E-Book-Reader Was Apples Konkurrenten bieten
Sonys-Billig-Reader: PRS-300 Pocket Edition
Die Technikwelt schaut auf San Francisco: Ab 19 Uhr MEZ (Liveticker auf SPIEGEL ONLINE) will Apple seine neuesten Produkte präsentieren. Experten rechnen damit, dass auch der lang erwartete Tablet-Computer darunter sein wird. Welche Funktionen das Gerät enthalten wird, ist noch Spekulation, doch klar ist: Um Fachwelt und Konsumenten zu überzeugen, müsste es schon mehr können als nur elektronische Bücher anzeigen.
Diesem Anspruch muss nicht nur Apple genügen - auch die Konkurrenten des US-Konzerns stehen unter Erfolgsdruck. Als Sony im August 2009 neue E-Book-Reader ankündigte, war vieles davon heiße Luft. Der große PRS-900 "Daily Edition" kam erst kurz vor Weihnachten und nur in den USA in den Handel, der kleine und mit 199 Dollar ausgesprochen günstige PRS-300 "Pocket Edition" wurde außerhalb der USA gar nicht erst angeboten. Einzig der 299 Euro teure PRS-600 "Touch Edition" ist seit Monaten auch hierzulande erhältlich. Das untere Ende der Produktpalette wurde bisher weiter vom Alt-Modell PRS-505 gehalten. Jetzt endlich bringt Sony auch hierzulande den PRS-300 auf den Markt - für 199 Euro.
Doch der günstige Preis bedeutet, dass der Nutzer auf manches verzichten muss. Das fällt sofort auf, wenn man den Reader zum ersten mal in die Hand nimmt. "Mensch, ist der klein", möchte man sagen: 12,7 Zentimeter misst die Bildschirmdiagonale - damit deutlich weniger als beispielsweise beim Touchscreen-Reader PRS-600 oder dem Amazon Kindle, die schon mit 15,2 Zentimetern nicht gerade geräumig geraten sind. Sony sieht das freilich als Vorteil, schließlich passe der Kleine dadurch "in nahezu jede Tasche".
Umgekehrt passt allerdings nicht viel Text auf das handliche Bildschirmchen. Knauserig gibt Sony sich auch bei der Speicherausstattung. Nur 512 Megabyte misst der interne Speicher und ist - anders als bei den anderen Sony-Readern - nicht erweiterbar. Viele Leser wird das nicht stören, denn laut Sony passen trotzdem noch 330 Bücher im EPUB-Format in das 220 Gramm leichte Gerät. Da der PRS-300 zudem keine speicherraubenden MP3-Dateien wiedergeben kann, dürfte das tatsächlich meist reichen. Füttert man den Sony-Reader allerdings mit Handbüchern im PDF-Format oder aufwendigen Word-Dateien, kann es doch mal eng werden.
Kommt der kleine Sony zu spät?
Der PRS-300 ist damit ein Gerät, das perfekt auf eine Anwendung zugeschnitten ist: Zum Lesen soll man ihn benutzen - und zu sonst nichts. Das klappt auch sehr gut, das Display ist über alle Makel erhaben, nur eben ein bisschen klein geraten. Dass Sony mit dem PRS-300 jetzt noch ein Verkaufserfolg gelingt, ist allerdings längst nicht gesichert. Anfang Oktober, als die Auswahl an E-Readern noch übersichtlich war und Amazons Kindle noch nicht nach Deutschland geliefert wurde, hätte das noch anders ausgesehen. Mit einem Preis von unter 200 Euro und dem Namen Sony auf der Front hätte der PRS-300 die Schlacht im Weihnachtsgeschäft für sich entscheiden können.
Angesichts des Apple-Tablets, das an diesem Mittwoch enthüllt werden soll, sowie diverser anderer Tablets und E-Reader, die in den vergangenen Wochen vorgestellt wurden, wird die Luft für Sonys Kleinen allerdings dünn.
