Google-Handy im Check: Blitzschnell, schön, bequem - DER SPIEGEL
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Google-Handy im Check Blitzschnell, schön, bequem

Was kann das Nexus One wirklich? Von Googles erstem Handy gibt es in Deutschland noch keine Testgeräte - doch SPIEGEL ONLINE konnte das sogenannte Superphone schon ausprobieren. Der erste Eindruck nach dem Schnell-Check: unerwartet und fast ungetrübt positiv.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Nexus One ist bisher vor allem eines - eine Rarität. Google hat unabhängigen Testern noch nicht viel Zeit zum Fühlen, Drücken und Spielen mit dem neuen Handy gegeben. In den USA beliefert das Suchmaschinen-Imperium die Presse zwar seit Wochen mit Geräten. Doch Deutschland geht leer aus.

Dass SPIEGEL ONLINE das neue "Superphone" (Eigenwerbung) trotzdem schon ausprobieren konnte, ist einigen Google-Mitarbeitern zu verdanken, die uns ihre Geräte für einen Vormittag ausgeliehen haben. Wie ihre Kollegen in den USA haben auch sie das Handy schon vor Weihnachten zum Testen bekommen.

Ein Vormittag reicht natürlich nicht für einen kompletten Check. Aber einen guten Eindruck von Googles Handy-Erstling bekommt man in der kurzen Zeit. Und der ist unerwartet und fast ungetrübt positiv.

Das fängt schon beim Design an. Die Ecken des Nexus One sind noch ein wenig stärker abgerundet als zum Beispiel das iPhone; das Gerät liegt gut in der Hand und flutscht leicht in Hosen- oder Jackentasche. Die Bedienelemente sind genau da, wo sie sinnvoll sind: Links oben eine Sleep-Taste zum Stromsparen, seitlich die Lautstärkewippe und direkt unter dem Display der Trackball, den man wohl nur selten brauchen wird.

Um das Handy effizient zu bedienen, braucht man meist beide Hände. Googles Betriebssystem Android 2.1 macht es einem recht leicht, via Touchscreen Objekte zu verschieben, Programme oder andere Aktionen zu starten. Daran hat sich gegenüber anderen Android-Handys wie dem Motorola Milestone (alias Droid) und dem Samsung Galaxy nichts geändert.

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Nexus One: Googles Handy im Kurztest

Foto: Matthias Kremp

Was sich allerdings geändert hat, ist die Geschwindigkeit. Das Handy reagiert blitzschnell auf Eingaben. Verzögerungen waren während des kurzen Tests nicht ein einziges Mal zu spüren. Qualcomms ein Gigahertz schneller Snapdragon-Prozessor scheint hier tatsächlich sein Versprechen zu erfüllen, der schnellste Handychip der Welt zu sein. Beim Toshiba TG01 mit Windows Mobile war das nicht gelungen.

Welche möglichen Folgen der fixe Antrieb für die Akkulaufzeit hat, ließ sich an einem Vormittag allerdings nicht ermitteln. "TechCrunch"-Blogger Michael Arrington berichtet, er habe den Akku seines Nexus One im Härtetest in 1,5 Stunden leergesaugt - mit einem Spiel namens "Robo Defense" bei maximaler Bildschirmhelligkeit. Arringtons Kommentar : "Seien Sie darauf vorbereitet, für dieses Telefons stets ein Ladegerät in Reichweite zu haben."

Die Testzeit reichte zum Ausprobieren etlicher Applikationen, zum Herumspielen mit Bildersammlungen, der Digitalkamera und dem Browser - und dabei war der beherrschende Eindruck: Das Nexus One ist ein ausgereiftes Mobiltelefon, das nie ins Stocken kam, nie abbrach, sich durch nichts durcheinanderbringen ließ, egal wie viel und wie schnell man drückte.

Das einzige Manko für iPhone-Kenner ist das Fehlen von Multitouch-Bedienfunktionen, zum Beispiel die Möglichkeit, mit zwei Fingern in Bilder oder Internetseiten hineinzuzoomen. Die Hardware wäre dazu wohl in der Lage, doch die Software ignoriert derlei Gesten. Allerdings lassen sich auch so schnell und einfach Zoomfunktionen aufrufen. Wer Multitouch nicht kennt, wird es kaum vermissen.

Können Sie Chinesisch?

Dass man das Nexus One in Deutschland noch nicht kaufen kann, hat übrigens auch technische Gründe. Einer der wichtigsten: Die Spracherkennung, mit der man das Handy steuern, Mails und Kurznachrichten diktieren kann, versteht bisher nur Englisch und Chinesisch. Ohne deutsche Version fehlt eine wesentliche Funktion und verpufft viel von dem Charme, den das Gerät ansonsten ausstrahlt.

Ganz ähnlich sieht es mit der Navigationslösung Google Maps Navigation aus. Solange hier kein vollständiges Material mit Straßenbildern für Europa vorliegt, gibt es auch mit dieser Software ein Problem.

Darüber hinaus ist noch unklar, an welche Tarif- und Vertragsbedingungen Googles europäischer Mobilfunkpartner Vodafone das Nexus One koppeln will. Erst wenn das geklärt ist, kann Google den Verkauf in Deutschland beginnen - ansonsten wäre Vodafone verständlicherweise verprellt, denn dem Konzern würden wohl einige potentielle Neukunden entgehen.

Neueste Android-Version erst mal nur für das Nexus One

Erst mal bleiben deutsche Interessenten also auf andere Handys mit dem Betriebssystem Android angewiesen, wenn sie diese Plattform interessiert. Google hat bei der Präsentation des Nexus One explizit darauf hingewiesen, dass das eigene Gerät keineswegs bedeutet, dass andere Hersteller bei Android nun außen vor sind. Stattdessen wurde Stolz darüber bekundet, dass mittlerweile 52 Mitglieder zur Open Handset Alliance (OHA) gehören, die das System weiterentwickeln. Sie sollen ihre Handys sogar über den Online-Shop vertreiben dürfen, der für das Nexus One eingerichtet wurde. Wobei abzuwarten ist, wann und wie viele Hersteller dieses Angebot annehmen werden. Noch haben die Mobilfunkanbieter nicht reagiert, die zumindest in Deutschland noch weitgehend ungestört als Handyverkäufer auftreten. Und auch Firmen wie Motorola und Samsung schweigen, die Android-Handys im Angebot haben.

Kein Wunder - schließlich bezeichnet Google sein Nexus One durchaus als das zurzeit beste Mobiltelefon. Sprich: besser als die Android-Geräte anderer Firmen.

Das stimmt insofern, als sich Google die neueste Android-Version 2.1 vorerst für das Nexus One vorbehalten hat. Nicht einmal das noch junge Motorola Milestone kann bisher darauf upgedatet werden.

Gute Kombination, gute Grundlage

Google hat sich mit Android 2.1 und der perfekt zugeschnittenen Nexus-One-Hardware von HTC eine Kombination zurechtgelegt, die dem Handy sicher zum Vorteil gereichen wird. Für ein abschließendes Urteil über das Gerät reicht ein Testvormittag sicher nicht aus. Aber fest steht, dass Googles Handy gute Voraussetzungen für einen Erfolg auf dem Markt hat: dank einer Kombination aus zeitgemäßer Hardware, einem unkomplizierten Betriebssystem, das Spaß beim Bedienen macht, und einem Vertriebsmodell, das den Kunden nicht an bestimmte Verträge knebelt.

Ob der Erfolg in Deutschland genauso groß sein wird wie bei Apples iPhone, ist eine andere Frage. Um sie zu beantworten, müsste man das Ding jetzt kaufen können.