Entwicklungsstopp: Nokia stampft angeblich sein Anti-iPhone ein - DER SPIEGEL
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Entwicklungsstopp Nokia stampft angeblich sein Anti-iPhone ein

War es das schon? Erst vor einem Jahr hatte Nokia ein neues Handy-Betriebssystem angekündigt, endlich zeitgemäß. Doch jetzt sagen Gerüchte: Daraus wird nichts. Das Meego genannte System wird eingestellt.
Handy-Betriebssystem Meego: Doch keine Alternative für Nokia?
Handy-Betriebssystem Meego: Doch keine Alternative für Nokia?

Handy-Betriebssystem Meego: Doch keine Alternative für Nokia?

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Handys

Hamburg - Hat Nokia die Hoffnung aufgegeben? So berichtet es jedenfalls die Nachrichtenagentur Reuters. Einer Meldung vom Mittwoch zufolge hat der finnische Handy-Konzern kaum noch Hoffnung auf einen Erfolg mit einem eigenen neuen Betriebssystem. Die Information kommt Reuters zufolge aus informierten Kreisen. Demnach hätten zwei Personen aus dem Branchenumfeld des Konzerns gesagt, Nokia habe die Entwicklung eines neuen mit dem Betriebssystem Meego gestoppt.

Ein solcher Schritt wäre ein tiefer Einschnitt in die Strategie des Konzerns. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Nokia seine Pläne gemeinsam mit dem Chip-Hersteller Intel auf dem Mobile World Congress in Barcelona erklärt. Der Plan: Die Linux-Projekte der beiden Unternehmen, Moblin und Maemo, sollten unter dem Titel Meego zu einer neuen, plattformübergreifenden Software verwoben werden. Das Ziel der Kooperation ist es, ein universelles Betriebssystem zu erschaffen, das auf Handys, aber auch auf Netbooks, Tablets und sogar auf Fernsehern sowie in Autos läuft.

Schaut man sich die Planung, die Roadmap, zur Entwicklung von Meego  an, ist das auch gelungen. Fertige Meego-Versionen für alle anvisierten Plattformen sind verfügbar, zwei weitere Updates für dieses Jahr geplant. Spürbare Auswirkungen hat das aber nicht gehabt. So verging Nokias jährliche Entwicklerkonferenz ohne eine Meego-Ankündigung, die viele Beobachter eigentlich erwartet hatten. Schaut man heute, Anfang Februar, auf der Meego-Webseite nach, findet man dort exakt ein Serien-Mobiltelefon, auf dem sich die Software installieren lässt: Nokias N900.

Analysten hatten vermutet, Nokia könnte ein unfertiges Meego-Gerät gegen Ende der Woche auf einer Veranstaltung in London oder ein paar Tage später in Barcelona zeigen. Gleichzeitig mehren sich aber auch Berichte, Nokia werde Handys mit Android-Betriebssystem oder gar mit Microsofts Windows Phone 7 vorstellen. Ob letzteres ein geschickter Schachzug wäre, ist umstritten. Schließlich ist auch Microsofts Handy-System nicht sonderlich erfolgreich gestartet.

Symbian wird nicht mehr viel zugetraut

Smartphone

Eines aber bewirken die durchs Netz schwirrenden Gerüchte: In Nokias seit etlichen Jahren gepflegtes Betriebssystem namens Symbian setzt niemand mehr große Hoffnungen. Android-Nokias wünschen sich allerdings zumindest die Netzbetreiber auch nicht, schreibt die "Financial Times" in ihrer Montagsausgabe. Verständlich, schließlich hat Nokias System immer noch, vor allem im Bereich der Nicht-Smartphones, eine treue Anhängerschaft. Und außerdem setzt Nokia mit Symbian einen der wenigen Kontrapunkte zur -Vormacht von Android und iPhone.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollten sich Nokia-Sprecher nicht zu den Berichten äußern, stellten nur fest, dass es momentan eine Menge Gerüchte gebe. Was es damit wirklich auf sich hat, wie es mit Nokia weitergehen wird, und ob die Finnen künftig Mee-Too-Handys statt Meego-Handys bauen werden, wird man erst am Freitag erfahren. Dann wird Nokia-Chef Stephen Elop seine Strategie vorstellen, mit der er Nokias Niedergang aufhalten will.

Ob in seinem Szenario noch Platz für Meego bleibt, oder ob der Ex-Microsoft-Manager Windows Phone 7 oder gar Android den Vorzug gibt, ist eine Frage, die weitreichende Auswirkungen auf die Handy-Branche haben wird. Denn zumindest derzeit sind die Finnen noch der größte Handy-Konzern der Welt.

Damit das auch so bleibt, will der neue Konzernchef Stephen Elop am Freitag eine neue Strategie für den Konzern präsentieren. "Unsere Plattform brennt", hatte Elop selbstkritisch mit Verweis auf den Erfolg des Konkurrenten Apple verlauten lassen. Mit dem drastischen Bild einer in Flammen stehen Ölplattform warb er bei seinen Mitarbeitern für den Sprung aus hoher Höhe ins kalte Wasser - für radikale Änderungen im Konzern.

Mit Material von Reuters