Messe: Die ersten CES-Highlights 2012
Elektronikmesse in Las Vegas TV-Zauberstäbe und die Bob-Marley-Boombox
Eigentlich will man ja nicht nach Las Vegas. Zumindest nicht im Januar, wenn die Temperaturen in der Wüstenstadt nachts schon Mal unter den Gefrierpunkt sinken können. Vergangenes Jahr war sogar ein wenig Schnee zu sehen. Aber wer wissen will, was in diesem Jahr wichtig sein wird in Sachen Technik, kommt um die Consumer Electronics Show (CES) nicht herum.
Damit nicht nur Fachpublikum in die Wüste geschickt wird, geben sich die Aussteller Mühe, die Messe auch für Otto-Normal-Besucher attraktiv zu machen. Schließlich liegt Las Vegas nicht gerade zentral. Also werden Promis mobilisiert: Rapper 50 Cent wird bei einer Audiofirma Autogramme geben und über Kopfhörer fachsimpeln, Justin Bieber hat einen Besuch bei einem Roboterhersteller angekündigt, Pink-Floyd-Toningenieur Alan Parsons wird über Aufnahmetechnik referieren, Miss America einen Messerundgang absolvieren.
Aber das ist nur schmückendes Beiwerk. Denn tatsächlich dürfte es den meisten der rund 140.000 erwarteten Besucher darum gehen zu erfahren, welche Neuheiten die 2700 Aussteller bieten. Obwohl die Messe erst am 10. Januar beginnt, lassen sich schon einige Trends absehen.
Trend 1: Ultrabooks
Was der PC-Industrie 2012 wirklich wichtig ist, hat Acer schon zwei Tage vor Messebeginn auf der ersten Pressekonferenz der Veranstaltung klargestellt: Ultrabooks. Die superflachen Notebooks im Fahrwasser von Apples MacBook Air (Apple ist auf der Messe nicht vertreten) werden dieses Jahr den Markt überschwemmen. Den Anfang macht Acer mit seinem Aspire S5, dem mit 15 Millimetern an der dicksten Stelle angeblich dünnstem Ultrabook der Welt.
Mit 13,3 Zoll und 1,35 Kilogramm ist es gleichauf mit dem Apple-Vorbild und auch sonst ähnlich ausgestattet (Intel-Prozessor, SSD-Festplatte). Und doch hat es zumindest ein Feature, mit dem es sich nicht nur vom MacBook, sondern von allen anderen Notebooks abhebt: das MagicFlip-I/O-Anschluss-Panel. Das ist im Normalzustand gut geschützt hinter den Scharnieren des Bildschirms verborgen. Erst auf Knopfdruck wird es motorbetrieben herausgeschoben und bringt HDMI-, USB-3.0- und eine Thunderbolt-Schnittstelle für schnelle Datenübertragung hervor.
Ein möglicher Nachteil ist, dass sich das Panel nur bei laufendem Laptop bewegen lässt. Ist das Gerät abgeschaltet, verharrt der MagicFlip I/O in der zuletzt benutzten Position. Nebenbei zeigt Acer, dass Apple nicht mehr allein ist mit der Thunderbolt-Technik, die der Konzern 2011 bei seinen Notebooks eingeführt hat.
Dem Acer-Beispiel werden sicher viele Firmen folgen. Acer selbst zeigt aber auch, dass sich Ultrabook-Technik auch auf andere Produkte übertragen lässt. So sind die neuen Laptops der Timeline-Ultra-Serie zwar dünner, aber doch herkömmliche Notebooks, die beispielsweise auch die Funktion zum schnellen Aufwachen aus dem Ruhezustand von den echten Ultras übernommen haben.
Interessant ist auch der Ansatz, den Lenovo bei seinem ThinkPad X1 Hybrid verfolgt. Das ist erst mal ein Ultrabook, komplett mit Intel-Prozessor und Windows 7. Zur Mediennutzung, also zum Musikhören, Filme und Fotos angucken, schaltet man aber per Mausklick auf einen Dualcore-Smartphone-Prozessor von Qualcomm und ein Linux-Betriebssystem um - und soll so auf bis zu zehn Stunden Akku-Laufzeit kommen. Eine Idee, die mit 1600 Dollar aber auch teuer bezahlt werden muss.
Trend 2: Tablets der nächsten Generation
Ein weiterer Trend sind technische Neuerungen bei Tablet-Rechnern. Asus hat den Anfang gemacht und mit dem Transformer Prime einen Streichelcomputer mit Quadcore-Leistung herausgebracht. Aber Acer legt noch einen drauf und kombiniert bei seinem neuen Iconia Tab den Quadcore-Chip von Nvidia mit einem Full-HD-Display (1920 x 1020 Bildpunkte) im 10,1-Zoll-Format. Diese Erhöhung der Auflösung ist eine Entwicklung, die zu erwarten war. Dem nächsten iPad wird bereits eine Auflösung von 2560 x 1600 Punkten vorausgesagt. Ein passendes Display hatte Toshiba im Oktober vorgestellt. Ob Apple das Gerücht wahr machen wird, ist wie immer fraglich.
Sicher ist dagegen, dass Tablets den Markt überschwemmen werden. Schon auf der vergangenen CES waren die Flachrechner mit über 50 Neuvorstellungen Thema der Messe. Allerdings werden nicht alle davon als iPad-Konkurrent positioniert. Allein Lenovo ist mit fünf neuen Modellen angereist, zum Beispiel mit dem ThinkPad Tablet, einem rein für Geschäftskunden konzipierte Gerät mit optionaler Stiftbedienung und besonderen Sicherheitsfunktionen. Oder mit dem IdeaTab K2 mit Fingerabdrucksensor und Pseudo-Surroundsound, das aber nur in China erhältlich sein wird. Ein direkter Konkurrent zum Asus Transformer Prime wird das IdeaTab S2, das mit Android 4.0 ausgeliefert wird und mit einem optionalen Tastaturdock bis zu 20 Stunden Laufzeit erreichen soll.
Trend 3: Bewegung vor dem Fernseher
Zwar hat Nintendo das Thema Bewegungssteuerung mit der Wii-Spielkonsole schon vor Jahren in die Wohnzimmer gebracht, aber erst Microsofts Kinect hat so richtig gezeigt, dass sich damit mehr anfangen lässt als spielen. Wird Gestensteuerung das Wohnzimmer-Äquivalent zum Touchscreen? Manche hatten schon orakelt - oder eher gehofft -, Microsoft werde das Konzept, ein Gerät über Handbewegungen zu steuern, mit einem eigenen Fernseher verwirklichen.
Aber während Microsoft sich bisher darauf beschränkt, die Spielkonsole Xbox 360 immer weiter in Richtung Settop-Box für den Ferneher auszubauen, legt jetzt LG Electronics etwas Naheliegendes vor, die Magic Remote. Letztlich ist das eine TV-Fernbedienung, die sehr wenige Tasten hat, weil man mit ihr den Fernseher mit Gesten steuern kann. Zudem soll man mit dem Gerät Menüpunkte auswählen können, indem man darauf zeigt. Überdies soll sich der Fernseher damit per Sprachkommando bedienen lassen - auch diese Funktion bietet Microsofts Xbox mit Kinect bereits.