei in Stellung geht. Ausgemachtes B-Movie, das zwar aus allen Rohren ballert, aber sonst wenig zu bieten hat.
Da verspricht die zweite Episode der TV-Serie "Kill Point" mehr. Mit ihr hält das DVD-Magazin seine Filmbeileger-Fans seit der letzten Ausgabe bei Laune. Die Geschichte um einen ähnlich misslungenen Bankraub, wie ihn der Hauptfilm bietet, nimmt weiter Fahrt auf. Man kann gespannt sein, wie dieses Drama gelöst wird.
Bis 18. Mai im Handel
Der nächste DVD-Überblick erscheint Mitte Mai.