Angefasst: Edel-Aktivboxen
Edel-Aktivboxen Kristallklang trifft Stealth-Bässe
Ein paar einfache Aktivboxen für den PC gibt es schon für einen Zehner. Viel mehr muss man nicht ausgeben, um seinen Ohren etwas zu hören zu geben. Wer aber seinen Ohren etwas gönnen will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen: Ab etwa 80 Euro bekommt man schon Lautsprechergebilde, die "nach etwas klingen", die hörbare Bässe produzieren und mit denen Musikhören auch über Stunden noch Spaß macht. Was aber bekommt, wer ein Vielfaches davon ausgibt, sich PC-Lautsprecher auf den Schreibtisch stellt, die 400, 500 oder gar 800 Euro kosten? Bezahlt man mit dem vielen Geld nur einen teuren Namen und schickes Design? Oder ist der Unterschied wirklich hörbar?
Ja, der Unterschied ist hörbar. Und das nicht nur für Audio-Spezialisten. Auch ganz normale Ohren registrieren, dass es da einen Unterschied zwischen den Lautsprechern von der Palette im Elektro-Supermarkt und den Nobel-Boxen vom Fachhändler gibt. Ob es sich lohnt, den dafür geforderten Aufpreis zu zahlen, ist eine andere Frage.
Denn billig sind sie wirklich nicht, die drei Aktivlautsprecher-Sets, die ich mir zum Hörtest besorgt habe. Bemerkenswert sind sie aber alle:
Bose Computer MusicMonitor: Mehr Sein als Schein
Da wäre zum ersten der Bose Computer MusicMonitor, der zunächst einmal winzig wirkt. Lächerliche 12,5 Zentimeter ist jede der beiden Boxen hoch, 6,5 Zentimeter breit. Dass man für so wenig Lautsprecherbox immerhin knapp 400 Euro bezahlen soll, macht mich skeptisch. Guter Sound braucht Volumen, das weiß ja jeder. Und Volumen haben diese Mini-Dinger, die locker in meine Handfläche passen, ja gerade nicht. Wie soll da ein brauchbarer Klang entstehen?
Ganz einfach: Durch Technik. Bose hat sehr tief in die Trickkiste gegriffen und gleich mehrere Systeme genutzt, mit denen sich der Klang bei kleinem Volumen akustisch vergrößern lässt. Das einfachste davon ist ein voreingestellter Equalizer, der den Sound an das Gehäuse anpasst, so dass es fetter klingt. Der eigentliche - und ganz besondere - Trick bei Bose sind aber zwei sich gegenüberliegende passive Basslautsprecher, die in der Rückseite der Bose-Böxchen versteckt sind. Sie vergrößern die zur Verfügung stehende Lautsprecherfläche und sorgen für mehr Bass. So viel Bass sogar, dass Bose sie in fest verschraubte Aluminiumgehäuse verpackt, damit Gehäusevibrationen den Klang nicht beeinflussen können.
Das Ergebnis dieser Trickserei kann man hören: Tatsächlich klingen die Winzlinge, als wären sie viel größer. Und das bei so ziemlich jeder Lautstärke. Selbst voll aufgedreht klingen sie noch klar und rund, ohne zu verzerren, die aufwendige Konstruktion macht sich bezahlt. Und nebenbei sind die kleinen Boses eine Zierde für jeden Schreibtisch, eben weil sie sich so dezent in den Hintergrund schieben.
Bowers & Wilkins MM-1: Sound im Stealth-Modus
Dasselbe könnte man beinahe auch für die 500 Euro teure MM-1 von Bowers & Wilkins (B&W) sagen, wären sie nicht erheblich größer als die Bose-Lautsprecher. Ihr zusätzliches Volumen gleichen sie allerdings dadurch aus, das sie quasi im Stealth-Modus operieren. Wer nicht weiß, dass die beiden zylindrischen Gebilde mit dem Stoffüberzug Aktivboxen sind, wird das erst merken, wenn sie erklingen. Bis dahin könnte man sie auch für miniaturisierte Raumluftfilter halten.
Das liegt nicht nur am ungewöhnlichen Design, dass auch bei genauer Betrachtung nicht erahnen lässt, wo unter dem schwarzen Bespannstoff die Lautsprecher verborgen sind. Dass sie da sind, ist im Betrieb allerdings bestens hörbar. Kräftige Bässe werden hier von knackigen Höhen begleitet. Auf die Hochtonwiedergabe ist B&W ohnehin besonders stolz. Der Hochtöner ist eine besondere Konstruktion, bei der direkt an den Klangerzeuger eine Resonanzröhre angeschlossen ist. Das Resultat soll eine besonders gute Trennung von hohen und tiefen Frequenzen sein. Nicht so gut spielt die MM-1 dagegen im Mittenbereich auf, der mir persönlich etwas zu verwaschen klingt.
Dafür bietet B&W als einziger im Testfeld die Option an, den Computer nicht über ein analoges Audiokabel, sondern digital via USB an die Boxen anzustöpseln. Eine gute Idee. Nicht nur, weil jeder Computerbenutzer mittlerweile ein paar USB-Kabel zu viel herumliegen hat. Sondern vor allem, weil Störgeräusche dadurch effektiv ausgeschlossen werden. Insgesamt klingen die B&W-Boxen einen Tick fetter, etwas kräftiger aber auch etwas weniger transparent als die MusicMonitor-Boxen von Bose.
