Google I/O: Google kündigt Android M und Jump an - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Entwicklerkonferenz I/O Virtuelle Schulausflüge mit der Google-Brille

Google will es leichter machen, virtuelle Welten zu erschaffen: Auf seiner Entwicklerkonferenz kündigte der Konzern ein entsprechendes Kamera-System an, das jeder nachbauen darf. Außerdem gibt es ein neues Android-Betriebssystem.
Projekt Jump: Mit einen System aus 16 Videokameras VR-Filme drehen
Projekt Jump: Mit einen System aus 16 Videokameras VR-Filme drehen

Projekt Jump: Mit einen System aus 16 Videokameras VR-Filme drehen

Foto: Robert Galbraith / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Entwicklerkonferenz I/O ist Googles größte und wichtigste Veranstaltung des Jahres. Tausende Entwickler und Journalisten reisen dafür nach San Francisco, um zu erfahren, was der Konzern Neues plant oder bereits entwickelt hat. Allein die Länge der Eröffnungsveranstaltung zeigt, wie breit der Konzern aufgestellt ist: Fast zweieinhalb Stunden sprachen Google-Manager über neue Android-Versionen, Forschungsprojekte und Updates.

Für Begeisterung im Publikum sorgte Google schon vor Beginn der Show mit einem echten Nerd-Spaß: In der Mitte des Saals war eine Konsole aufgebaut, auf der zwei Teilnehmer gegeneinander im Arcade-Klassiker Pong antreten konnten. Das Spiel wurde auf riesige Leinwände projiziert, es wurde gejohlt, gebrüllt, angefeuert - wie im Fußballstadion.

Bei der anschließenden Präsentation verkündete Google ein Update zum Überraschungshit des vergangenen Jahres, dem Project Cardboard. Die einfache Pappbrille hatte virtuelle Realität bezahlbar gemacht. Der Bausatz, in dem ein Smartphone als Computer und Bildschirm dient, wurde mittlerweile mehr als eine Million Mal verkauft.

Fotostrecke

Cardboard: So bastelt man die Pappbrille

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der Konzern kündigte eine neue Version an, weil Smartphones immer größer werden. Die neue Brille ist für Geräte bis sechs Zoll Größe geeignet und verfügt über einen verbesserten Schaltmechanismus. Außerdem unterstützt die Software jetzt auch das Apple-Betriebssystem iOS. Unter der Bezeichnung Expeditions wird außerdem eine Software angeboten, die Project Cardboard zum Lehrmittel macht. Sie synchronisiert VR-Brillen von Lehrern und Schülern für virtuelle Ausflüge.

Die wichtigste Neuheit zum Thema VR war jedoch, dass Google ein Kamerasystem namens Jump entwickelt hat, mit dem man selbst VR-Filme drehen kann. 16 Videokameras sind darin kreisförmig angeordnet, filmen gleichzeitig. Mit einer passenden Google-Software sollen die Aufnahmen der Kameras leicht zu einem Gesamtfilm verwoben werden können.

Den Bauplan für die Kamerakonstruktion gibt Google für die Öffentlichkeit frei, so dass sie jeder nachbauen kann. Gleichzeitig wurde angekündigt, dass Kamerahersteller GoPro ein kommerzielles Jump-System zum Kauf anbieten wird. Damit dürfte die Frage, wie man Inhalte für VR-Brillen erzeugen soll, fürs Erste geklärt sein.

Fotostrecke

Entwicklerkonferenz: Ein Rundgang über die Google I/O 2015

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die nächste Android-Version

Ein weiteres Highlight war die Vorschau auf Android M, eine neue Version des Mobilbetriebssystems von Google. Wofür das M in der Bezeichnung steht, wurde nicht beantwortet. Es wird gemunkelt, dass es für Milky Way (Milchstraße) stehen könnte. Manager Dave Burke stellte eine Vorschauversion der Software für Entwickler vor. Die wichtigsten Neuerungen:

  • Die Datenschutzeinstellungen können pro App eingestellt werden, so wie bei iOS.
  • Chrome Custom Tabs sollen Browser-Technik in Apps nutzbar machen. Entwickler können quasi einen Mini-Browser in ihre Apps einbauen.
  • Spezielle App-Links sollen dafür sorgen, dass Links automatisch mit der passenden App oder dem passenden Dienst geöffnet werden.
  • Android Pay soll ein systemweit nutzbares Bezahlsystem werden. 700.000 Läden in den USA werden es unterstützen.
  • Mit Android M führt Google die systemweite Unterstützung von Fingerabdrücken als Identifizierungsmöglichkeit ein.
  • Die Energieverwaltung soll verbessert werden. Doze heißt eine Funktion, die das Gerät in Pausen in einen Ruhemodus versetzt . Die Akkulaufzeit soll so verdoppelt werden.
  • Mit Android M soll der Typ-C USB-Anschluss Standard bei Android-Geräten werden.
  • Eine erste Entwicklerversion von Android M ist ab sofort für einige Nexus-Geräte verfügbar.

Anders als erwartet gab es keine Neuheiten zu Android Wear zu sehen, Googles Betriebssystem für Smartwatches. Dafür aber einen Ausblick darauf, wie Google das sogenannte Internet der Dinge steuern, also alles von der Glühbirne über die Heizung bis hin zur Waschmaschine vernetzen will.

Unter dem Namen Brillo wurde ein eigenes Betriebssystem für das Internet der Dinge angekündigt. Entwickler von Google und Nest haben gemeinsam daran gearbeitet. Das Android-basierte Brillo zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr geringe Hardware-Anforderungen hat. Zu Brillo gehört Weave, eine Technologie, die die Kommunikation zwischen Geräten vereinfachen soll. Android-Geräte sollen Geräte mit Brillo und Weave automatisch erkennen können, eine Konfiguration wäre damit nicht nötig.

Mehr wissen, mehr sehen, Geld sparen

Managerin Aparna Chennapragada zeigte eine Eweiterung des Android-Dienstes Google Now: Now on Tap, eine kontextsensitive Suchfunktion, die auch in Apps funktioniert. Ein Beispiel: Wird man per E-Mail gefragt, ob man einen Film im Kino sehen will, werden automatisch Infos zum Film aufgerufen. Die Funktionsweise ist faszinierend, weil das System tatsächlich den Kontext zu erkennen scheint, dadurch vieles selbstständig herausfindet und den Anwender schneller zu verwertbaren Ergebnissen führt.

Google Photos: Unbegrenzter Online-Speicherplatz für Filme und Fotos

Google Photos: Unbegrenzter Online-Speicherplatz für Filme und Fotos

Foto: Justin Sullivan / AFP

Google Photos ist eine neue App, die das Sammeln, Verwalten, Bearbeiten und Teilen von Fotos vereinfachen soll. Die App kann beispielsweise alle Fotos eines Nutzers nach den fotografierten Personen, Orten oder Anlässen sortieren. Mit Google Photos soll man Fotos verbessern, zu Animationen oder Sammlungen zusammenfügen können. Nutzer können in Google Photos unbegrenzt Bilder und Videos online ablegen, sofern deren Auflösung 16 Megapixel oder 1080p nicht übersteigt. Das kostenlose Angebot soll ab Donnerstagabend verfügbar sein.

Fast nebenbei wurde eine Funktion angekündigt, die man beispielsweise im Urlaub schätzen wird: Google Maps bekommt einen Offline-Modus, in dem alle Funktionen der digitalen Karte nutzbar bleiben. So kann man Datenvolumen sparen, was vor allem beim Roaming richtig Geld sparen kann. Es wird aber noch einige Monate dauern, bis das entsprechende Update verteilt wird.