E-Books: Kochbuchverlag vermisst Farbdisplays - DER SPIEGEL
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E-Books Kochbuchverlag vermisst Farbdisplays

Reiseführer, Kochbücher, Bildbände: An vielen Verlagen geht der Hype ums E-Book noch vorbei, weil die Lesegeräte keine Bilder in Farbe darstellen können. Doch auch bei den anderen Verlagen wird noch kaum Umsatz mit der digitalen Ausgaben gemacht.
Sony-Lesegerät: Das Angebot ist winzig, die Nachfrage entsprechend gering
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Foto: Z1031 Jan Woitas/ dpa
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Frankfurt am Main - Der seit Jahren vorausgesagte Siegeszug der E-Books lässt in Deutschland auf sich warten. Bisher ließen sich die Experten gleichwohl nie verwirren und verwiesen auf das für Verbraucher lange Zeit noch undurchsichtige Angebot an E-Readern, den Lesegeräten für digitalisierte Literatur. Und obwohl der Hardware-Markt nun zur Frankfurter Buchmesse 2009 in großem Stil liefern kann und vor allem der E-Reader "Kindle 2" des US-Unternehmens Amazon erschienen ist: Die europäische Verlage und Händler vermelden auf der Buchmesse unisono "praktisch keinen E-Book-Umsatz".

E-Books sind in Bits und Bytes zerlegte Texte. Sie bloß "elektronische Bücher" zu nennen, reicht nicht, denn das "E" steht auch für E-Commerce. Digitalisiert wird heute in der Herstellung praktisch jedes Druckerzeugnis. Aber nur Literatur, deren Programmformat sie auf einem Reader sichtbar werden lässt, sie internet- und downloadfähig macht, ist ein Produkt für den E-Commerce, den (Online-)Handel im digitalisierten Zeitalter.

"Wir bieten alle unsere Bücher auch als E-Book an", heißt es auf dem Buchmessenstand des Hamburger Verlags Hoffmann und Campe. Diese Auskunft geben auch Sprecher anderer namhafter literarischer Verlage.

Doch auch das hört man überall: Der Offerte im Verlagsprogramm steht kaum Umsatz gegenüber. Absatzzahlen bleiben geheim oder lauten "gleich null". Es scheint glaubhaft, wenn die Marketingleute vieler Verlage vermelden, die Eckdaten ihres E-Book-Handels mangels Relevanz nicht mal zu kennen. "Ich habe neulich mal bei uns nachgefragt", erzählt Harald Wessel, Marketingchef beim Dr. Oetker-Kochbuchverlag. "Aber ich habe nichts gehört, was ich mir hätte merken müssen."

Als Branchenriese hat der Bielefelder Dr.-Oetker-Verlag nach Auskunft Wessels derzeit nur zwei E-Books im Angebot. "Die E-Reader zeigen Fotos bloß in Schwarzweiß", begründet der Marketingmann die bescheidene Auswahl. "Und das wollen wir unseren Kuchen und Torten nicht antun." Wessel nennt damit einen Grund, warum jeder E-Book-Hype an vielen Verlagen bislang vorbeigeht. Auch Reiseführer und -bildwerke sind ohne Farbenpracht auf den Seiten nicht absetzbar.

Offenbar zögern bei der Anschaffung von digitalen Lesegeräten aber auch die Freunde von Belletristik, deren Lektüre in Schwarzweiß ja völlig ausreichend wäre. Ende des Jahres sollen die ersten E-Reader mit Farbdisplay auf den Markt kommen. Doch auch eine bunte E-Book-Welt bleibt für Frank Max, Geschäftsführer des Ditzinger Reclam-Verlags, vorerst uninteressant.

"Selbst wenn E-Books günstiger angeboten werden könnten, ist das für uns momentan nicht attraktiv", sagt Max. "Bei uns bekommen Sie jetzt schon einen 'Faust' als Printausgabe für 2,60 Euro." Der renommierte Reclam-Verlag kommt zurzeit ganz ohne E-Books im Programm aus.

Bei so viel Nüchternheit gegenüber dem E-Book-Geschäft ragt der Wiener Blackbetty-Verlag auf der Buchmesse heraus. Die Österreicher bieten ein besonderes E-Book-Derivat an, das "Mobilebook" fürs Handy. Für kleine Displays - quer- oder hochformatig - layoutet, wollen die Österreicher auch Romanliteratur an mobile Telefonierer verkaufen. "Wir kooperieren mit namhaften Verlagen", versichert Lektorin Simone Czelecz und nennt als Beispiel Random House von der Bertelsmann-Gruppe.

Nicht bloß bei Buchhändlern will Blackbetty demnächst Download-Terminals platzieren, die per Bluetooth Bücher aufs Handy liefern. Online - also nicht nur per Download via PC - liefert auch der E-Reader Kindle 2 vom Internetbuchhändler Amazon künftig Lesestoff aufs Gerät. Vom Kaufen bis zum Lesen vergehe dann nur noch eine drahtlose Minute, verspricht die Sprecherin von Amazon Deutschland, Christine Höger. Erhältlich ist Kindle 2 ab 19. Oktober im Online-Shop der US-Mutter. Wer sofort bestelle, erhalte sein Gerät für rund 250 Euro innerhalb von vier Tagen, kündigt Höger an.

Stefan Höhle, ddp