Sehen Sie hier, womit Apples Konkurrenten punkten wollen und wie viel Multimedia in den E-Book-Readern der nächsten Generation steckt:
Hier kommt Alex
Kein anderes Gerät zeigt so deutlich, in welcher Klemme sich die Entwickler von E-Book-Lesegeräten befinden, wie der Alex Dual Screen eReader. Den Spagat, ein Lesegerät mit Multimedia- und Internetfunktionen aufzuwerten, hat Alex-Hersteller Spring Design geschafft, indem ein zweites Display, diesmal ein farbfähiges, integriert wurde. Darauf werden Dateiverzeichnisse angezeigt, dort läuft der Web-Browser und dort werden E-Mails geschrieben, alles Dinge, die mit dem für E-Reader typischen E-Ink-Display nicht gehen.
Wirklich reif wirkt diese Konstruktion aber nicht. Das Zweit-Display entspricht mit seinen 3,5 Zoll Diagonale einem typischen Handy-Bildschirm. Entsprechend winzig sind die Tasten der virtuellen Tastatur. Zudem wirkt der Reader, als hätte er eine Nacht auf der Streckbank verbracht, da das Zusatz-Display direkt unter dem schwarzweißen Hauptbildschirm angebracht ist.
E-Reader Alex: Mit Doppel-Display und Google Android
Spannend ist der Alex dennoch, schon weil bei ihm Googles Handy-Betriebssystem Android zum Einsatz kommt. Das bedeutet auch, dass freie Programmierer nach Belieben Software für das längliche Lesegerät entwickeln können - und der Hardware möglicherweise Dinge beibringen werden, von denen die Entwickler nicht zu träumen wagten.
Entourage Edge
Dass man das Thema Zweitbildschirm auch anders lösen kann, demonstriert das US-Unternehmen Entourage mit seinem Edge . Der soll, so der Hersteller, E-Book-Reader, Netbook, digitaler Notizblock und Audio-/Videorecorder zugleich sein. Damit er dieses Versprechen einlösen kann, ist der Edge vergleichsweise üppig ausgestattet: Vier GB Speicher, Android-Betriebssystem, W-Lan und Bluetooth sind an Bord. Über den Prozessor schweigt sich der Hersteller aus.
Unübersehbar ist dagegen, dass der Edge mit zwei fast gleich großen Bildschirmen ausgestattet ist. Zum Lesen ist ein 9,7 Zoll großes E-Ink-Display mit 1200 x 825 Bildpunkten und acht Graustufen eingebaut, während für Multimedia-Anwendungen ein 10,1 Zoll großes Farb-Display mit 1024 x 600 Pixel bereitsteht.
Wie groß dabei der Fokus auf Multimedia ist, zeigt eine Auflistung der nutzbaren Dateiformate. So ist die Lesefähigkeit des Readers mit EPUB und PDF auf nur zwei wichtige Dateiformate begrenzt, während die Multimedia-Abteilung Formate wie MP3, AAC, Ogg, MP4 und Adobe Flash Lite beherrscht. Optional kann man eine USB-Tastatur zum Tippen von Texten gleich mitbestellen, womit der Reader zum Mini-Notebook wird. Der US-Preis von 490 Dollar scheint dafür nicht einmal übertrieben hoch.
Der Kosmopolit unter den E-Readern
Der Neo eReader von BeBook ist vor allem eines: international. Navigiert man mit dem Gerät den Buch-Shop des Herstellers an, sieht man nicht etwa einen Katalog, sondern eine Weltkarte. Auf der wählt man sein Heimatland aus und kann daraufhin einen der dort verfügbaren Onlineshops auswählen. Zudem gibt der Hersteller an, mit dem Neo über den schnellsten E-Book-Reader der Welt zu verfügen, protzt damit, er sei zweieinhalbmal schneller als die Konkurrenz.
Der Anwender soll diese Geschwindigkeit beispielsweise nutzen, um Notizen auf den Bildschirm zu kritzeln. Den wiederum hat BeBook mit Technik vom Grafiktablett-Spezialisten Wacom ausgerüstet. Zudem soll man mit dem Gerät Web-Surfen können, zumindest ein wenig. Allerdings sollte man sich dabei auf textlastige Seiten beschränken. Der Hersteller nennt Google, die Wikipedia und Twitter als Beispiele.