Harman Kardon GLA-55: Total transparent
Was das angeht, haben die teuersten Boxen im Vergleich allerdings überhaupt keine Probleme: Die GLA-55 von Hi-Fi-Hersteller Harman Kardon klingen so, wie sie aussehen - transparent. Dabei lenkt allerdings erst einmal das außergewöhnliche Design und Material die Aufmerksamkeit auf sich. Denn wo Bose auf die Stärke von Aluminium setzt und B&W seine Technik hinter einer Stoffbespannung verbirgt, sorgt Harman Kardon für ungewohnte Einblicke, baut das Gehäuse fast ganz aus Plexiglas. So kann man genau sehen, wo die Resonanzkanäle verlaufen, wie die Lautsprecher angeordnet sind und wie die Kabel verlegt worden sind.
Ein Hingucker sind die GLA-55 also allemal, aber klingen sie auch gut?
Der erste Versuch ist eine Enttäuschung. Auf meinem Schreibtisch strahlen die Kristallboxen zwar mit viel Präsenz und glänzen mit enormer Klarheit bei Mitten und Höhen, fallen im Bassbereich aber klar ab. Da kommt nichts mehr, fürchte ich und bereite mich schon auf einen Verriss vor. Als ich die Lautsprecher aber zum direkten Vergleich zum Hörtest auf dem Wohnzimmerparkett aufbaue, scheint die Akustiksonne aufzugehen.
Plötzlich sind sie da, die fetten Bässe. Und dazu noch Bässe, die nicht nur extrem präzise daherkommen, sondern auch besonders tief in den Basskeller herunterreichen. Im direkten Hörvergleich mit B&W und Bose liefern die Harman-Kardon-Lautsprecher klar das beste Klangbild - aber eben nur solange sie auf einem hinreichend robusten Untergrund stehen. Mein selbstgezimmertes Schreibmöbel ist ihnen dagegen offenbar nicht gut genug, um zu zeigen, was in ihnen steckt. Vor dem Kauf der laut Liste 800 Euro teuren Nobelboxen sollte man also prüfen, ob der Tisch, auf dem sie stehen sollen, standfest genug ist. Dicke Eiche würde helfen - und einen schönen Kontrast zum eiskalten GLA-55-Design abgeben.
Alternativ könnte man einen Subwoofer anschließen, für den Harman Kardon einen Anschluss vorgesehen hat. Eine solche Bass-Erweiterung in einem passenden Design bietet das Unternehmen allerdings nicht an. Stattdessen ist in einer der beiden Stereoboxen fast schamhaft ein Bassregler verborgen, mit dem sich die Tieftöne auf Wunsch verstärken oder absenken lassen - was in Kombination mit einem Subwoofer sinnvoll sein könnte. Hier die richtige Einstellung zu finden, ist allerdings mühsam. Der Regler ist tief im Gehäuse versenkt, nur mit einem schlanken Schraubendreher und viel Gefühl erreichbar. Hat man einmal seinen Wunschpegel eingeregelt, sollte man daran nichts mehr ändern.
Fazit
Kling teuer nun also besser?
Eine generelle Antwort auf diese Frage kann und will ich mir nicht anmaßen. In der Riege der drei zum Hörtest geladenen Edel-Aktivboxen aber kann ich die Frage mit "Ja" beantworten. Beim direkten Umschalten zwischen den drei edlen Stereo-Pärchen war der Unterschied laut und deutlich zu hören, fast als würde jemand auf dem Weg von den Bose über B&W zu Harman Kardon eine Reihe von Vorhängen wegziehen.
Was nicht bedeuten soll, dass eines der drei getesteten Boxen-Paare schlecht klingen würde. Im Gegenteil, besser hat Musik aus dem Computer noch nie geklungen. Besonders beeindruckend ist, was für ein beeindruckend homogenes Klanggeflecht die winzigen Bose-Monitore bis in die Bässe produzieren. Dabei erzeugen sie das im Vergleich am deutlichsten aufgefächerte Stereo-Klangbild.
Die B&W MM-1 trumpfen dagegen mit etwas runderen Bässen und einem weicheren Gesamtklang auf. Genau wie bei Bose liegt auch ihre Stärke klar in der Beschallung eines Computernutzers, der die Boxen neben seinem Bildschirm platziert hat. Ihr USB-Anschluss macht den Anwender von der - nicht immer auf Hi-Fi ausgelegten - Soundkarte im PC unabhängig.
Der Hit aber sind die Gla-55 von Harman Kardon. Ob man das Kristall-Design nun mag oder nicht: Der Sound, den die extrem auffälligen Kunststoffgebilde erzeugen, ist einfach gut - wenn sie richtig aufgestellt sind. Der Preis, den der Hersteller dafür verlangt, hat es allerdings in sich. Mit 799 Euro stehen die Klarsicht-Boxen in der Preisliste - doch diesen Preis verlangt glücklicherweise kaum ein Händler wirklich, meist werden sie günstiger angeboten. Trotzdem sind sie immer noch alles andere als billig - aber das hört man auch.