EU-Öko-Richtlinie: Stromsparen wird Pflicht - DER SPIEGEL
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EU-Öko-Richtlinie Stromsparen wird Pflicht

Der Countdown läuft: Ab Dienstag verschwinden EU-weit starke und alle matten Glühbirnen aus den Regalen - Nachlieferungen wird es nicht mehr geben. Doch das ist längst nicht alles, was sich ändert. Es gibt kaum eine E-Geräteklasse, die von den Stromsparverordnungen aus Brüssel nicht betroffen wäre.
Bald Nostalgie: In mehreren Phasen soll der Uralttechnologie Glühbirne der Garaus gemacht werden. Ab 1. September verschwinden in einem ersten Schritt alle matten Modelle
Bald Nostalgie: In mehreren Phasen soll der Uralttechnologie Glühbirne der Garaus gemacht werden. Ab 1. September verschwinden in einem ersten Schritt alle matten Modelle

Bald Nostalgie: In mehreren Phasen soll der Uralttechnologie Glühbirne der Garaus gemacht werden. Ab 1. September verschwinden in einem ersten Schritt alle matten Modelle

Foto: Jochen Lübke/ DPA
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Das durchaus umstrittene Aus für die Glühbirnen ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren treten weitere Regeln der sogenannten Ökodesign-Richtlinie der EU in Kraft, die den Markt für Elektronikgeräte nach und nach verändern werden - und zwar tatsächlich zum monetären Vorteil der Verbraucher. Denn die betroffenen Produkte werden nicht wie die Glühbirne vom Markt verschwinden, müssen aber neue Höchstverbrauchswerte einhalten.

Betroffen sind explizit in der Richtlinie genannte Geräteklassen, prinzipiell aber so gut wie alles von weißer (Haushaltsgeräte) bis zu sogenannter brauner Ware (Unterhaltungselektronik). Denn neben Vorschriften für bestimmte Gerätetypen gibt es auch Regeln, die für alle E-Geräte gelten werden:

Fernseher

Ab 20. August 2010 soll jeder neu auf den Markt kommende Fernseher maximal so viel Strom verbrauchen wie ein heute verkauftes Durchschnittsgerät - technisch ist das keine Herausforderung für die Hersteller. Aber: Von April 2012 an muss die Energieeffizienz 20 Prozent über dem heutigen Durchschnitt liegen - der Verbrauch also entsprechend niedriger. Die Vorgaben für einzelne Modelle hängen von der Bildschirmgröße ab. Schon im Januar 2010 und im August 2011 sollen Vorgaben für den Verbrauch im Stand-by-Betrieb und bei ausgeschaltetem Gerät in Kraft treten.

Kühl- und Gefrierschränke

Für Kühl- und Gefrierschränke gelten neue Verbrauchsobergrenzen ab Juli 2010. Sie werden im Juli 2012 und im Juli 2014 nochmals herabgesetzt. Geräte der heutigen Energieklassen "A" bis "G" verschwinden vom Markt, übrig bleiben sollen nur Geräte, deren Verbrauch heute mit dem Siegel "A+" oder "A++" angegeben ist. Ein in drei Jahren verkaufter Kühlschrank muss danach mindestens 20 Prozent weniger Energie verbrauchen als ein heute auf dem Markt angebotener Durchschnittskühlschrank.

Externe Netzteile

Externe Netzteile wandeln aus der Steckdose kommenden Strom auf eine niedrigere Voltzahl um, wie es für viele Haushalts- und Bürogeräte nötig ist, etwa Telefone und Computer. Dabei geht Energie verloren, für den Anwender sogar fühlbar - denn Netzteile verschwenden einen nicht unerheblichen Teil ihres Stroms in Form von Wärme. Auch dann, wenn das angeschlossene Gerät ausgeschaltet ist. Die neuen Vorgaben, die ab April 2010 in Kraft treten, sollen Stromverluste durch externe Netzteile bis 2020 um fast ein Drittel verringern.

Digitalempfänger und Set-Top-Boxen

Die auch Set-Top-Boxen genannten Empfänger sind Geräte, mit denen digitale Rundfunksignale für den heimischen Fernseher in analoge Signale umgewandelt werden. Die neuen Energieeffizienzvorgaben treten ab Februar 2010 in Kraft. Sie sollen bis 2012 Einsparungen von 55 Prozent bringen.

Das sogenannte Stand-by soll eines werden

Was uns Büro- und Unterhaltungselektroniker bisher als sogenanntes Stand-by verkauften, war zumeist eine Mogelpackung, wenn nicht schlicht gelogen: Viele Geräte verbrauchen "ausgeschaltet" kaum weniger Strom als im Betrieb. Das soll sich ändern. Ab 7. Januar 2010 darf der Stromverbrauch neuer Haushalts- und Bürogeräte im Bereitschaftsbetrieb (Stand-by-Modus) generell zwei Watt nicht überschreiten. Sind sie komplett ausgestellt, ziehen aber dennoch Strom aus der Steckdose, muss dieser Wert unter einem Watt liegen. Die Werte werden 2013 auf ein und 0,5 Watt abgesenkt, sofern nicht für einzelne Produkte spezielle Termine gelten. Auch jetzt schon lässt sich der Stromverbrauch im Stand-by auf Null senken, indem man eine schaltbare Steckerleiste (ab ca. 3,50 Euro) einsetzt: Da ist aus wirklich aus.

Weitere Produktgruppen

Neue Effizienzstandards hat die EU auch für Industriemotoren und Umwälzpumpen gesetzt. In den kommenden Monaten und Jahren sollen laut Kommission Standards für viele weitere Produkte festgelegt werden, darunter Waschmaschinen, Boiler, Klimaanlagen und Computer. Von einer Revision der Ökodesign-Richtlinie könnten zudem Produkte wie Fenster betroffen sein, die selbst keine Energie verbrauchen, aber für den Energieverbrauch eine Rolle spielen.

pat/AFP