Internetrouter Fritzbox-Hersteller AVM soll offenbar verkauft werden
Fritzbox von AVM: Internet, WLAN und Telefoniefunktionen
Foto: AVMNeben Jubelmeldungen über neue Produkte und Trophäen steht auf der Homepage des Berliner Unternehmens AVM eine Stellenanzeige. Der Hersteller von den als Fritzbox bekannten Internetroutern und Smarthome-Zubehör sei stets auf der »Suche nach außergewöhnlichen Talenten und kreativen Köpfen«, heißt es da.
Aktuell aber sei die Firma vor allem auf der Suche nach einem neuen Besitzer, berichtet das »Handelsblatt« .
Die Investmentbank Lincoln habe bereits einen Auktionsprozess vorbereitet, mehrere Private-Equity-Investoren würden sich mit der Firma beschäftigen, heißt es weiter. Das Blatt beruft sich dabei auf »mit der Angelegenheit vertraute Personen«. Lincoln hat demnach eine Stellungnahme abgelehnt, AVM den Vorgang weder bestätigt noch dementiert.
Dem »Handelsblatt« erklärte das Unternehmen nur, dass die Gründer auf die 70 Jahre zugehen und sicherstellen wollen, »dass der Erfolg von AVM weitergeht, auch wenn sie eines Tages nicht mehr im Unternehmen sind.« Der Übergang werde seit einiger Zeit diskutiert und geplant, an Spekulationen wolle man sich aber nicht beteiligen.
Anfänge als Agentur für Bildschirmtext
AVM nahm seinen Anfang 1986, als vier Studenten das Unternehmen in Berlin-Neukölln als Dienstleister für Bildschirmtext (BTX) gründeten. Aus jener Zeit stammt auch der Firmenname, der als Abkürzung für den Begriff »Audiovisuelles Marketing« steht. Der Name Fritz werde allen Produkten vorangestellt, »weil man einen nicht technischen Namen suchte, der auch im Ausland augenzwinkernd deutsche Wertarbeit andeuten sollte«, sagte einer der Gründer, Johannes Nill, 2006 SPIEGEL ONLINE.
Zunächst entwickelte das Team im Auftrag von Loewe und Blaupunkt BTX-Anwendungen für Onlinebanking und Preisvergleiche. Wirklich erfolgreich wurde die damals noch kleine Firma aber erst, als sie PC-Steckkarten für den digitalen Datenübertragungsdienst ISDN produzierte, die Anfangs noch zu Stückpreisen von mehreren Tausend Euro verkauft wurden.
Anfang des neuen Jahrtausends stieg das Unternehmen dann in den boomenden Markt für DSL-Router ein. Anfangs kombinierten die Geräte noch ein DSL-Modem mit einer Telefonanlage für digitale und analoge Anschlüsse in einem Gerät. Als WLAN-Verbindungen populär wurden, baute die Firma zusätzlich noch eine Basisstation für kabellose Verbindungen in ihre Fritzbox-Router ein. Mittlerweile umfasst das Portfolio Router für DSL, Glasfaser, TV-Kabel sowie Mobilfunkanschlüsse und außerdem etliche Zusatzgeräte für Smarthome-Anwendungen.
Stress in den Neunzigern
In den Neunzigerjahren rangen die Gründer zum ersten Mal mit einem möglichen Verkauf des Unternehmens. Eine Berliner Bank, die sie zur Finanzierung des Wachstums als Gesellschafter aufgenommen hatten, wollte ihren Anteil zu Geld machen und AVM an einen US-Konzern verkaufen. Mit dem Vorschlag der Bank war damals aber nur Ernst Nill, Bruder von Johannes Nill, einverstanden. Er hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon aus der Firma zurückgezogen. Der Streit endete damit, dass die übrigen drei Gründer sich hoch verschuldeten, um der Bank schließlich ihre Anteile abkaufen zu können.
Dass sich das Risiko gelohnt hat, steht heute außer Frage. AVM hat mittlerweile fast 900 Mitarbeiter, residiert in einem stattlichen Gebäude an der Spree, dominiert mit seinen Produkten den deutschen Markt und ist längst auch im Ausland erfolgreich. Für das Jahr 2022 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 620 Millionen Euro , der Gewinn soll Schätzungen zufolge im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen.