DVD-Filmbeileger: Vom Vampir gebissen - DER SPIEGEL
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DVD-Filmbeileger Vom Vampir gebissen

Zur Monatsmitte bieten nur eine Hand voll Publikumsmagazine ihre neuen Filmbeileger an- die haben es aber in sich: Stilechte Fantasy-Action, verwickelte Gaunerkomödien und nachdenkliche Gerichtsdramen lassen feuchtkalte Novemberabende vergessen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Computer Bild 

"Zivilprozess", USA 1998. Regie: Steven Zaillian. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 110 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,70 Euro.

Der profitgierige Anwalt Jan Schlichtman (John Travolta) stößt er in einer Kleinstadt auf eine seltsame Häufung von Krebserkrankungen, deren Ursache verseuchtes Trinkwasser zu sein scheint. Erschüttert vom Schicksal der Bewohner ändert der Zyniker seine Einstellung und geht den verantwortlichen Firmen an den Kragen, setzt dabei aber seine gesamte Existenz aufs Spiel.

Hinter dem Film steckt eine wahre Geschichte: 1982 erlangte die US-Kleinstadt Woburn traurigen Ruhm durch eine Klage gegen zwei Konzerne, die Anfang der siebziger Jahre das Grundwasser vergifteten und damit den Krebstod von acht Kindern verursachten. Trotz später nachgewiesener Schuld konnten sich die Firmen zuerst weitgehend aus der Affäre ziehen. Da zudem das meiste Geld aus Schadensersatzzahlungen für Anwälte und Gebühren verpuffte, ging der Fall als Gerichts-Skandal in die Geschichte ein, wurde 1995 von Jonathan Harr in einem Tatsachenroman verarbeitet und kurz darauf verfilmt. Keine leichte Kost, sondern ein nachdenkliches Drama für stillere Stunden.

Bis 19. November im Handel

Männer  

"Amerika und (n)irgendwo", USA 1995. Regie: Keith Froelich. Format: 1,33:1 (4:3). Sprache: Deutsch & English (OmU). Länge: 73 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 7,95 Euro.

Wie schon einmal vor etwa einem Jahr legt das schwule Monatsmagazin "Männer" nun erneut seiner aktuellen Ausgabe ein Coming-of-Age-Drama in Originalausstattung bei. In dessen Mittelpunkt steht Dieter (Matt Klemp), ein 16jähriger Teenager, der in der US-Kleinstadt New Ulm unter dem erdrückenden sozialen Klima in einer puritanischen Gemeinde deutscher Auswanderer leidet.

Als sein schwuler Freund Philip (Andrew Woodhouse) in die Freiheit der Großstadt Minneapolis flieht, sucht er Trost bei Udo (Ralf Schirg), einem versoffenen aber netten Nachbarn. Die beiden kommen sich schnell näher und folgen schließlich Philip, ohne zu ahnen, dass mittlerweile die Polizei hinter ihnen her ist.

Durchgängig schwarzweiß filmte Keith Froelich seinen ersten Spielfilm. Der Plot ist nicht gerade innovativ, doch den jungen Laiendarstellern verzeiht man manch unausgegorene Szene. Einige davon werden durch den ebenfalls vorhandenen Audiokommentar des Regisseurs klarer. Ein interessantes Schmankerl ist das merkwürdige Deutsch, das die seit dem 19. Jahrhundert Eingewanderten und ihre Nachkommen sprechen. Dadurch erhält dieser ruhige Independentfilm eine kuriose Note, die ihn sehenswert macht.

Bis 23. November im Handel

PC Go Premium 

"Schwerter des Königs - Dungeon Siege", D/CDN/USA 2007. Regie: Uwe Boll. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 122 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.

Als grausame Wesen seine Frau entführen, seinen Sohn töten und sein Dorf vernichten, schwört der Bauer Farmer (Jason Statham) blutige Rache. Schnell finden er und seine Freunde heraus, dass der Zauberer Gallien (Ray Liotta) dahinter steckt, um die Macht im Königreich Ehb an sich zu reißen.

60 Millionen Dollar verheizte Uwe Boll ("House of the Dead") mit dieser dünnen Story. 2009 erhielt er dafür die goldene Himbeere - endlich, muss man wohl sagen, denn Boll gilt als der wohl am häufigsten verrissene deutsche Regisseur. Dieses "Boll Bashing" gefällt dem seit 1994 promovierten Literaturwissenschaftler mittlerweile vielleicht sogar ganz gut, da es quasi zum Markenzeichen geworden ist. Gleichzeitig schafft er es nämlich immer wieder, viele Millionen Dollar dicke Budgets zu akquirieren und namhafte Darsteller zu verpflichten.

Das war auch bei "Dungeon Siege" der Fall, wie so oft bei Boll eine Computerspieladaption, die trotz gelungener Action nur knapp 13 Millionen Dollar einspielen konnte. Zweifellos ein Desaster - aber kein Grund aufzuhören. So sorgte Boll vor wenigen Wochen mit seinem Biopic über die Boxerlegende Max Schmeling erneut für Wirbel. In der Hauptrolle: Ex-Boxweltmeister Henry Maske. Wer trashiges Kino mag, kann bei Boll-Filmen ungeprüft zugreifen.

Bis 2. Dezember im Handel

TV Direkt  

"Intermission", GB/IR 2003. Regie: John Crowley. Format: 1,78 (16:9). Länge: 102 Min. FSK: 12. Heftpreis: 3,80 Euro.

Während der Kleinganove Lehiff (Colin Farrell) zu Recht ins Visier des fiesen Polizisten Jerry (Colm Meany) gerät, macht John (Cilian Murphy) sich das Leben unnötig schwer, als er seine Beziehung zu Deirdre (Kelly Macdonald) verspielt. Aus Eifersucht heckt er zusammen mit Lehiff einen Plan aus, der nur danebengehen kann: Sie wollen Deirdre als Geisel nehmen, um ihren neuen Lover, einen Bankdirektor, zu erpressen. Gleichzeitig leidet Deirdres Schwester unter den Folgen sexueller Kränkung und Johns bester Kumpel an seinem Single-Dasein - doch durch einen kleinen, Steine werfenden Jungen findet alles eine wundersame Lösung.

John Crowley hat mit seinem Regiedebüt einen kleinen, sympathischen Episodenfilm auf die Beine gestellt, ohne damit das Rad neu zu erfinden. Dank einer ganzen Busladung prominenter Darsteller, von denen man einige eher in millionenschweren Hollywoodproduktionen erwartet, kommen Freunde alltagsverrückter Geschichten dabei voll auf ihre Kosten. Wer bis zum Abspann durchhält, hört Colin Farrell ("Brügge sehen … und sterben") auch noch eine punkige Coverversion des Rock-Klassikers "I Fought the Law" grölen. Ein waschechter, irischer Filmspaß.

Bis 25. November im Handel

TV Movie  

"Underworld", D/GB/H/USA 2003. Regie: Len Wiseman. Format: 2,35 (16:9). Länge: 116 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 3,50 Euro.

Mitten unter den Menschen tobt seit Ewigkeiten ein Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen, in dem - zumindest zeitweise - die Vampire die Oberhand gewonnen haben. Doch Selene (Kate Beckinsale), eine ihrer Elitekriegerinnen, beobachtet misstrauisch, wie die Werwölfe sich im Untergrund neu formieren. Als ihr Anführer ihre Warnungen nicht ernst nimmt, folgt Selene auf eigene Faust einer Fährte, die weit in die Vergangenheit reicht.

Dieses Fantasy-Action-Spektakel schlug 2003 bei seinem Publikum mächtig ein: Bereits am Eröffnungswochenende spielte er sein Budget von 22 Millionen Dollar wieder ein, weltweit sind daraus mittlerweile fast 96 Millionen Dollar geworden. Nach zwei ebenso erfolgreichen Fortsetzungen wird zurzeit ein vierter Teil in 3D für 2012 projektiert.

Kein Wunder, denn die Story hat - auch wenn sie aus genre-üblichen Versatzstücken zusammengeklaut ist - genregerechten Pepp und Potential, der New-Gothic-Look ist klasse arrangiert und die Figuren passend besetzt. Regisseur Len Wiseman ("Stirb Langsam 4.0") ging in den neunziger Jahren als Gestalter bei Großproduktionen wie "Independence Day", "Men in Black" und "Godzilla" in die Lehre. Mit seinem in Budapest gedrehten Spielfilmdebüt zeigt er, wie man auch ohne großes CGI-Gedöns oder endlose Baller-Orgien überzeugende Fantasy-Action produziert.

Bis 25. November im Handel

Kurz und knapp - was der Kiosk im November noch zu bieten hat

AudioVideoFoto Bild  

"Verlockende Falle", USA 1999. Regie: Jon Amiel. Format: 2,35:1 (16:9). Länge: 108 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,90 Euro.

Im November können Leser der "AudioVideoFoto Bild" einen Filmbeileger des Schwestermagazin "Computer Bild" aus dem Juli noch einmal abgreifen. Catherine Zeta-Jones ("Die Maske des Zorro") und Sean Connery ("James Bond") üben verzwickte Einbrecherkunststückchen und gurren gepflegt umeinander herum, während sie in der Rolle zweier Meisterdiebe spektakuläre Raubzüge vorbereiten. Unser Fazit: nettes Feierabendkino.

Bis 30. November im Handel

PC Magazin 

"Open Your Eyes", F/IT/E 1997. Regie: Alejandro Amenábar. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 114 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,99 Euro.

