Hackertreffen: Sicherheitslücke Netzwerkdrucker - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hackertreffen Sicherheitslücke Netzwerkdrucker

So haben Hacker das gern: Warum umständlich Firewalls und andere Netzwerksperren umgehen, wenn man durch den Nebeneingang viel leichter in ein Netzwerk eindringen kann? Wie das geht, haben IT-Experten jetzt auf einer Sicherheitskonferenz gezeigt. Als Türöffner benutzten sie Drucker.
Multifunktions-Netzwerkdrucker: Ein potentielles Einfallstor für Hacker-Angriffe
Multifunktions-Netzwerkdrucker: Ein potentielles Einfallstor für Hacker-Angriffe

Multifunktions-Netzwerkdrucker: Ein potentielles Einfallstor für Hacker-Angriffe

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Drucker werden offenbar viel zu oft unterschätzt - und das könnte sich als fataler Fehler entpuppen. Auf der Computer-Sicherheitskonferenz Shmoocon 2011  in Washington DC haben zwei Informatik-Experten vorgeführt, wie man moderne Drucker benutzen kann, um geheime Daten, Benutzernamen und Passworte aus Netzwerken auszulesen oder die vernetzten Drucker gar zu kriminellen Zwecken zu verwenden. Möglich werden die Fremdeingriffe - wie so oft - durch nachlässigen Umgang mit Sicherheitseinstellungen und durch Softwarefehler.

Das generelle Problem: Oft werden Drucker nur als notwendiges Anhängsel im Netzwerk wahrgenommen. Dass sie überhaupt vernetzt sind, hat den schlichten Grund, dass es wirtschaftlicher ist, einen Drucker für alle Nutzer im Netzwerk bereitzustellen, statt auf jedem Schreibtisch einen eigenen Printer aufzustellen. Und das gilt längst nicht mehr nur für Firmen. Auch Zuhause haben viele Anwender Netzwerkdrucker stehen. Im Grunde aus demselben Grund wie Firmen: Es ist einfach billiger, wenn sich alle Familienmitglieder ein Gerät teilen.

Netzwerkdrucker sind allerdings mittlerweile zu veritablen Kleinrechnern geworden, die weit mehr können, als bloß Buchstaben und Bilder zu Papier zu bringen. Eben weil sie vernetzt sind, können sie auch über das Netzwerk konfiguriert werden, meist auch via Internet. Die aktuelle Generation von Multifunktionsgeräten ist zudem, beispielsweise bei HP, auch per E-Mail ansteuerbar. Etliche Geräte bieten zudem Zusatzfunktionen, können kleine Programme ablaufen lassen, beispielsweise, um automatisiert eine kleine Zeitung, die Wettervorhersage oder einfach ein Sudoku auszudrucken.

Standardpassworte

Genau diese Fähigkeiten vieler Drucker haben die IT-Sicherheitsberater Deral Heiland und Pete Arzamendi  jetzt ausgenutzt, um in Netzwerke einzudringen. Eigentlich arbeiten die beiden Informatiker als bezahlte Hacker, suchen im Auftrag von Unternehmen nach Schwachstellen in deren Netzwerken. Genau bei dieser Arbeit sind sie auf die Möglichkeit aufmerksam geworden, Drucker als Türöffner zu verwenden.

Oft würden Hersteller und Anwender es Eindringlingen besonders einfach machen, indem sie etwa das voreingestellte Standard-Passwort des Druckers unverändert beibehalten. Der Schwarze Peter muss hier den Herstellern zugeschoben werden. Hersteller von Netzwerk-Routern und W-Lan-Geräten sind mittlerweile größtenteils dazu übergegangen, ihre Geräte entweder ab Werk mit individuellen Zugangspassworten zu sichern oder den Anwender bei der Ersteinrichtung zu zwingen, sich ein eigenes Passwort einzurichten. Ein solches Sicherheitsbewusstsein hat sich den beiden Experten zufolge bei Druckern noch nicht durchgesetzt. Die meist unveränderten Standard-Passworte aber lassen sich, beispielsweise über online verfügbare Handbücher, leicht herausfinden.