Der Touchscreen mit sensiblem Rücken
Zugegeben, das Fuse Concept Phone ist ein Handy und kein Tablet-PC oder E-Book-Reader. Und doch zeigt das unten zu sehende Konzeptvideo, wie lebendig nicht nur Handys, sondern auch die Tablets der Zukunft werden könnten. Denn genau betrachtet unterscheiden sich Tablet-Computer in erster Linie durch ihre Größe von Mobiltelefonen. Warum also nicht ähnliche Bedienkonzepte nutzen?
Einen spannenden Entwurf, wie eine solche Benutzeroberfläche künftig aussehen könnte, demonstriert Elektronikhersteller Synaptics in seinem Fuse-Video. Da tanzen Bildschirmsymbole und Programme über das Display, als würden sie in einer Flüssigkeit schweben, da gibt der Bildschirm fühlbare Rückmeldung darüber, was man gerade für Aktionen ausführt. Vor allem aber sind auch Seitenteile und Rückseite mit Berührungssensoren bestückt, so dass quasi das ganze Gerät zur Benutzeroberfläche wird.
Das hört sich spannend an und sieht vor allen spannend aus, wie im folgenden Video zu sehen ist. Wann die ersten Geräte auf den Markt kommen, die sich dieser Technik bedienen, ist allerdings noch unklar.
Die wichtigsten E-Book-Reader in Deutschland
E-Book-Reader in Deutschland
| Gewicht | Display | Anschlüsse | Speicher | Preis | |
|---|---|---|---|---|---|
| Amazon Kindle | 290 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | UMTS, USB, SD-Karte | 2 GB | 242 Euro |
| Amazon Kindle DX* | 560 Gramm | 24,6 cm / 1200 x 824 Pixel | UMTS, USB, SD-Karte | 4 GB | 489 Dollar |
| BeBook | 220 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karten | 512 MB | 250 Euro |
| BeBook Mini | 160 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karten | 512 MB | 200 Euro |
| Cybook Gen 3 | 175 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karten | 64 MB | 280 Euro |
| Cybook Opus | 150 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, microSD-Karten | 1 GB | 250 Euro |
| Etaco Jetbook | 210 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karten | 112 MB | 270 Euro |
| Hanvon WISEreader N516 | 170 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karte | 512 MB (plus 2 GB SD-Karte) | 190 Euro |
| Hanvon WISEreader N518 | 190 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karte | 512 MB (plus 4 GB SD-Karte) | 280 Euro |
| Hanvon WISEreader N526 | 195 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karte | 512 MB (plus 4 GB SD-Karte) | 300 Euro |
| iRex Iliad 2nd Edition | 435 Gramm | 20,6 cm / 1024 x 768 Pixel | W-Lan, USB, MMC- und CF-Karten | 256 MB | 600 Euro |
| iRex iLiad Book Edition | 435 Gramm | 20,6 cm / 1024 x 768 Pixel | USB, MMC- und CF-Karten | 256 MB | 550 Euro |
| iRex Digital Reader 1000 S | k.A. | 25,9 cm / 1280 x 1024 Pixel | USB, SD-Karten | 1 GB (SD-Karte) | 700 Euro |
| iRiver Story | 284 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | USB, SD-Karten | 2 GB | 300 Euro |
| Sony PRS-505*** | 250 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | USB, Memorystick, SD-Karte | 256 MB | 250 Euro |
| Sony PRS-300 | 220 Gramm | 12,7 cm / 800 x 600 Pixel | USB | 512 MB | 199 Euro |
| SonyPRS-600 | 280 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | USB, Memorystick, SD-Karte | 512 MB | 300 Euro |
| Txtr Reader** | 300 Gramm | 15,2 cm / 800 x 600 Pixel | EDGE, Bluetooth, W-Lan, USB, mircoSD-Karte | 8 GB (auf microSD-Karte) | k.A. |