César (Eduardo Noriega) steht unter Mordverdacht, kann sich aber an nichts erinnern. Verstört erzählt er einem Psychologen, wie sich sein Leben durch die bezaubernde Sofia (Penelope Cruz) veränderte. Für sie hatte er Nuria (Najwa Nimri) verlassen - und damit ihre Eifersucht provoziert. Als sie sich und ihn töten will, überlebte nur César schwer entstellt.

Doch plötzlich taucht die tot geglaubte Ex wieder auf. Ist er einem Komplott auf der Spur, oder kann er einfach nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden? "Abre los ojos", die spanische Vorlage für "Vanilla Sky" (2001), kommt weniger glatt, aber kein Stück weniger verschachtelt, verträumt, erschreckend daher. Für Fans ein Muss: Das hier ist das Original.

Bis 2. Dezember im Handel

Screen DVD Magazin 

"Der Unhold", D/F/GB 1996. Regie: Volker Schlöndorff. Format: 1,85:1 (16:9). Länge: 112 Min. FSK: 12 Jahre. Heftpreis: 3,99 Euro.

In seiner Verfilmung des Romans "Der Erlkönig" von Michel Tournier entwirft Regisseur Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") eine Art französischen Forrest Gump, dessen Erlebnisse als Kriegsgefangener im Jagdschloss Hermann Görings und einer benachbarten deutschen Eliteschule einen tiefen Blick in den nationalsozialistischen Größenwahn gewährt.

Der etwas weltfremde Abel Tiffauges (John Malkovich) entwickelt sich dabei vom missverstandenen Kinderfreund zum Rattenfänger für die Rassenlehrer der SS-Schule, bis er schließlich im Kugelhagel russischer Panzer seinen Irrweg begreift. Anspruchsvolles, aber kaum anstrengendes Epos für Freunde aufwendiger Literaturverfilmungen.

Bis 1. Dezember im Handel

SFT-Magazin 

"Shadowless Sword", Südkorea 2005. Regie: Kim Young Jun. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 111 Min. FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 4,50 Euro.

Korea im Jahr 927: Als die Thronfolger der Königsfamilie von der "Armee der Todesklingen" umgebracht werden, bleibt nur noch eine Hoffnung: Der letzte Königssohn Jeong Hyun (Lee Seo Jin) muss aus dem Exil heimkehren, um das Land zu befrieden. Die treue Schwertkämpferin So Ha (Yoon Soy) soll das erledigen, doch der Prinz muss erst überzeugt werden, während die Verfolger ihnen bereits auf den Fersen sind. Abwechslungsreiche Demonstration intelligenter Choreografie - nur von wenigen, angekitschten Szenen unterbrochen.

Bis 23. November im Handel

Widescreen 

"36 Stunden bis zum Tod", CDN/USA 1999. Regie: Yves Simoneau. Format: 1,78:1 (16:9). Länge: 91 Min. FSK: 16 Jahre
und
"Die Leute von der Shiloh Ranch" , USA 1974. Regie: Jeannot Szwarc. Format: 1,33:1 (4:3). Länge: 56 Min (gekürzt). FSK: 16 Jahre. Heftpreis: 6,50 Euro.

Wie gewohnt verwertet die "Widescreen" für ihre Leser nach zwei Monaten den Filmbeileger ihres Schwesternmagazin "SFT". In dem kleinen, soliden Krimi auf TV-Serien-Niveau zeigt uns Brauereibesitzer Noah Stone (Treat Williams), dass er auch ohne die Polizei mit fiesen Gangstern fertig wird. Ähnliches bewiesen auch "Die Leute von der Shiloh-Ranch". Ihre rauen Wildwest-Abenteuer flimmerten Anfang der siebziger Jahre über westdeutsche Fernsehbildschirme. Die Widescreen zeigt die Pilotfolge - leider, wie bereits bei der Erstausstrahlung, in einer gekürzten Version.

Bis 30. November im Handel

Der volle Überblick - Die Tabelle mit allen aktuell erhältlichen DVD-Beilegern

Alle DVD-Beileger bis Ende November

Zeitschrift Film Preis (Euro)
AudioVideoFoto Bild Verlockende Falle 3,90
Computer Bild Zivilprozess 3,70
Männer Amerika und (n)irgendwo 7,95
PC Go Schwerter des Königs 6,99
PC Magazin Open Your Eyes 6,99
Screen DVD Magazin Der Unhold 3,99
SFT Shadowless Sword 4,50
TV Direkt Intermission 3,80
TV Movie Underworld 3,50
Widescreen 36 Stunden bis zum Tod / Die Leute von der Shiloh-Ranch 6,50

Der nächste DVD-Überblick erscheint Ende November.

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