Hacker-Automatik

Zudem gebe es oft schlichte Softwarefehler, die es Datendieben leicht machten. So würde auf einigen Druckern unsichere Server-Software laufen, die Nutzernamen und Passworte ungesichert abspeichert. Wie schwerwiegend dieses Manko ist, erklärte Heiland der " Technolgy Review ": "Wir können dann einfach in den Quellcode gehen und in den entsprechenden Datenfeldern diese Informationen im Klartext nachlesen." Bei einigen Geräten lasse sich der Passwortschutz zudem einfach umgehen, indem man bestimmte Druckerkommandos ohne Umweg über eine Benutzerabfrage an den Drucker schickt.

Um nachvollziehbar zu machen, wie einfach man an die Daten der Drucker kommt und sie nutzen kann, um ins Netzwerk einzudringen, haben die beiden Experten ein kleines Programm geschrieben. Die Software namens Praeda  sei zwar noch im Beta-Stadium, könne aber bereits jetzt benutzt werden, um ungeschützte Daten einiger Drucker automatisch aus fremden Netzen auszulesen.

Geheimspeicher mit Panik-Knopf

Dass sich die Schwchstellen in Netzwerkdruckern noch ganz anders ausnutzen lassen, zeigt derweil der IT-Experte Ben Smith. Er hat sich HP-Drucker als Angriffsziel  ausgesucht. Wohl auch, weil diese Geräte schon seit Jahren über sogenannte PJL-Kommandos (Printer Job Language) gesteuert werden können. Smith nutzt Schwächen dieser Kommandosprache, um Kontrolle über den Speicherplatz der Drucker zu bekommen, die mittlerweile oft mit eigenen Festplatten ausgerüstet sind.

Mit seiner Software "printFS", erklärt der Programmierer, könne man Dateien unbemerkt auf den Druckern ablegen. So könnte man beispielsweise geheime oder gestohlene Daten in einem Netz gekaperter Drucker ablegen und vor fremden Zugriffen sichern. Smith geht dabei in mehrfacher Hinsicht auf Nummer sicher. So lässt er die Dateinamen von seiner Software nach dem Zufallsprinzip vergeben und sorgt außerdem dafür, dass die Daten verschlüsselt auf den Druckernliegen. Sogar einen virtuellen Panik-Knopf hat er eingebaut. Ein Mausklick darauf genügt, und die versteckten Dateien werden automatisch gelöscht.

Wer will die Beute sein?

Aber damit ist Smiths Fantasie noch lange nicht ausgeschöpft. Auf seiner Liste "Lustiger Dinge, die man noch mit PJL machen kann", hat er zusammengetragen, wie sich die Schwachstellen in der Druckersteuerung noch ausnutzen lassen, um Anwender und Besitzer zu erschrecken und zu ärgern. Das fängt damit an, dass man auf den Bildschirmchen der Geräte lustige Animationen abspielen könnte und geht so weit, dass die Festplatten gesperrt oder die Drucker zum Endlosdruck veranlasst werden könnten.

Dass man tatsächlich von einer derartigen - ökologisch gar nicht korrekten - Hacker-Attacke getroffen wird, ist allerdings ausgesprochen unwahrscheinlich. Schon vor acht Jahren wurde vor Sicherheitslücken in Druckern gewarnt, passiert ist seither wenig. Trotzdem sollte man die aktuellen Beispiele zum Anlass nehmen, seinen Netzwerkdrucker mit einem neuen Passwort zu schützen. Spätestens jetzt, da Heiland und Arzamendi ihr Drucker-Hacker-Tool Praeda jedermann zugänglich gemacht haben, sollte man aufpassen, dass man nicht zu dem wird, was der Name der Software bedeutet: Praeda ist das lateinische Wort für Beute.